Lokalpatriot und Unternehmer

Der Bandagenhersteller Bauerfeind zählt in Ostdeutschland zu den größten Familienunternehmen. Als Kind hat Firmenpatriarch Hans B. Bauerfeind 1949 die Vertreibung in den Westen miterlebt und nach der Wiedervereinigung die Rückkehr ins Vogtland forciert. Nun wird er 80.

Zeulenroda - Etliche bekannte deutsche Unternehmen haben ihre Wurzeln im Osten des Landes, sind aber nach 1945 in den Westen gezogen. Der Autohersteller Audi etwa, der Optikkonzern Zeiss, das Lebensmittelunternehmen Teekanne oder der Filmhersteller Agfa. Nach der Wiedervereinigung gründeten einige zwar Standorte in den neuen Bundesländern, doch nur wenige zogen komplett zurück. So wie die Ostthüringer Bauerfeind AG. "Bereut habe ich diese Entscheidung nie", betont der langjährige Chef des Familienunternehmens Hans B. Bauerfeind. Heute wird er 80 Jahre alt.
Weggefährten beschreiben ihn als zupackend, geradlinig, bodenständig, als einen Lokalpatrioten und jemanden, der kein Blatt vor den Mund nimmt. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs wollte Bauerfeind beim Aufbau Ost dabei sein. "Unser Familienunternehmen wurde schließlich in Zeulenroda gegründet", betont er rückblickend. "Ich bin hier geboren." Schritt für Schritt verlegte er daraufhin sein Unternehmen nach Ostthüringen - zum Nachteil des damaligen Stammwerkes Kempen am Niederrhein, das 2009 ganz dicht gemacht wurde.
Die Rückkehr des Unternehmens an den Gründungsstandort bezeichnen die Historiker Rainer Karlsch und Michael Schäfer in einer Studie über die Geschichte industrieller Familienunternehmen in Ostdeutschland als "herausragend". Nach Unternehmensangaben wurden in Ostthüringen bisher mehr als 200 Millionen Euro investiert - nicht nur in Zeulenroda (Kreis Greiz) selbst, sondern auch an einer im vergangenen Jahr neu aufgebauten Produktionsstätte in Gera.
"Mit seiner Rückkehr zu den Wurzeln des Unternehmens in Zeulenroda im Jahr 1991 hat er eines der bedeutendsten Unternehmen in Thüringen wieder aufgebaut und über 45 Jahre mit Fleiß, Mut und Entschlossenheit geleitet", lobt Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee (SPD). Hans Bauerfeind sei "eine ganz besondere Unternehmerpersönlichkeit Thüringens".
Die Firma Bauerfeind stellt Kompressionsstrümpfe, Bandagen und Orthesen sowie Einlagen her. Rund 2100 Beschäftigte zählt das Unternehmen weltweit. Der Umsatz der Gruppe beläuft sich nach eigenen Angaben auf fast 300 Millionen Euro im Jahr. Damit zählt Bauerfeind zu den größten Familienunternehmen in Ostdeutschland - und schmückt sich auch mit einem großen Namen: Als Markenbotschafter haben die Ostthüringer 2016 Ex-Basketball-Star Dirk Nowitzki verpflichtet.
Und Hans Bauerfeind hat seine Fühler auch jenseits des Kerngeschäfts ausgestreckt. So betreibt er ein Bio-Seehotel in Zeulenroda und lässt eine Ferienhaussiedlung an der Talsperre aufbauen, die als "Zeulenrodaer Meer" um Touristen buhlt, - ein Projekt, das ihm am Herzen liege. Auch als Winzer hat er sich versucht - aber erfolglos.
Nach Jahrzehnten an der Firmenspitze hat Bauerfeind zu Jahresbeginn seinen Stuhl geräumt und zumindest den Vorstandsvorsitz an den Betriebswirt Rainer Berthan übergeben. "Ich bin nicht mehr täglich, aber dennoch regelmäßig im Büro", berichtet der Senior. "Als Mitglied des Vorstandes nehme ich an den Vorstandssitzungen teil, bei denen das Tagesgeschäft und künftige Produkt- und Geschäftsentwicklungen besprochen werden."
Tochter Beatrix gehört dem Aufsichtsrat an, Sohn Thomas leitet das Schuhunternehmen Berkemeyer, ebenfalls mit Sitz in Zeulenroda. Jenseits der Wirtschaft hat es dagegen Tochter Bettina verschlagen - sie ist promovierte Kunsthistorikerin in Frankreich.
In Thüringen ist Bauerfeind über sein Unternehmen hinaus aktiv und war etwa einige Jahre als Präsident der Industrie- und Handelskammer Ostthüringen eine Stimme der Wirtschaft. "Seine Verdienste für Zeulenroda, für unsere vogtländische Heimat sind herausragend, sowohl als Unternehmer als auch als Förderer von Kunst, Kultur oder als Bewahrer historischer Bausubstanz", betont die Greizer Landrätin Martina Schweinsburg (CDU).
Nicht zuletzt durch Bauerfeinds persönliches Engagement und seine Investitionen habe sich die Region um die Talsperre Zeulenroda zu "einer der wichtigsten und begehrtesten Tourismusregionen Thüringens" entwickelt, so Tiefensee.
Gefeiert wird der 80. Geburtstag im Familienkreis, erklärt der Jubilar. Seit er in der Firma etwas kürzer trete, genieße er mehr freie Zeit zu Hause, im Garten und auf der Jagd - ein Hobby, das er mit seiner Frau teilt. "Wir sind eine große Familie und erfreuen uns an den Kindern und Enkeln." dpa