"Lokaljournalismus muss auch mutig sein"

Unter dem Titel "Veränderung der Medienlandschaft" stand eine Podiumsdiskussion im Lessing-Gymnasium. Diesem Thema stellten sich sechs gestandene Journalisten, die ihren beruflichen Alltag aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchteten.

Von Thomas Voigt

Plauen Eingeladen hatte der Sächsische Ausbildungs- und Erprobungskanal (SAEK). Weil die Besucherzahl in der Aula überschaubar war, rückten die Diskussionsteilnehmer kurzerhand näher an die Gäste heran. Die Fragen stellte Moderator Thomas Platz von der Landeszentrale für politische Bildung in Dresden. Der Bogen spannte sich von den Nachwendejahren bis zur aktuellen Situation in der Branche.
Aus heutiger Sicht ist es kaum mehr vorstellbar, wie Journalismus nach der politischen Wende im Herbst 1989 in einem völlig veränderten Umfeld funktionierte. "Da war viel learning by doing", erinnerte sich Babett Ludwig. Mitte der 1990er Jahre arbeitete sie beim Vogtländischen Lokalfernsehen. "Wir haben von vielen Dingen keine Ahnung gehabt." Wilfried Hub - heute Chefredakteur des Vogtland-Anzeiger - leitete nach dem Umbruch die Plauener Lokalredaktion der Freien Presse. Eine kleine Mannschaft habe unter einfachsten Bedingungen gearbeitet. "Es war wie aus der Steinzeit in die Neuzeit." Am Ende des Tages stand eine Lokalseite. "Die haben wir über Modem nach Chemnitz übertragen." Insgesamt habe sich das Berufsbild gewandelt. Aus dem klassischen Schreiberling ist ein gut vernetzter Multimedia-Alleskönner geworden. Zu dieser neuen Generation von Journalisten gehört Martin Reißmann. Der gebürtige Plauener arbeitet unter anderem als Fernsehjournalist für den MDR, ist Youtuber und DJ. "Der Job bietet viele Möglichkeiten. Reglementierungen in der Branche haben sich gelockert. Inzwischen kommt man beim MDR auch ohne Studium als Volontär rein." Was die lokalen Medien betrifft, bedauert er, dass das Vogtländische Regionalfensehen nicht mehr sendet. "Unsere Medienlandschaft ist ein wenig kleiner geworden." In diesem Zusammenhang nannte er auch die Einstellung des Wochenspiegels. Ingo Eckert sieht es genauso. Der freie Journalist und Web-Blogger wünscht sich, dass die Medienvielfalt erhalten bleibt. Die Verzahnung von Online- und Printpresse müsse weiter vorangetrieben werden. "Journalisten haben ein Sendungsbewusstsein."
Die Runde äußerte sich auch zum Thema Meinungsfreiheit. Redaktionschefin Nancy Dietrich von der Freien Presse in Plauen sieht keinen Grund, irgendetwas nicht zu schreiben. Tatsache sei aber auch, dass sich gewisse Vorurteile - die Rede ist von einer gesteuerten Presse - in Teilen der Gesellschaft manifestiert hätten. "Da helfen oft auch keine Argumente", bedauert sie diese Entwicklung.
Hub kritisierte den Einfluss der Politik auf die Öffentlichkeit. Vor diesem Hintergrund wünscht er sich von den Journalisten eine breite Brust. "Lokaljournalismus muss auch mutig sein." Aus seiner Sicht können gute Recherchen helfen, entsprechende Reaktionen zu provozieren. Nicht gut weg in der Diskussion kamen die Behörden des Vogtlandkreises. Schnelle Informationen zu wichtigen Ereignissen seien eher die Ausnahme. Dietrich kann ein Lied davon singen. "Das Landratsamt sorgt für Riesenf rust."
Was die Zukunft der Medienlandschaft betrifft, spielt für Vogtland Radio Geschäftsführer Claus-Tilo Thoß das Internet eine entscheidende Rolle. "Streaming-Dienste sind der Schlüssel. Die Rahmenbedingungen muss die Politik vorgeben." Emily Schmidt saß mit ihren Schulkameradinnen im Publikum. "Es war sehr spannend", sagte sie auf dem Nachhauseweg. Die Schülerin der neunten Klasse gehört zu den zehn jungen Leuten der Arbeitsgemeinschaft Schulreporter, die kürzlich im Gymnasium ins Leben gerufen wurde.