Logenbrüder ziehen für Besucher Vorhang auf

Seit Jahrhunderten sind Freimaurerlogen von Mystik umgeben. Es wird gemunkelt, es gäbe dunkle Rituale und wer der Loge angehört, sei Teil eines Netzwerkes, das auch wirtschaftliche Macht ausübt. Doch die Zeiten, in denen man sich Geheimniskrämerei vorwerfen lassen will, sind offenbar vorbei.

Von Ingo Eckardt

Plauen Am Samstag lud die Plauener Freimaurerloge "Pyramide im Orient Plauen" ein, mehr über das Wesen der Freimaurerei zu erfahren. Ralf Reichardt, der aktuelle, und wie er betonte, demokratisch gewählte "Meister vom Stuhl", der Vereinschef also, sah sich im Konventgebäude des Komturhofes rund 100 Besuchern gegenüber - zum Doppelgeburtstag der Freimaurerloge in Plauen. Vor 200 Jahren, 1820, wurde die "Pyramide" in Plauen gegründet - von honorigen Bürgern, die teilweise zuvor schon in der Loge "Drei Flammen" aktiv waren, die mangels Mitgliedern aufgelöst wurde. Und: Vor 15 Jahren hoben interessierte Plauener mit Hilfe der Hofer Freimaurer-Loge "Morgenstern" die "Pyramide" erneut aus der Taufe. Albrecht Ripp, der erste "Meister vom Stuhl", führte damit eine Familientradition weiter, denn sein Vater war gerade ins höchste Logenamt gewählt worden, als die Nazis 1933 sämtliche Freimaurer-Logen auflösten und ihr Vermögen beschlagnahmten. Bis dahin galten die Logen als exklusive Herren-Clubs, die religiös wie ideologisch unabhängig arbeiteten.
Reichardt erklärte den Besuchern auch die Insignien, die er an der Kleidung trug, einen rechten Winkel beispielsweise. "Dieser Winkel soll uns daran erinnern, ob in unserem Leben alles recht ist und nach Recht und Gesetz abläuft. Die Senkrechte stellt das Lot dar, zur Erforschung des eigenen Gewissens, die Waagerechte soll und stets daran erinnern, allen Menschen auf gleicher Ebene, auf Augenhöhe quasi, zu begegnen. Ein Zollstock-Maß als Symbol des "Sich-selbst-Vermessens" und "Sich-selbst-Prüfens" gehöre ebenfalls zu den Symbolen der Freimaurerei, die aus der Tradition der Dombau-Hütten entstand.
Die innerlich-geistige Weiterentwicklung der Logen-Mitglieder ist eine Kernaufgabe der Freimaurerei, die in der Geschichte zu vielen Missverständnissen geführt habe - inklusive diverser Verschwörungstheorien. Die Plauener "Pyramide im Orient Plauen" (was übrigens nichts mit dem nahen Osten zu tun hat, sondern lediglich ein anderes Wort für ein Zielgebiet bedeutet), gehört zur bedeutendsten Großloge Deutschlands mit Sitz in Berlin, von wo auch internationale Beziehungen in viele Länder gehalten werden. Auch ein karitatives Hilfswerk gibt es dort, dazu einen Künstlerverein und eine Forschungsloge, die sich stark der Wissenschaft und der Entwicklung selbiger versprochen hat.
"Unsere Logen nehmen Einfluss auf wichtige gesellschaftliche Prozesse - gerade in ethischen Fragen wird auch der Rat unserer Brüder der Forschungsloge immer wieder eingeholt", betonte Reichardt. Nachdem er Gäste anderer befreundeter Logen begrüßt hatte, auch Schwester Dominique von der Frauengroßloge Deutschlands hatte im Podium Platz genommen, und den "Herrenclub" ein wenig aufgelockert, bat man Uwe Rödel, der als Plauener Nachtwächter oft Touristen durch die Spitzenstadt führt, zu seinem Vortrag zur Freimaurerei in Plauen.
Neben historischen Daten führte er immer wieder zu namhaften und überaus erfolgreichen Plauener Freimaurern, die heute noch durch Straßennamen in Erinnerung sind: Roßbach, Mammen, Bickel, Böhler, Tröger, Heubner oder auch die Namen der Errichter der heutigen Museumshäuser an der Nobelstraße tauchten da auf. "Das Engagement für ihre Heimatstadt eint all diese Freimaurer-Brüder von einst. Das ist eine wichtige Tradition und in unserem Verein - so sind wir ja heute organisiert - ist das auch der Satzungszweck. Wir wollen unserer Stadt einen Mehrwert bieten", so Ralf Reichardt.
Auch zwei offizielle Gäste waren gekommen. Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer hatte seinen Kulturbürgermeister Steffen Zenner gesandt, der ein Grußwort sprach und dabei den Fokus auf Fakten rund um die Freimaurerei aus dem Fundus des Vogtlandmuseums richtete. So habe sich bei der Beplanung der Bahnhofsvorstadt durch einen freimaurerisch aktiven Architekten rund um die Bahnhofstraße eine Pentagramm-Struktur ergeben, schickte Zenner doch einen Hinweis an jene, die in den Freimaurern eine eher verschwörerische Verbindung sehen. Aber er betonte auch, dass die Freimaurer eben heute mit ihrer grundlegenden Idee, ein besseres gesellschaftliches Miteinander zu organisieren, sehr seine persönliche Intention treffen - dafür hätten mit Unterbrechung in den Diktaturen viele Plauener Freimaurer Engagement, Zeit und Geld eingebracht.
Karsten Kramer, Referent des Landrates, betonte, dass man Engagement im gesellschaftlichen Sinne besonders hoch schätze. Er reflektierte dabei auch auf das rekonstruierte Konventgebäude, das nur aufgrund des Engagements des Fördervereines Komturhof einen solchen Aufschwung von der Ruine zur Veranstaltungsstätte genommen habe. Er gratulierte der Plauener Loge "Pyramide" zum Geburtstag und wünschte ihr mit den Worten "Historie ist die Wurzel der Zukunft" alles Gute.
Grund zur Freude gab es für zwei Vereine, die von den stillen Sammlungen, die es bei den Freimaurern immer wieder gibt, profitierten. Die "Plauener Tafel" der ALI Sachsen, vertreten durch Jana Morawetz, und der Lebenshilfe-Verein, dessen Geschäftsführerin Doreen Rank gekommen war, erhielten je einen Spendenscheck von 500 Euro sowie einen Komturhof-Sammelbecher. Reichardt betonte, dass man üblicherweise die karitative Arbeit im Stillen tätige, aus Anlass des Doppel-Geburtstages aber öffentlich darüber sprechen wolle.
Mehr Infos zur Freimaurer-Loge gibt es im Niternet: www.pyramide-plauen.de.