Lösten Batterien Brand aus?

Beim Brand in der Recyclingfirma Glitzner Schneidenbach erlitten drei Menschen leichte Rauchgasvergiftungen - die Staatsanwaltschaft Zwickau ermittelt wegen fahrlässiger Körperverletzung. Gegen unbekannt.

Von Cornelia Henze

Schneidenbach/Plauen - Hat der Brandmelder nicht funktioniert? Woran liegt es, dass es immer wieder bei Glitzner brennt? Hat das Umweltamt die Luft auf Giftstoffe gemessen? Welche Ergebnisse gibt es? Wie hoch ist der Schaden? Fragen des Vogtland-Anzeigers, die der kreiseigene Betreiber Glitzner mit Geschäftsführer Jörg Blei ignoriert.
Gebrannt haben gemischte Siedlungsabfälle und geringe Mengen kommunalen Sperrmülls - darunter waren keine Folien, Industrieabfälle und Textilien, so heißt es. Haben sich etwa entsorgte Lithium-Batterien entzündet und waren Ursache für den Brand? Der Appel von Jörg Blei an die Vogtländer, doch sorgsam den Müll zu trennen und Batterien, die anderenorts für Selbstentzündung sorgten, nicht in den Hausmüll zu werfen, lässt zwischen den Zeilen jenes vermuten. Landrat Rolf Keil und seine Entsorgungsfirma geht von Selbstentzündung als Brandursache aus - Polizei und Staatsanwaltschaft (noch) nicht. So lange das Arbeitsergebnis der Brandursachenermittler noch nicht feststehe, könne sich die Polizei nicht zur Brandursache festlegen, so Polizeisprecher Oliver Wurdak. Ermittelt wird in alle Richtungen. Hinweise auf fahrlässige oder vorsätzliche Brandstiftung gebe es allerdings nicht. Ähnlich der Tenor von Staatsanwältin Antje Dietzsch. "Wir ermitteln gegenwärtig gegen unbekannt wegen fahrlässiger Körperverletzung, da drei Personen bei dem Brand eine leichte Rauchgasvergiftung erlitten haben. Eine Strafbarkeit wegen Brandstiftung kommt nicht in Betracht, da nur Bauschutt gebrannt und das Feuer nicht auf das Gebäude übergegriffen hat. Die Brandursache ist noch nicht klar."
Dass es seit 2007 nun zum fünften Mal bei Glitzner brannte, besorgt viele Schneidenbacher und Bewohner der Nachbarstädte. Vorne dran die Schneidenbacher Landwirtin Manja Tröger, die sich seit 2009 durch die Instanzen der Gerichte gegen den Vogtlandkreis klagt. Bisher kein Ergebnis. Sie fordert Schadenersatz für die Hälfte ihrer Rinderherde, die infolge der ausgetretenen giftigen Brandstoffe verendet sei. Der erneute Brand bei Glitzner sei offenbar Ergebnis jahrelanger Vernachlässigung des Brandschutzes, klagt Tröger. Noch immer lagerten die Brandrückstände vom Feuer im September 2018 völlig ungeschützt unter freiem Himmel. Bei Sonneneinstrahlung sei die Gefahr der Selbstentzündung enorm hoch, so Tröger. Bei einem Ortstermin bei Glitzner zu Ostern habe man gefordert, die Brandrückstände zu beseitigen - darauf eingegangen sei der Entsorger nicht. Tröger spricht von Giftmüll (Bleibatterien, Akkumulatoren, Lösemittel, Säuren, Laugen), der in unmittelbarer Nähe der Brandereignisse lagert. Sie fordert Transparenz und Handeln. Den ungesunden Qualm bekamen diesmal vor allem die Weißensander zu spüren. "Das ist eine Zeitbombe. Da werden garantiert Giftstoffe freigesetzt", sagt Dr. Jens Baumann. Der Arzt ist besorgt wegen der hohen Rate der Krebspatienten in Lengenfeld, die allerdings auch vom früheren Uranabbau herrühren könnte. "Wir müssen den Standort neu überdenken, aber ich möchte nicht, dass Glitzner schließt", so CDU-Landtagsabgeordneter Stefan Hösl. Annahmestelle für Grüngut, Papier und Sonderabfälle ja - Zwischenlager für Siedlungsabfälle nein, so Hösels Vorstellungen. Momentan werde das Annahmekonzept in Schneidenbach überarbeitet. Der Entwurf dazu werde im Juli diskutiert, so Jörg Blei.