Linke gegen Alkoholverbot

Die Alkohol-Verbots-Zone war Thema des öffentlichen Stammtischs der Partei Die Linke. In der Diskussion wurde vor allem auf den Verdrängungseffekt - hin zu anderen Orten - aufmerksam gemacht.

Von Stephanie Rössel

Plauen Im Stadtrat wird heute erneut über die Verlängerung bzw. auch eine Erweiterung der Alkoholverbotszone in der Plauener Innenstadt abgestimmt. Für die Linken Grund genug, vorher nochmals darüber zu diskutieren. Rede und Antwort dazu standen auch Plauens Baubürgermeister Levente Sárközy sowie die Leiterin des Ordnungsamtes Anja Ullmann.
Stadtverbandsvorsitzende Petra Rank sprach von dem viel umstrittenen Verdrängungseffekt und davon, dass pauschal kriminalisiert werde. "Es verlagert sich alles an die Elsterbrücke oder in Richtung Schlosshang. Viele Bürger beschweren sich auch, dass es nachts an den Tankstellen sehr laut zugehe", so Rank. Sie werde am heutigen Dienstag auf jeden Fall dagegen stimmen, betonte die Stadträtin.
Die Stadt habe es sich mit dieser Entscheidung nicht leicht gemacht. Damals nicht bei der Einführung und auch jetzt nach erneuter Prüfung zur Weiterführung nicht. "Die Entscheidung, damals die Politessen auf Streife zu schicken, war vielleicht nicht die Günstigste. Deshalb wurde die Regelung ja auch nach einem Jahr zurückgenommen", so Sárközy.
Vor drei Jahren sei das Centermanagement der Stadt Galerie an die Stadt getreten wegen der Problematik Alkohol und Kriminalität. Darauf habe man dann reagiert. Dass es zu einer Verschiebung kommen könnte, sei dabei bekannt gewesen. Man dürfe jedoch nicht vergessen, dass die Verbotszone nicht das Ziel der Umerziehung hat, sondern lediglich die Situation vor Ort entschärfen soll. Laut den ansässigen Gewerbetreibenden und auch der Straßenbahn, sei das spürbar erreicht worden. Nur die Errichtung des Verbotsbereiches reiche jedoch nicht. Erst die regelmäßigen Kontrollen führen zur Einhaltung. Zu den bisherigen Bereichen Postplatz und Teile Unterer Graben, Syrastraße und Klosterstraße sollen nun der Theaterplatz, erneut der Lutherpark sowie die Oheimpassage kommen.
Zahlreiche Fragen und Statements gab es auch aus den Reihen der anderen Anwesenden. Dazu gehörten Mitarbeiter der Mobilen Jugendarbei (MJA). "Ich finde es nicht gut, dass hier wieder eine Mehrheitsgesellschaft über eine Minderheit bestimmt. Die Jugendlichen brauchen einen Treffpunkt. Stadt und Stadtrat sollten sich auch um die kleineren Gruppen der Stadt kümmern und Nischen schaffen. Außerdem wird durch die Verdrängung aus dem Stadtzentrum unserer Arbeit die Grundlage entzogen. Dabei ist es ja ein von der Stadt mitfinanziertes Projekt, das extra für den Kern von Plauen ins Leben gerufen wurde", wandte sich Anja Merkel von der MJA an den Bürgermeister. Im Übrigen sei erfahrungsgemäß weniger Alkohol als viel mehr Crystal das Problem in der Stadt. Darüber waren sich viele einig, jedoch sei das Sache der Landespolizei.
Zu Wort meldete sich Franzi aus Plauen. Sie ist täglich im Lutherpark. Trifft dort Freunde. "Wir fühlen uns ausgegrenzt. Warum nimmt man uns den Park weg? Wir sitzen dort, weil das bei keinem von uns in der Wohnung geht. Und ja, wir trinken auch gerne zusammen. Im Sommer grillen wir auch. Wenn es mal zu einer Auseinandersetzung kommt, fangen wir denjenigen aber auch gleich wieder ein. Die anderen Menschen dort lassen wir in Ruhe und auch unsere Hunde tun keinem was", sagt die junge Frau.
Levente Sárközy zeigte sich vom Mut Franzis zu dieser Offenheit beeindruckt, sagte auch, dass die Leute gern weiter im Park willkommen sind. Aber eben bitte ohne Alkohol zu trinken.
Einschränkungen des Lutherparks an sich gebe es schon allein aus dem Grund, da es früher mal ein Friedhof war und man aus Pietätsgründen dort beispielsweise auch keine Versammlungen zulasse.