Liegt Stinella wirklich vorn?

Freud‘ und Leid liegen oft nah beieinander. Während Elke Eckhardt vor Glück strahlte, weil ihr Stinella-Motiv die Bürgertasse 2019 ziert, sind Nadine Mühlbrandt und Andreas Goldhahn traurig.

Von Cornelia Henze

 

Plauen - Nadine Mühlbrandt und ihr Lebenspartner Andreas Goldhahn sind verwundert, als kurz vor Weihnachten der Siegerentwurf für die Bürgertasse 2019 auf dem Plauener Weihnachtsmarkt bekannt gegeben wurde - aber nicht ihr Name genannt wird. Zwei Mal hatten Entwürfe des Duos für die Plauener Glühweintasse gewonnen. Und auch diesmal standen die Chancen dafür, dass der Entwurf des Paares auf der Tasse für 2019 prangt, nicht schlecht. Zumindest, was ein Blick auf die Abstimmungszahlen auf der Internetplattform buergertasse.de besagt.
 Dort stehen 6591 Abstimmungspunkte für "Entwurf 7" - das Motiv von Mühlbrandt/Goldhahn. "Entwurf 8", das Stinella-Motiv von Elke Eckhardt, hat dort hingegen nur 4220 Klicks erhalten. 2371 Stimmen weniger - aber Stinella gewinnt trotzdem. Da könne doch was nicht stimmen, ist da der Jury ein Fehler unterlaufen? Ein Irrtum? Oder gar Mauschelei? All das weist Michael Weißwange vom Verein Forum Kunst, einer der Mitorganisatoren neben der Stadt Plauen, vehement zurück.
Obwohl Nadine Mühlbrandts Entwurf bei buergertasse.de zahlenmäßig weit vorn liegt, habe die Jury-Wertung ihre Richtigkeit, so Weißwange. Denn: Jede der vier Abstimmungsarten werde in ihrer Gewichtung verschieden gewertet. Will heißen: Die Abstimmung per Wahlkarte auf dem Weihnachtsmarkt und die Postkarte an Forum K erhielt von der Jury ein mittleres Gewicht. Am stärksten zählen die Stimmen, die in der Facebook-Gruppe "Wir sind Plauener" eingingen - am schwächsten hingegen die auf buergertasse.de. So kommt es, dass am Ende, alle vier Stimmarten zusammengezählt, Stinella mit 11 410 Punkten vorne lag und der Entwurf von Nadine Mühlbrandt mit 7239 Punkten auf Platz zwei landete. Platz 3 bekam 3263 und der letzte 334 Punkte.
Warum aber macht die Jury diese Unterschiede? "Die Bewertung auf buergertasse.de ist anonym und technisch automatisiert. Wie bei allen Systemen gibt es Lücken", sagt Weißwange. Will heißen: Die Möglichkeit, dass jedermann dort mehrfach abstimmen und das System manipulieren könnte, wird von den Bürgertassen-Organisatoren nicht ausgeschlossen. Verzichten auf die anonyme Abstimmungsplattform von buergertasse.de wolle man aber nicht, denn man wolle über verschiedene Kanäle so viele Menschen wie möglich erreichen. Buergertasse.de sei eine von vier Möglichkeiten, abzustimmen, wegen ihrer Manipulierbarkeit jedoch die schwächste, so Weißwange. Wegen der neuen Jury-Wichtung sei erstmals nicht der Gewinner auf buergertasse.de der Gesamtsieger, sondern der Entwurf, der laut Michael Weißwange bei den anderen drei Abstimmungsvarianten vorne lag: Stinella.
 "Ich habe mich mit dem Ergebnis abgefunden", sagt Frau Mühlbrandt. Für die nächste Bürgertassen-Runde wünscht sich die junge Frau einen ehrlicheren Umgang miteinander. Sie regt an, auch die Verwertbarkeit des Facebook-Profils "Wir sind Plauener" zu hinterfragen. "Denn das ist eine geschlossene Gruppe und wer nicht drin ist oder dort nicht Gruppenmitglied werden will, kann dort nicht abstimmen", so Nadine Mühlbrandt. Bei all dem Ungemach bleibt zu hoffen, dass der Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt 2019 nicht sauer aufstößt.