Lieferservice als Rettungsanker

Bereits im Frühjahr, als die Plauener Gaststätten und Kneipen erstmals coronabedingt schließen mussten, machten diese mit kreativen Angeboten auf sich aufmerksam. Viele haben auch im neuerlichen "Lockdown" schnell wieder umgestellt auf einen Abhol- und Lieferdienst.

Plauen "Wir hatten das Serviceangebot seit dem Frühling die ganze Zeit beibehalten - sind auch über Lieferando erreichbar und bieten in diesen Tagen natürlich Spezielles an, wie Martinsgans und Geflügelgerichte", sagt Alexandra Glied, deren Hotel "Alexandra" an der Bahnhofstraße derzeit außer Geschäftsleuten keine Gäste beherbergen darf. Viele Leute würden gern einen Bestellzettel rein reichen oder telefonische Bestellungen aufgeben. "Es tut unserem Team sehr gut, das wir niemanden auf Kurzarbeit gesetzt haben. Die Kollegen sollen erst einmal ihren restlichen Jahresurlaub weg machen, ob es im Dezember irgendwie weiter geht, weiß ja keiner", erklärt die Hotelchefin, aber ehrlicherweise glaube sie nicht daran, dass man das Geschäft wieder wie gewohnt fortführen darf - deshalb hätten viele potenzielle Gäste bereits bis weit in den Advent hinein ihre Buchungen abgesagt. "Richtig schlimm wäre es, wenn wir Weihnachten und Silvester geschlossen haben müssten", so Alexandra Glied.
Im "Schnitzelparadies" Plauen sagt der aus Oelsnitz stammende Inhaber Hartmut Fichtner, der auch Gastroeinrichtungen in Zwickau und Hof betreibt, dass man am Wochenende ganz gut außer Haus verkaufe. "In der Woche gibt es eher weniger Bestellungen, gar nicht zu vergleichen mit dem Frühjahr. Das liegt sicher auch am Wetter, im Frühjahr waren bei Sonnenschein die Leute viel in der Stadt unterwegs. Schlimm sei, dass es seitens der Politik und Behörden bisher wieder nur Ankündigungen, aber eben keine hundertprozentige Aussagen gibt. "Es gibt immer wieder neue Bestimmungen, selbst der Steuerberater ist noch nicht aussagefähig.
Die Rede war erst davon, dass der aktuelle Lieferumsatz abgezogen wird, jetzt plötzlich gilt der Außer-Haus-Verkauf im Vorjahr als Referenzgröße. Kurzarbeit für Mitarbeiter und gleichzeitige Förderung scheinen zusammen gar nicht möglich sein", ist der Gastronom ein wenig ratlos. Man habe ein stimmiges Hygienekonzept über den Sommer erarbeitet und konnte nur schwer mit der Reduzierung der Sitzplätze über die Runden kommen. "Bei 100 Prozent Normalbetrieb - davon kann man in Plauen leben. Über den Sommer konnten wir die 50 Prozent der Plätze gut auslasten. Für den bevorstehenden Winter wollte er eigentlich Luftreiniger und Heizpilze kaufen, als der neue Lockdown kam. "Gott sei Dank habe ich das nicht gemacht. Derzeit denke ich gar nicht in Richtung Dezember. Wenn ich öffnen kann, habe ich vielleicht 50 Prozent Belegung, muss wieder nachkaufen, was wegen des neuerlichen Lockdowns weggeworfen wurde.
So ähnlich sieht das auch Stefan Bergemann. Der betreibt mit Gattin Barbara die beliebte Neundorfer Gaststätte "Zum Steinbruch". Bereits im Frühjahr hatte man sich auf einen Abholservice umgestellt, den die zahlreichen Gäste des Hauses rege nutzten. "Wir sind sehr froh, dass unser Stammpublikum uns so sehr unterstützt hat und bieten natürlich auch jetzt wieder leckere Speisen zum Abholen an", erzählt Gastronom Bergemann. Der hatte natürlich über den Sommer gerade im Biergartenbereich viele Gäste, die unter sicheren hygienischen Bedingungen den schönen Ausblick genossen.
Um seine Plätze zeitweise zu erweitern, suchte er eine Möglichkeit, den Biergarten auch in der kühlen Jahreszeit in die Bewirtschaftung einbeziehen zu können. "Statt aufwändig umzubauen, haben wir mit Planen den Bereich abgehängt und mit dem Verpächter zusammen Heizpilze angeschafft. Leider war das nun erst einmal umsonst. Ich bin froh, dass ich in diese Maßnahmen nicht noch mehr investiert habe", schüttelt Bergemann nur den Kopf über den "Lockdown light", der sich für ihn gar nicht leicht anfühlen mag.