Liedermacher Stephan Krawczyk in Greiz

Greiz - Der Liedermacher und Autor Stephan Krawczyk stellt im Unteren Schloss Greiz seine Songs und Texte vor.

 

Er habe es verpasst, sich anzustellen, als die Posten neu gemischt wurden, sagt Stephan Krawczyk. Vielleicht habe er es auch gar nicht gewollt. Nun lebe er vom Singen und Bücherschreiben; kein schlechtes Los, meint er selbst, und für sein Publikum ist es ein Glück. Am Mittwoch gastierte der in Berlin lebende Liedermacher und Autor im Weißen Saal des Unteren Schlosses Greiz und lud seine Gäste ein, "im Heute die Zukunft zu träumen".

Graue Hose, graues T-Shirt, schwarzes Sakko, der Drei-Tage-Bart ist genauso lang wie die Haare auf seinem Kopf. Krawczyk sitzt auf einem Tisch, vor ihm das Bandonion, um ihn herum drei Gitarren und Exemplare seiner Bücher. Soweit nichts Aufregendes. Aufgeregt hat der Sänger früher die DDR-Obristen, die den gebürtigen Weidaer ob seiner ehrlichen und tiefsinnigen Texte im Frühjahr 1988 aus dem Land verbannten.

Doch Krawczyk ist keiner von den ewigen Rächern, die auch im Jahr 20 nach der deutschen Wiedervereinigung noch immer die Dissidentenkeule ins Vergangene schleudern. Die DDR-Zeit sei Teil seiner Biografie, von der er insgesamt "keinen Moment missen" möchte; somit sind die Jahre im SED-Staat nicht vergessen, aber auch nicht dauernd präsent. Und wer ist Stephan Krawczyk heute? Ein singender Philosoph? Ein Musikclown? Ein humorvoller Denker? Ein schreibender Träumer? Wahrscheinlich steckt von allem etwas in ihm. Fakt ist: Es ist unverändert ein geistreicher Genuss, sich seinen, von unterschiedlichen Folklorestilen beeinflussten Melodien hinzugeben und den von melancholisch-ernst über gedankenreich bis beinahe albern reichenden Texten zu lauschen.

Mit sonorer Stimme singt er von der Liebe, über das schöne Lachen seines Sohnes und bringt die Zuhörer zum Mitsingen bei der "Ode an die Soße". Er liest aus seinem Roman "Bald" und seinem Band "Feurio", amüsiert sich mit spitzbübischem Lächeln über Hundeadventskalender und schildert eine rasante Busfahrt.

Und zwischendurch erzählt er von Erlebnissen in der DDR und besonders im Hier und Jetzt. Ohne aufgesetzten moralischen Fingerzeig appelliert er, besser miteinander und vor allem mit den Kindern umzugehen, denkt kritisch über die hierzulande vorherrschende "Autorität des Geldes" nach und setzt sich für die deutsche Sprache ein. Bei all dem wirkt Krawczyk authentisch, als ein Mann, der zu und hinter dem steht, was er sagt, singt und schreibt.

 

Und noch etwas fällt auf, auch viele seiner alten Lieder, die im Kontext zu den Verhältnissen in der DDR entstanden sind, haben nichts an Brisanz verloren; "Es geht so lange gut, so lang das gut geht, so lange du dich an die Regeln hältst", heißt es in einem Text aus seinem 1987-er Programm "Wieder Stehen". Es ist die ausgewogene Mixtur aus Nachdenklichem und Humorvollem, die Krawczyks Konzert-Lesung auszeichnet und bei der er sich sowohl als brillanter Musiker als auch als imposanter Jongleur der Sprache präsentiert.