Liebeserklärung an das Sächsische

"Der Sachse der ist helle, das weiß die ganze Welt, und ist er mal nicht helle, dann hat er sich verstellt", heißt es in einem der Sprüche, die wie eine Liebeserklärung an das reizende Völkchen mitten in Deutschland. Das beschreibt, wie munter, ja aktiv, improvisationsgeschickt, lebenslustig und selbstironisch der Sachse ist. Nicht nur das, vor allem die Sprache, genauer der Dialekt spricht Bände und kommt, je breiter und weicher und ausladender formuliert, mit Riesenwogen ins Herz geflogen (sofern man den Sachsen per se nicht mag oder gar verspottet, obwohl Sächsisch mal europäische Salonsprache war!).

Drei dieser Sachsen, und zwar sehr helle Exemplare, gaben sich auf der großen Festhallenbühne ein flottes Stelldichein und boten ein Nummernprogramm mit Esprit und Souveränität, so als wäre Sächsisch immer noch Weltsprache: Gunter Böhnke, Bernd-Lutz Lange und Tom Pauls schnatterten, schwadronierten, redeten, schwelgten und quatschten mit Guschen (Hochdeutsch: Mündern), dass die Besucher Tränen in die Augen bekamen vor Zuwendung und Freude. "Ach die Berliner, wenn die reden, das klingt ganz gut. Und das Bayerische, ja das gefällt mir ooch. Schade, dass wir Sachsen keenen Dialekt ham", meinten Böhnke und Lange und sammelten die Lachsalve ein.

Der Abend war überdies eine Hommage an die Leipziger Mundartdichterin Lene Voigt, die unnachahmlich Alltagsgeschichten (so auch die vom Kaffeegespenst), Episoden, Pointen, Märchen (Schneewitchen und Aschenbrödel) und Witze aufgeschrieben hat, welche den Sachsen an sich und dessen Rede und "Schproache" geradezu auf einen Sockel der schelmischen, unernsten Lebenslust hievte und das Trio wieder zum Leben erweckte zur Erbauung ihrer Zuhörer.

Das Um-die-Ecke-Denken hat bei den Sachsen stets Hochkonjunktur - dass der Beethoven nicht mit der Straßenbahn II nach Connewitz fahren konnte, weil die II nicht nach Connewiz fährt, wurde ebenso ausgeführt wie die zweite Hochzeitsreise an die Rivschera (ein schönes Gebiet in Italien), diesmal endlich zum Baden. Die drei Herren traten zu ihren Episoden und Erzählungen und Spielereien immer wieder auf und von der Bühne und hinter den oder vor den Vorhang (ein wenig zu viel des Guten, zugegeben).

Dazwischen umrahmte das Rainer Vothel Trio musikalisch versiert die Szenerie. Klavier, Bass, Schlagzeug, was braucht man mehr, um mehr als Pausenmusik zu bieten. Der Sachse würde dazu sagen: "E Sahne!" Die Worte jagten sich. Der Genisch (König), der Diescher (Tiger), der Gurprinz (Kurprinz), das Boboschen (das Hinterteil) und viele weitere troffen aus den Mündern der drei Sachsen als wären sie Schmankerln der deutschen Feinschmeckerei des Wortes. Sie wurden es durch die Wortgastronomen. Viel belacht, viel beklatscht.

Und auch Besucherin Martina Röber lobte das Trio: "Ach ich habe den Abend sehr genossen, sehr schön, wie die Herren das Sächsische pflegen. Eines hat mir bei allem aber nicht so gefallen: ein paar Witze zu viel wurden erzählt. Bitte mehr Geschichten beim nächsten Mal."