Liebe, Macht und Freiheit

Als glanzvoller Höhepunkt zur Einstimmung auf das traditionelle Brunnenfest begeisterte die Aufführung von Giuseppe Verdis Meisteroper "Nabucco" 1400 Besucher in der wunderschönen Atmosphäre des Naturtheaters.

Von Steffen Adler

Bad Elster Das wunderbare Opernspektakel wurde in Originalsprache aufgeführt von hervorragenden Gesangssolisten und Chorsängern vom Nordböhmischen Opern- und Balletttheater Ústí nad Labem in der Regie von Martin Dubovice und unter der Gesamtleitung von Generalmusikdirektor Florian Merz.
Schon zum Ende des 1. Aktes der prachtvollen Freilichtaufführung mit dem dramatischen Spiel um Liebe und Macht schallte ein begeistertes "Bravo" aus den Reihen der Zuschauer auf die Bühne. So begeisterten vor allem Valerie Vaygant als Abigaille (Sopran) und Serguei Nikitine als Zaccaria (Bass) sowie Nikolaj Visnakov als Ismaele (Tenor) und Richard Haan als Nabucco (Bariton) mit klangstarken Stimmen auf der effektvoll ausgeleuchteten Bühne.
Neben den Arien der facettenreich singenden Solisten trugen außerdem der weltberühmte Gefangenenchor und die berauschende Musik zur gelungenen Inszenierung bei. Gebannt verfolgten die Zuschauer aber auch die emotionale Handlung der Oper, die im 6. Jahrhundert v. Chr. spielt und vom Streben des jüdischen Volkes nach Freiheit aus der babylonischen Gefangenschaft und dem mächtigen Übermut des Titelhelden erzählt:
Die Hebräer sind im Tempel Jerusalem versammelt und bitten ihren Gott, sie vor dem babylonischen König Nabucco und dessen Herr zu beschützen, der gerade mit seinen Truppen in Jerusalem einmarschiert. Fenena, Nabuccos jüngere Tochter, könnte den Frieden herbeiführen, da sie aus Liebe einst Ismael den Neffen des hebräischen Königs aus babylonischer Gefangenschaft befreit hat. Doch die bedrohten Juden nehmen seine Tochter Fenena als Geisel. Nabuccos ältere Tochter, Abigalle, dringt mit ihren Kriegern als Hebräer verkleidet in den Tempel ein. Sie liebt Ismael ebenfalls und ist bereit, das hebräische Volk zu verschonen, wenn Ismael ihre Liebe erwidern würde. Fenena wird von Ismaele gerettet, der sein Leben der Geliebten verdankt. Nabucco, Abigalle und die babylonischen Krieger üben Rache. Zaccaria und das hebräische Volk verfluchen Ismael als Verräter. Fenena wird Herrscherin von Babylon. Doch ihre Schwester Abigaille, als vermeintlich erstgeborene Tochter Nabuccos, will die Macht für sich allein. Aus einem geheimen Dokument erfährt Abigaille, dass sie nicht Nabuccos Erstgeborene sondern die Tochter einer Sklavin ist. Abigaille ist entschlossen, sich an Fenena zu rächen, der Nabucco den Thron anvertraut hat und möchte ihr die Krone entreißen. Ihr Vorhaben wird durch Zacharias, den Hohepriester der Hebräer unterstützt. Abigaille ist gerade dabei, ihren Plan auszuführen, als Nabucco unerwartet auftaucht. Er ergreift die Krone und erklärt sich selbst zum alleinigen König und Gott, der bis in alle Ewigkeit angebetet werden soll. Doch dafür ereilt ihn eine himmlische Strafe und er verliert den Verstand. Abigaille ergreift die Krone und wird nun doch Königin. Sie lässt ihre Schwester Fenema, die sich zum Judentum bekannt hat, gefangen nehmen und erlässt ein Todesurteil für sie. Mit einer List gelangt sie in den Besitz des königlichen Siegels. Als Nabucco erkennt, dass er durch den Betrug das Todesurteil für sein eigenes Kind unterzeichnet hat, will er die Hinrichtung verhindern. Daraufhin lässt Abigail auch ihn einsperren. In seiner Verzweiflung fleht er Jehova, den Gott der Hebräer um Erbarmung und Rettung an. Da wird er von seinem Wahnsinn geheilt und eine Gruppe königstreuer Wachen eilen mit ihm, seine Tochter Fenema zu retten und die Krone zurückzufordern. Mit seinen Getreuen befreit Nabucco die zu Tode Verurteilten. Er befiehlt, das Götzenbild des Baal zu zerschlagen, doch dieses stürzt von allein in sich zusammen. Die Juden sind befreit und Nabucco ermahnt seine Leute, sich vor ihrem Gott Jehova zu verneigen. Alle Macht verloren, vergiftet sich Abigaille selbst und bittet Fenena um Vergebung, bevor sie stirbt. Mit seiner 1842 erfolgreich aufgeführten Oper wurde Verdi seinerzeit mit einem Schlag berühmt. Der Chor der Gefangenen blieb bis heute die heimliche Nationalhymne Italiens.