Licht und Schatten in Vogtlands Wirtschaft

Wie schlimm das auch sein mag, trotzdem dürfe das Werben um Firmenansiedlungen in der Region nicht vergessen werden, ebenso für die Erweiterung hier bereits tätiger Betriebe. Dabei hilft laut Barth das "effiziente Gewerbeflächenmanagement" der Kommunen und des Vogtlandkreises

55 Hektar seien derzeit auf den Gewerbegebieten als Vorsorgeflächen für Ansiedlungswillige oder für Erweiterungsvorhaben - insbesondere in Autobahnnähe - ausgewiesen. Als positive Beispiele nannte Barth das Treuener Gewerbegebiet "Goldene Höhe", das Areal Johannisberg in Oelsnitz und auch jenes unweit von Reichenbach.

Und was der Außenstehende mit Blick auf die immensen Jobverluste von Enka Elsterberg oder den bereits erwähnten Kündigungen in der einstigen Plamag nicht vermuten mag - es wurde und wird kräftig im Vogtland investiert. In einer Wirtschaft, die "einen gesunden Branchenmix" vorzuweisen habe, Barth im Gespräch hervorhob. So wurden in den vergangenen fünf Jahren zwischen 2006 und 2010 rund 760 Millionen Euro (inklusive Fördermittel) in Unternehmen der Region investiert. Im ersten Halbjahr 2011 belief sich der Wert auf 65 Millionen Euro. Das Geld floss beispielsweise in neue Gebäude und Maschinen, ebenso in Erweiterungsflächen.

Den vogtländischen Mittelstand mit inhabergeführten Firmen, die ihren Hauptsitz in der Region haben, sieht Barth als entscheidenden Garant "für eine verantwortungsbewusste und vorausschauende wirtschaftliche Entwicklung" an. Dort, wo der Chef nicht selbst entscheide und auf das Wohl und Wehe einer Konzernzentrale weit weg angewiesen sei, gebe es da schon eher Probleme.

Generell gilt die vogtländische Wirtschaft als kleinteilig strukturiert, was auch die aktuellen Zahlen belegen: Knapp 99 Prozent aller IHK-zugehörigen Unternehmen in der Region - und das sind rund 15 000 - beschäftigen weniger als 50 Mitarbeiter. Im Verarbeitenden Gewerbe trifft dies auf 88 Prozent zu. Lediglich an die 170 Betriebe zählen mehr als 50 Arbeitnehmer. Das Gros der IHK-Mitgliedsbetriebe sind mit rund 6300 Firmen die Dienstleister, gefolgt von 4700 Unternehmen aus dem Handel und 1200 Gastronomiebetrieben. Erst dann folgt die Industrie, zu der zirka 1000 Firmen gehören, wie beispielsweise Manroland.

Um die hier tätigen Unternehmen zu stärken und günstigere Chancen bei der Werbung für Neuansiedlungen zu haben, müsse allerdings auch die öffentliche Hand ihren Beitrag leisten, forderte Barth. Deshalb könne er es nicht nachvollziehen, weshalb die Außenkammern des Landgerichts Zwickau dicht gemacht werden. Diesen Verlust könnten auch versprochene Außensprechtage nicht wettmachen. "Plauen ist die fünftgrößte Stadt in Sachsen. Es darf die Verwaltungsstraffung im Freistaat nicht zu Lasten des Vogtlandes gehen und im Interesse der Zentren Dresden und Leipzig sein", so seine Mahnung.

Barth sieht ein deutliches Ausbluten der Region. Polizeidirektion weg, JVA weg, der größte Teil des Gerichtsstandorts ist passé mit Insolvenzgericht, Handelsgericht, des Weiteren keine eigenständige Staatsanwaltschaft mehr, Schrumpfung des Straßenbauamtes, der Abzug des Umweltfachamtes...

Anders verfahre die bayerische Staatsregierung. Dort wurde beispielsweise das Landesamt für Umwelt und Geologie vor Jahren von Augsburg nach Hof umgesetzt. Ähnlich verlief es mit dem Statistischen Landesamt, das in München angesiedelt war. Nach der Arcandor-Pleite, von dem der Fürther Quelle-Sitz mit all seinen Mitarbeitern voll betroffen war, musste das Statistische Landesamt mit seinen Beschäftigten nach Fürth umziehen. "Eine sinnvolle Strukturförderung, die von der Politik geleistet wurde."

Nur wenn alle Beteiligten an einem Strang zögen, sei eine gute wirtschaftliche Entwicklung möglich. Mit Blick auf das Gros der IHK-Mitgliedsfirmen ist Michael Barth positiv gestimmt, wenn auch das Umfeld immer schwieriger werde.