"Leuchtturm" im Amtsgericht

Das alte Amtsgericht in Markneukirchen wird zum Ärztehaus umgebaut. Schon ab 1. Juli öffnen Kinderarztpraxis und Apotheke. Drei Allgemeinmediziner sind zusätzlich ab 1. September für ihre Patienten da im neu gegründeten Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ). Auch eine Physiotherapie zieht ins Haus.

Von Marlies Dähn

Markneukirchen - Das neue Ärztehaus in Markneukirchen im alten Amtsgericht sendet Signale aus, wie ein Leuchtturm. Eine neue Form eines Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) wird hier auf den Weg gebracht. Es existiert unabhängig von einem Krankenhaus. So läuft man nicht Gefahr, dass es verschwinden kann, sollte die Krankenhausleitung den Kurs ändern. 
 "Es ist mein Lieblingsprojekt", bekennt Markneukirchens Bürgermeister Andreas Rubner. Und bei diesen Worten hat auch er ein Leuchten in den Augen. Der Ärzte-Notstand hat das Stadtoberhaupt umgetrieben. Rubner hat nach Lösungen gesucht, hat immer wieder Gespräche geführt, hat regulierend eingegriffen, damit am Ende alles gut wird. 
 Und das ist es geworden - gut. "Weil drei große Glücksumstände aufeinander getroffen sind", sagt Rubner. 
 Dringender Ärzte-Bedarf wurde der Stadt Markneukirchen 2017 endlich auch von offizieller Seite her bescheinigt, als die Hausarztgebiete neu zugeschnitten wurden. Drei freie Hausarzt-Planstellen galt es damit zu besetzen. Ein weiterer Glücksumstand war der Kontakt zum Klingenthaler Mediziner Thomas Frese. Der Professor für Allgemeinmedizin und Direktor des neu gegründeten Instituts für Allgemeinmedizin am Universitätsklinikum Halle, schaltete sich ein. Sein Ziel war es, ein eigenständiges Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) mit Sitz in Markneukirchen auf den Weg zu bringen. 
Seit Jahren setzt sich der Mediziner mit Enthusiasmus für eine höhere Wertschätzung des Berufsstands der Allgemeinmediziner ein und wirbt für Nachwuchs bei den Hausärzten. "Professor Frese hängte sich voll rein, nahm organisatorische Hürden", freut sich Andreas Rubner. 
So nehmen nun zur Jahresmitte drei Ärztinnen für Allgemeinmedizin im neu gegründeten und frisch sanierten MVZ ihre Arbeit auf. Zwei Medizinerinnen kommen aus Deutschland, eine aus Tschechien, zwei der Ärztinnen sind zugleich Gesellschafter im neuen MVZ. Außerdem wird Kinderärztin Madlen Neef, wie geplant, ihre im November 2018 in Erlbach eröffnete Praxis ins dann fertig umgebaute Amtsgericht verlegen ab 1. Juli. Sie praktiziert als selbstständige Kinderärztin weiter. 
Auch eine Apotheke fehlt nicht im neuen Ärztehaus und eine Physiotherapie kommt hinzu. "Das Haus wird toll und komplett umgebaut", hat sich Rubner schon mehrfach vom Baufortschritt überzeugt. 
Und genau hier kommt der dritte glückliche Umstand hinzu. Bei den zahlreichen Gesprächen mit Befürwortern und Unterstützern wurde der Wernitzgrüner Norman Tiedtke, Geschäftsführer der Firma Adorfer Bau, zum privaten Investor. Er kaufte das leer gezogene alte Amtsgericht, das zwischenzeitlichen auch schon einmal Markneukirchner Ärztehaus war und verordnete eine Total-Kur vom Keller bis zum Dach. "Die Stadt hätte den Umbau niemals schultern können", ist Rubner überzeugt.
Der Aufschwung in Sachen Ärztehaus zeigt Wirkung. Allgemeinmediziner Michael Glaß wird, dank der neuen Ärzte-Situation, etwas entlastet. Das ermöglicht ihm, langfristig einen jungen Arzt als Nachfolger einzuarbeiten und ihn schon jetzt zu beschäftigen. "Ein tolle Entwicklung", findet das Stadtoberhaupt. 
 Läuft weiter alles wie am Schnürchen, kommt am Ende auch noch ein Sahnehäubchen obendrauf beim neuen MVZ im alten Markneukirchner Amtsgericht. 
Mit den Universitäten Halle und Leipzig soll ein Bundesprojekt auf den Weg gebracht werden, das die medizinische Versorgung auf dem Land im Auge hat. "Wir könnten zur Modellregion werden", blickt Bürgermeister Rubner ein Stück weit in die Zukunft. Hierbei sollen auch im MVZ vor Ort einmal neue, junge Ärzte ausgebildet werden, wie das Prof. Thomas Frese bereits in Halle praktiziert. Laut Rubner ist das Bundesprojekt in der ersten Stufe bereits genehmigt. 
Erfreuliche Signale einer geänderten Leuchtturm-Politik, die diesmal nicht die Großstädte, sondern den ländlichen Raum im Blick hat.