Letzter Cityliner aus Plauen für Plauen

Beim Münchener MAN Konzern werden seit 100 Jahren Busse gebaut. In Geburtstagsstimmung sind die Mitarbeiter am sächsischen Standort in Plauen deshalb aber nicht. Ganz im Gegenteil. Im letzten verbliebenen deutschen Neoplan-Werk ist am Dienstagvormittag eine Bus-Ära zu Ende gegangen.

Plauen - Die Plauener Belegschaft hat den letzten hier gebauten Neoplan-Cityliner ausgeliefert. Zur Freude der auf nun 150 Mitarbeiter geschrumpften Mannschaft bleibt der Premium-Reisebus in der Spitzenstadt. Der Plauener Reisebusunternehmer Karl-Jochen Müller sah es als selbstverständlich an, dass der letzte Reisebus aus Plauen auch in Plauen bleibt.

"Wir haben 2004 auch schon den ersten Cityliner gekauft. Da ist es für uns einfach eine Verpflichtung auch noch den letzten zu kaufen", sagt der Firmenchef. Hinter dem für die Presse verschlossenen Werkstor, ohne größere Aktionen und fast von der restlichen Belegschaft unbemerkt, wurde der letzte Cityliner Made in Germany in die Hände von Karl-Jochen Müller und Sohn Rico übergegeben.

In der nächsten Woche wird auch der letzte Starliner das Werk in Richtung Schweiz verlassen. Noch eine Handvoll Busse haben die Plauener auszuliefern. Dann ist Schluss. Die Premium-Reisebusse von Neoplan werden ab Mai offiziell in der Türkei gebaut.

Das Produktions-Aus ist für den Plauener Standort aber gleichzeitig auch ein Neubeginn. Die Vogtländer sollen künftig Bus-Sonderwünsche erfüllen und den Innenausbau übernehmen. Neoplan-Betriebsratschef Marcus Galle sieht in der Neuausrichtung eine tatsächliche Chance für die Zukunft. "Das Gebiet wird immer wieder nachgefragt. Auch Busunternehmer wünschen individuelle Lösungen ähnlich wie im Pkw-Bereich und wollen ihren Gästen etwas Besonderes bieten", sagt Galle.

Für die Neoplan-Belegschaft war die Nachricht von der Produktionsverlagerung vor fast einem Jahr ein harter Schlag. Anfänglich sollte der gesamte Standort mit damals noch 430 Leuten komplett geschlossen werden. Die Ausrichtung zum so genannten "Bus Modification Center" sichert nun 150 Mitarbeitern und 13 Azubis weiter eine Arbeit.

Ein Großteil der Beschäftigten ist unter anderem bei VW in Zwickau untergekommen. Einigen gelang der Sprung zu Porsche. "Wir denken schon, dass es uns gelingt, den Bestand jetzt dauerhaft zu sichern. Wir sind froh, dass wir alle Arbeiter untergebracht haben. Es ist keiner arbeitslos geworden", sagt Stefan Kademann von der IG Metall Zwickau.

Der Plauener Reisebusunternehmer Karl-Jochen Müller ist traurig über die Verlagerung der Produktion ins türkische Ankara. Den Schritt der MAN-Konzernführung kann er nicht nachvollziehen. "Wahrscheinlich spielen die Zahlen im Konzern eine größere Rolle als andere Gesichtspunkte."

Ob der Unternehmer auch weiterhin auf Neoplan setzt, kann er heute noch nicht genau sagen. "Ich kann mir schlecht vorstellen, dass ich mir einen Bus kaufe, der schon 3.000 Kilometer auf dem Tacho hat. Wenn er per Achse vom Balkan nach Deutschland kommt und hier als Neuwagen verkauft wird. Das ist eine Sache, an die ich mich jetzt noch nicht gewöhnen kann", sagt Müller.

Vom Neoplan Cityliner und Starliner sind insgesamt in Plauen rund 2.800 Busse gebaut worden. Der letzte Cityliner tritt am Samstag seine Jungfernfahrt an. Der Premiumbus mit seinen 440 PS, einer Vier-Sterne Bestuhlung und insgesamt 48 Plätzen macht sich mit Rico Müller am Steuer auf die Reise in die Masuren. Sieben Neoplan-Busse hat das Plauener Reiseunternehmen insgesamt in den letzten Jahren gekauft.