Letzte lebende Diseuse

In einer musikalisch-glamourösen Kabarett-Revue überraschte die Entertainerin und Sängerin Désirée Nick mit ihrer außergewöhnlich künstlerischen Begabung die Zuschauer im König Albert Theater.

Von Steffen Adler

Bad Elster - "Ich bin glücklich wieder hier in Bad Elster zu sein", schmeichelt sie dem Publikum. Auch nach 40 Jahren Karriere könnte sie nicht aufhören, mit mehr zu überzeugen als mit ihrer "göttlichen Stimme", lässt sie die rund 350 Zuschauer wissen. "Die letzte lebende Diseuse" nennt sie ihr Programm, in dem sie genau das lebt, was sie in sich selber sieht und schafft es mit wohliger Stimme und viel schauspielerischem Talent, sich in Federboa und Glitzer auf der Bühne zu präsentieren, um mit viel Charme, Sex-Appeal und Grazie einer Ikone wie der Berliner Chansonsängerin Blandine Ebinger - die mit Friedrich Hollaender verheiratet war - wieder Leben einzuhauchen und Erinnerungen an Chansonetten wie Lotte Lenya, Ada Hecht, Marlene Dietrich und Gisela May zu wecken. "Ich möchte ein Kulturphänomen wiederbeleben. Ich trete das Erbe all dieser großen Namen an", kündigt sie den Zuschauern an. "Eines, das man nicht mehr kennt, wenn es nicht Helene Fischer ist, man schon überfordert ist und keiner mehr weiß wer das war", fügt sie mit bissigem Humor an. "Diseuse ist eine Gattung die droht auszusterben und platt gemacht wird von Happy-Metal Dirnen und DSDS-Nutten", witzelt Désirée Nick sarkastisch, bevor sie beginnt, Blandine Ebinger eine neue Stimme einzuhauchen. "Ist das albern oder reizend", säuselt sie den Song "Die hysterische Ziege" und huldigt Blandine Ebinger auch mit Liedern wie "Oh Mond" und von "Molle und Korn" und den "Enthüllungen einer Striptease-Tänzerin". Désirée Nick überzeugt dabei nicht nur stimmlich, sondern schlüpfte dabei in viele Rollen, schminkt sich auf der Bühne und wechselt passende Kostüme, wenn sie zum Beispiel "Was zieh ich heute an" oder vom "Zersägen einer lebenden Dame" singt. Frivol präsentiert sie auch "Johnny, wenn du Geburtstag hast" in der eigentlichen Urfassung von Hollaenders, so wie es einst Blandine Ebinger aber Marlene Dietrich später anders interpretierte und wohl auch viele Lieder in ihr Repertoire nahm, die Hollaender eigentlich für Ebinger in der Schublade hatte. Mit einer langen Zigarettenspitze posiert Nick am Klavier des virtuosen Potsdamer Pianisten Tilmann Albrecht auch lasziv als Marlene Dietrich. Doch ohnehin schon pikant freizügig agierend tobt das Publikum vor Vergnügen, als La Nick den Song "Des alten Knaben Wunderhorn" im weißen Unterhöschen und heraushängendem Mini-Dildo präsentiert. "Früher habe ich Angst gehabt, das Publikum zu langweilen. Heute habe ich Angst dass die Menschen mich langweilen", stellt sie fest. Am Ende singt sie seelenvoll "Wenn ich mal tot bin, ist es mein schönster Tag" und verabschiedet sich mit Edith Hanckes Gassenhauer "Ick möcht 'n kleener Hund sein" als Zugabe von den Zuschauern.