Leonas dritter Fall in Rügen

Das Vogtland. Rügen. Die Ukraine. An diesen drei kriminalistischen Hotspots lässt Maren Schwarz ihren dritten Rügen-Krimi spielen. In diesen Tagen ist "Inselsumpf" ganz druckfrisch im Gmeiner-Verlag erschienen.

Von Cornelia Henze

Rodewisch Weder in die Weiten der Ukraine noch an den Ostseestrand der Insel Rügen können die treuen Leser der Rodewischer Krimi-Autorin derzeit reisen. Das Corona-Virus verbietet es. So werden sich die Leser allein erbauen können an Maren Schwarz prosaischer Liebeserklärung an die Ostseeinsel und das von ihr auslösende Kopfkino von Wellenrauschen und dem herben Gerüchemix nach Seetang, Meeresgetier und Fischerbooten, getragen von der Hoffnung, die literarischen Orte alsbald wieder bereisen zu können. Allein das Vogtland bleibt den Vogtländern natürlich frei zu bereisen: Wie in den vorangegangenen Rügen-Krimis der Rodewischer Autorin (Inselfeuer und Insellüge) verknüpft diese ihre Handlungsstränge zwischen Mittelgebirge und Ostsee. Schlüsselfigur ist auch diesmal die aus Netzschkau stammende Gerichtsmedizinerin Leona Pirell, die in der Gerichtsmedizin Greifwald arbeitet und auf Rügen ihre zweite Heimat gefunden hat. Leona schnippelt nicht nur an Leichen herum, sie beweist ebenso kriminalistisches Gespür. In "Inselsumpf" begegnet die Ermittlerin der Mittvierzigerin Asja und deren geheimnisvollen Vergangenheit. Zunächst lenkt Maren Schwarz den Leser in die Hütte einer ukrainischen Babuschka. Dort wacht Asja verwirrt und unter erheblichem Gedächtnisschwund auf und schaut in das verrunzelte, von einem Kopftuch umrahmte Gesicht der Alten. Wie die Protagonistin dorthin gelangte, bleibt zunächst verborgen. Folgend macht die Autorin eine neue Szene auf in Plauen, dem Kindheitsort von Asja. Letzlich führt der Fall nach Rügen. Wie in vorausgegangenen Krimis lagert Maren Schwarz frische Taten in dunkler Vergangenheit ab. Um das Thema Kinderhandel geht es hier im Großen und Ganzen. Ergreifende Geschichten um Kinder, Kindheit und Familienverstrickungen sind überhaupt die Themen, die Maren Schwarz, selbst dreifache Mutter, immer wieder umtreiben. "Wenn man selbst Mutter ist, gehen solche Schicksale besonders nah", sagt die Autorin aus dem Göltzschtal. Recherchiert hatte sie in den vergangenen Jahren zu Zwangsadoptionen in der DDR - nun zu Kinderhandel über Ländengrenzen hinaus. Zwischen ihrem zweiten und nun dritten Rügenkrimi verließ Maren Schwarz kurz die fiktiven Krimipfade, um ein persönliches Reisetagebuch um die Wendezeit nach Bulgarien vorzulegen. Nun nutzt die Vogtländerin die Zeit, um am Manuskript für den vierten Fall von Leona Pirell zu "basteln". "Zeit ist ja da", sagt die Autorin etwas wehmütig. In den Osterferien wäre es eventuell nach Rügen gegangen. Vielleicht klappt es im Sommer oder Herbst, um Ostseeluft und Inspiration zu atmen.

Erschienen im Gmeiner-Verlag. ISBN: 978-3-8392-2577-6