Lehrkraft und Hausmeister gesucht

Nach Umbau und Sanierung zur Staatlichen Studienakademie wird an diesem Freitag das ehemalige Amtsgericht mit "großem Bahnhof" übergeben. Doch ein bisschen wird der Termin auch an die berühmten Potjemkinschen Dörfer erinnern.

Plauen - Vom ehemaligen Amtsberg können die Studenten der Berufsakademie in den Seminarpausen (und möglicherweise auch während des Unterrichts) einen Blick auf Plauen genießen, für die Touristen einen Tagesausflug buchen und bezahlen. Mit dem Umzug Ende März erhielten sie beste Studienbedingungen, freut sich auch CDU-Landtagsabgeordneter Frank Heidan, der das Projekt maßgeblich ins Laufen brachte.

Für über 20 Millionen Euro Steuergeld entstanden neue Labore, bestausgerüstete Sprachkabinette und modernste Seminarräume, listet Heidan auf, was das ehemalige Amtsgerichsgebäude zu einer Hochschulbildungsstätte werden ließ. Der zweite Bauabschnitt mit der Sanierung der Schlossruine, der dann das Audimax und eine moderne Bibliothek enthalten wird, folgt in den kommenden Jahren. Dabei bezieht sich Heidan ausdrücklich auf die Zusage von Ministerpräsident Michael Kretschmer vom Herbst vorigen Jahres bei einem vor-Ort-Besuch.

Doch auch auf der Zwischenetappe ist nicht alles Gold was glänzt. Obwohl der Umzug lange bekannt war, fehle bis heute ein notwendiger Hausmeister, der die Gebäude bewirtschaftet und die technischen Anlagen fachgerecht betreuen kann, kritisiert Heidan. Das Fehlen eines Mannes mit den sprichwörtlich goldenen Händen hat sich übrigens schon bemerkbar gemacht: Zwischenzeitlich, so Heidan, sei mindestens zwei Tage kein Wasser geflossen - Studenten wie Personal saßen buchstäblich auf dem Trockenen, auch beim Besuch des stillen Örtchens. Die Ursache soll ein Wasserstopper sein, der offenbar nicht richtig reguliert war. Das Prinzip ähnelt dem der heimischen Waschmaschine. Wenn die "Wasser lässt", dann tritt der Wasserstopper in Kraft, um nicht die ganze Wohnung zu "fluten". Da der Wasserstopper im Gegensatz zu den Verantwortlichen nicht denken kann, habe er sich für "Stopp" entschieden - mit dem bekannten Ergebnis für alle Beteiligten.

Was Heidan aber nicht minder auf den Nägeln brennt ist die fehlende Absicherung der Lehrtätigkeit und der Studienorganisation - und dies vor dem Hintergrund, dass die BA in Plauen eine der wenigen Hochschuleinrichtungen in Sachsen sei, die in den letzten Jahren einen stetigen Studentenzuwachs verzeichnen könne. Leider habe dies bisher immer noch nicht zu der erforderlichen Personalausstattung geführt, um das Wachstum auch bewältigen zu können. Der Fond der Sparkasse Vogtland habe den neuen Studiengang Arzthelferassistent/in über drei Jahre hinweg mit insgesamt 100 000 Euro begleitet. Das Angebot werde auch gut angenommen - allein, es fehlen genügend Lehrkräfte. 

Und hier kommt Heidan zufolge die Kultusministerin Eva-Maria Stange ins Spiel, von der er erwarte, nun endlich ein Machtwort zu sprechen und schnellstens Abhilfe durch Stellenzuweisungen zu schaffen. "Es existiert ein Stellenpool, aus dem sie sich koordinierend bedienen könne, fügt Heidan an. "Ansonsten bleiben ihre Bekenntnisse zur Unterstützung der Wirtschaft außerhalb der drei großen Städte und zur Bindung von jungen Leuten im ländlichen Raum, nur Lippenbekenntnisse." Ein versprochener Anruf seitens der Ministerin sei bis gestern jedenfalls ausgeblieben.

Gerade namhafte Firmen im Vogtland, wie GK Software, Kobra, Plauener Stahltechnologie, M&S Umwelttechnik, Edeka oder auch das Heliosklinikum würden wie viele weitere Firmen in der Region gut ausgebildete junge Menschen für Fach- und Führungspositionen in vielen Bereichen erwarten, ist Heidan überzeugt.

Bei der feierlichen Übergabe an diesem Freitag hat sich diverse Prominenz aus Dresden angesagt - unter anderem Finanzminister Matthias Haß. 

Was er dem Politiker der eigenen Partei sagen werde? "Ich werde vor allem Fragen stellen", sagt Heidan, und fügt klare Worte an. "Ich bin nicht der Dienstleister, ich bin derjenige, der kontrolliert, Mängel anspricht und von den Verantwortlichen eine Lösung fordert. Und auch BA-Rektor Prof. Lutz Neumann werde einige Fragen stellen, fügt er an. tp