Lautsprecherin für Soziales

Sophie Koch ist auf dem Weg eine der jüngsten sächsischen Landtagsabgeordneten zu werden: DDie 25-jährige Sozialdemokratin aus Reumtengrün tritt über die Jusos für das Sachsen-Parlament sowie als Direktkandidatin im Wahlkreis Dresden-West an. Auf youtube ist sie bei der hippen Jugend schon als "Lautsprecherin" bekannt.

Auerbach/Reumtengrün - Der Weg in die Politik, den die junge Frau bestreitet, könnte nicht geradliniger sein. Verantwortung übernehmen, mitreden - das tat Sophie Koch schon als Schülerin im Auerbacher Goethe-Gymnasium. Vom Klassensprecher stieg sie zum Schulsprecher auf, "rutschte" 2012 in den Landeselternrat, es folgte ein Praktikum bei der SPD-Landtagsfraktion und neben dem Studium der Politikwissenschaften schnupperte sie in den politischen Alltag des Döbelner SPD-Landtagsabgeordneten Henning Homann hinein. 
"Meckern reicht mir nicht", sagt die Vogtländerin und erinnert sich, wann bei ihr dieser Satz erstmals fiel: Tierisch aufgeregt habe sie sich nach einer Parlamentssitzung, in der die CDU über die Jugend hergezogen sei. Homann habe sie damals bestärkt, nicht nur zu meckern, sondern selbst in die Politik zu gehen, um Dinge zu ändern. Sophie Koch trat vor fünf Jahren der SPD bei - und zeigt seitdem Engagement bei den Jusos. Seit zwei Jahren ist sie Juso-Chefin in Dresden und vertritt rund 400 junge Sozialdemokraten.
Jetzt steht Sophie als Juso-Kandidatin auf Platz 15 der Landesliste. "Ich will, dass die Jugend eine Stimme im Landtag hat", so Sophie Koch, die jetzt schon die Stimme laut erhebt. Dank der sozialen Netzwerke Youtube, Instagram und Facebook kennen viele, vor allem junge Leute, die Botschaften der Juso-Frau aus "Sophies Woche". So wie ihr der Schnabel gewachsen ist, spricht sie über den jüngsten SPD-Parteitag, reflektiert, wie gut es ist, dass Frauen seit 100 Jahren wählen dürfen, fordert forsch mehr Azubi-Lohn und höheres Bafög, damit junge Leute nicht länger am Geldhahn der Eltern hängen. Sie spricht über die Situation der Menschen in Ostdeutschland, über das Leben mit Hartz IV - und lüftet auch mal das Geheimnis ihrer Kaffeetasse. Elf Folgen von "Sophies Woche" sind schon im Netz. Dabei lässt Sophie Koch ihre Comunity einen Blick in ihre Dresdener Studentenbude werfen - der Drehort ihres Formetes. Ihre lockere Art, über Politik zu sprechen, kommt bei Gleichaltrigen an.
Als Gerade-noch-Studentin (es fehlt nur noch das Bachelor-Zeugnis) und Mitstreiterin des Rodewischer Kulturvereins Ars Vitae kennt sie die Probleme, die in Studenten- und Jugendclubs umgehen. Bei Ars Vitae steht sie, wenn es die Zeit erlaubt, hinter der Bar und hört, wie sich junge Menschen in der Schule Unterricht per Smartphone, mehr Azubi-Vergütung und Internet "5 G bis zur letzten Milchkanne" wünschen. Dazu auf dem Land mehr und länger verkehrende Busse und Bahnen, damit junge und ältere Menschen unabhängig sind. "Es ist doch viel cooler, wenn sich ein junges Unternehmen auf dem Land ansiedelt, eben weil es weiß, dass dort die digitale Infrastruktur funktioniert", so Sophie Kochs These. Dass es in Sachsen, ja in ganz Deutschland, noch viel zu viele Flecken gibt, an denen Internet ein Fremdwort ist, hat Sophie oft während der Zugfahrt zwischen Dresden und Vogtland bemerkt.
Bildung und Jugendpolitik, Digitalisierung, mehr soziale Gerechtigkeit, das sind die Themen, die Sophie Koch jetzt schon digital beackert und später, sollte sie dank eines guten SPD-Wahlergebnisses in den Landtag kommen, auch dort vorantreiben will. Zusammen mit jungen Abgeordneten aus den eigenen Reihen, aber auch anderer Parteien, hofft sie, einen neuen Politikstil etablieren zu können und dassdie "Alten" die Jungen machen lassen. Dass sie vor einem Jahr analog wie Juso-Bundeschef Kevin Kühnert gegen die Groko stimmte, daraus macht Sophie Koch keinen Hehl. "Eine Minderheitsregierung hätte die Demokratie belebt", so ihre feststehende Meinung. Mit Zuversicht sieht die Wahl-Dresdenerin, dass die SPD mit den Renten-Plänen von Hubertus Heil und der Wandlung von Hartz IV zum Bürgergeld endlich wieder beginnt, eigene Themen zu bringen, die sie unhabhängiger von der mächtigen CDU/CSU macht. Damit, so hofft sie, werde die SPD ein besseres Wahlergebnis einfahren, als prognostiziert. Ihre größte Sorge ist, dass die AfD an Stimmen gewinnen und die sächsische CDU einem schwarz-blauen Bündnis zustimmen könnte. Bis zur Landtagswahl am 1. September ist die 25-Jährige bei den Dresdener Johannitern in Marketing und Öffentlichkeit tätig. Was danach kommt, das entscheidet allein der Wähler. Cornelia Henze