Lars und Lars spenden für "Mücke"

Die plötzliche Schließung des Kindercafés "Mücke" bewegt viele Plauener. So auch die Hobby-Historiker Lars Buchmann und Lars Gruber. Sie sind betroffen und wollen helfen mit einer Geldspende aus ihrem nächsten Stadtspaziergang "Plauens dunkle Gasse".

Von Cornelia Henze

Plauen Rückblende: Kurz vor Weihnachten gibt der Kinderschutzbund bekannt, das von ihm betriebene Kindercafé per Januar 2020 schließen zu müssen, da Geld für die weitere Betreibung fehlt. Konkret geht es um nicht gedeckelte Sachkosten und darum, dass der Streit um die Finanzierung von Kinder- und Jugendhäusern noch immer zwischen Stadt Plauen und dem Vogtlandkreis schwelt. Landrat Rolf Keil setzt auf die finanzielle Beteiligung der Kommune und lehnte die Förderanträge der Jugendeinrichtungen deshalb ab. Die Stadt Plauen lehnt ebenso deren Finanzierung ab und verweist auf einen Entscheid der Landesdirektion, wonach Aufgaben der Jugendarbeit und -hilfe eindeutig durch den Landkreis zu erfüllen sei. Das ungeklärte Gelddefizit bringt nun zu Jahresanfang etliche Kinder- und Jugendclubs in Nöte - der Deutsche Kinderschutzbund ist aber der erste, der schmerzliche Konsequenzen daraus zieht: Er schließt "Mücke".
Und hier kommen die beiden Männer, die mit ganzem Herzen ihre Heimatstadt Plauen lieben und mit historischen Stadtspaziergängen unter "Lars & Lars" auftreten, ins Spiel: Das Geld aus ihren beiden nächsten Stadtspaziergängen am 26. Januar, 18 und 19.30 Uhr, kommt dem Kindercafé Mücke und dem Jugendclub Oase zu gute.
"Uns geht es darum, etwas Druck zu machen und das Thema in die Öffentlichkeit zu bringen", sagt Buchmann, der als Horterzieher in der Rückert-Grundschule arbeitet, und mit Kopf und Herz ganz nah dran ist an der Jugendarbeit seiner Stadt. Jugendarbeit dürfe nicht auf der Strecke bleiben, an ihr dürfe nicht gespart werden, gerade in jetziger Zeit, in der das Rechtsextreme an Fahrt aufnehme und junge Leute Anlaufpunkte und Pädagogen zur Orientierung brauche. "Es ist eine Zeit, in der sich manche Eltern immer weniger um ihre Kinder kümmern. Hier braucht es gut funktionierende Kinder- und Jugendeinrichtungen."
Mit "Lars & Lars" haben sich über die Internetplattform "Wir sind Plauener", dessen Admin und Begründer widerum Lars Buchmann ist, zwei Männer gefunden, die sich auch lokalpolitisch für ihre Stadt stark machen wollen. Buchmann tut es neben seiner Plauener-Seite im Internet als beratender Bürger im Stadtrat, Gruber ganz neu als Stadtrat über die Initiative Plauen.
Ihre Leidenschaft für Plauener Stadtgeschichte und das Hier und Jetzt in ihrer Heimatstadt bündeln Lars & Lars in ihren Stadtspaziergängen. Im vorigen Jahr führte das Duo sechs Mal geschichtsinteressierte Menschen an besondere Orte Plauens: Mal über die Bahnhofstraße, dann dorthin, wo früher das Bad Waldfrieden war, und Ende September ging es auf Wende- und Stasitouren ins Jahr 1989 zurück. Einen festen Preis erheben Lars & Lars für ihre Touren nicht. Dafür geht die Spendenbox um, und jeder kann sie mit so viel Geld, füllen, wie er will. "Von Anfang an geht das eingenommene Geld zu 100 Prozent an Vereine", sagt Lars Buchmann. Dabei haben sich beide Männer auf die feste Summe von 110 Euro geeinigt. So ein Betrag ging in der Vergangenheit schon an den Cheerleader-Verein Angels, das Produktive Lernen Hufelandschule, die Weberhäuser, den Förderverein Astrid-Lindgren-Schule, das Sternenlabor, die Tanzgruppe Vergissmeinicht und den Förderverein Plauener Freunde. Der Erlös aus "Plauens dunkle Gasse" geht nun an "Mücke" und die "Oase". Mit maximal 25 Leuten pro Tour geht es an dunkle, sehr geschichtsträchtige Orte Plauens. Und an manchen hat sich auch Grausiges zugetragen: So trieb der Würger von Plauen nahe des "Schwarzen Steges" sein Unwesen, in den 1930er Jahren ereigneten sich politische Morde zwischen KPD- und NSDAP-Anhängern am Komturhof und in die Elster warf man in Säcke geschnürte, zum Tode verurteilte Frauen.
Die erste Tour ist bereits ausverkauft. Für die zweite Tour kann man sich noch anmelden unter: www.stadt-plauen.info - und dabei für die Jugend Gutes tun.