Lange Reise bis zum Pieks

Das Impfzentrum in Eich liegt mitten im Vogtland, schön zentral - sagen die Befürworter. Die Kritiker sagen: Wer dorthin mit Bus und Bahn will, muss eine Weltreise machen. Wir haben mal im Fahrplan nachgeschaut.

Vogtland Wer aus dem Göltzschtal oder den größeren Vogtland-Städten wie Plauen und Reichenbach anreist, hat noch die besten Karten. Umsteigen muss derjenige zumeist in Treuen oder Lengenfeld. Immerhin nur einmal. Oma Meinel, knapp über 80, kommt aber aus Marieney im Oberen Vogtland. Sie ist allein stehend, hat keine Kinder, ist aber noch ganz rüstig auf den Beinen und hat sich mit Hilfe einer Nachbarin über die Corona-Hotline einen Impftermin ergattert. Die alte Dame setzt sich 7.24 Uhr in Mariney in ihren Bus. Nach 2.36 ist sie drei Mal umgestiegen, hat die Orte Adorf, Ruppertsgrün und Treuen kennengelernt und steht nun im 600-Seelenort Eich, der Haltestelle an der Rodewischer Straße. Jetzt hat die Meinels Oma noch eine Stunde Zeit zum Impftermin: Sie muss die Beine in die Hand nehmen, denn bis zum Impfzentrum sind es rund 700 Meter zu Fuß. Und es liegt Schnee.


Eine reichliche Stunde hat die Marieneyerin beim Impfen zugebracht. Kurz vor 13 Uhr steigt sie wieder in den Bus, der sie in ihr Heimatdorf bringt. Rechtzeitig zur Kaffeezeit um 15 Uhr ist sie daheim. Fünf Stunden saß die 80-Jährige im Bus. Anderthalb Kilometer ist sie zu Fuß gelaufen. Eine fiktive Reise, welche Hochbetagte vielleicht nur selten unternehmen. Wer immer kann, lässt sich von Kindern oder Enkeln zum Impfzentrum mit dem Auto fahren.
Kerstin Büttner, Sprecherin beim Verkehrsverbund Vogtland (VVV) verweist auf die Taktbus-Linie 63 von Treuen über Lengenfeld bis Irfersgrün für die Fahrgäste aus dem Göltzschtal. Wer aus Klingenthal oder Plauen anreist, fährt ein Stück mit der Vogtlandbahn.


Aus der Idee, den Zug wieder in Eich halten zu lassen, werde definitiv nichts, sagt Büttner und begründet das mit enormen Kosten. Um die eine Million Euro würde die Ertüchtigung eines stillgelegten Haltepunktes inklusive Bahnsteig, Gleis, Ein- und Ausstiege wohl kosten, schätzt die ÖPNV-Sprecherin. Seit August 2011 hält in Eich kein Zug mehr. Bemüht um eine weitere Linie hat sich das DRK. Andy Feig, Leiter des Impfzentrums, verweist auf Gespräche mit dem ÖPNV am Mittwoch. Demnächst wird es zwei Rufbusse geben ab Busbahnhof Rodewisch und Herlasgrün. Der Rufbus fährt die Passagiere dann direkt bis vors Impfzentrum, so dass kein Fußweg entsteht. Allerdings erreicht t nicht jeder auf seiner Vogtlandrundreise die Busbahnhöfe in Rodewisch und Herlasgrün. Oma Meinel aus Marieney zum Beispiel nicht.


Als "relativ entspannt" bezeichnet Andy Feig das Impfgeschehen in Eich. Täglich erhält dieses nur eine Ration von 170 Impfdosen. Etwa 100 davon entnimmt das mobile Impfteam und macht sich damit auf den Weg in des Vogttlands Seniorenheime, um dort Pflegepersonal und Heimbewohner zu impfen. Der zumeist kleinere Anteil an Impfstoff verbleibt in Eich. Zu wenig, um den ganzen Tag durchzuimpfen. Dafür bekomme man täglich zwischen 400 und 500 Anrufe von Leuten, die sich impfen lassen möchten. Ein Fünftel der Impfinteressierten erhält danach nur den Pieks. Laut Andy Feig sei die Impfbereitschaft hoch. Immer wieder stehen Leute spontan vor der Tür des Impfzentrums, fragen nach, ob sie auch ohne einen über die Hotline erhaltenen Impftermin an die Reihe kommen könnten. Meist müsse man die Leute ablehnen. Glück hatte aber jetzt ein 82-Jähriger, der kurz vor Toresschluss dort stand. "Wir hatten eine Impfdose übrig. Das war die Ausnahme und soll nicht ermutigen spontan vor der Tür zu stehen", so Feig.