Laizismus: Schwanitz im emotionalen Schlagabtausch

"Das Kreuz verschwinden zu lassen, ist nicht mein Ansinnen"

 

Plauen - Dem aufgrund seiner Parteizugehörigkeit beim CDU-Stammtisch eher seltenen Gast Rolf Schwanitz von der SPD, galt nach zwei Stunden Debatte Hin und Her und dem Anhören zahlreicher Argumente und Einwände der Dank eines seiner Podiumskontrahenten. "Sie gaben uns Gelegenheit, über uns nachzudenken. Es gibt kaum eine bessere Methode, die Kirche zu stärken, indem man sie kritisiert", sagte Otto Guse, Rechtsanwalt aus Falkenstein und Präsident der Evangelischen Landessynode, über die Thesen Schwanitz.

Tatsächlich befand sich Schwanitz allein mit seiner Position in der Runde. In der Zuhörerschaft saßen meist Mitglieder der CDU. Auf dem Podium hatten die vier evangelischen Kirchenvertreter Rudolf Merkel (Stadtmission Chemnitz), Hartmut Denkewitz (Diakonie Plauen), Matthias Bartsch (Superintendent Plauen) Otto Guse sowie Frank Heidan als Moderator Platz genommen.

Die Eckdaten seines Ansatzes formulierte Schwanitz in drei Feldern: Sonderrechte und Privilegien, Trennung von Staat und Kirche laut Grundgesetz und Dominanz christlicher Träger in den Sozialeinrichtungen. "Es muss über einen neuen Abstand Staat - Kirche diskutiert werden." Ein Beispiel des Sonderrechtsempfindens der katholischen Kirche nannte der Politiker mit dem Umgang der Missbrauchsfälle, bei dem "die Kirche so tue, als ob sie festlege, wenn der Staatsanwalt eingeschaltet werde". "Die Kirche ist nicht Staat im Staate", kritisierte Rolf Schwanitz. Weiter stellte der Plauener fest, dass die zwei christlichen Volkskirchen entgegen der rückläufigen Mitgliederzahlen und trotz der Entwicklung der Gesellschaft mit ihren vielfältigsten Lebensentwürfen immer noch einen privilegierten Platz mit enorm viel Einfluss inne hätten. Laut der Erhebung des Statistischen Bundesamtes von 2010 gehörten knapp 40 Prozent der Bundesbürger keiner oder einer anderen Religion als der christlichen an. "In Sachsen sind es gar 70 Prozent", so der Gast. Aber bis zu 80 Prozent der Einrichtungen hätten kirchliche Träger. Auch die Symbolik des Kreuzes hätte in staatlichen Einrichtungen wie Schulen, Ämtern und Gerichten laut Abstandsgebot nichts zu suchen, führte Schwanitz aus.

Die Thesen ernteten Widerspruch. Rechtsanwalt Guse nannte die Missbrauchsfälle Einzelfälle, die die Kirche beleidige. Das Kreuz ist ein kulturelles Symbol, das zur Bundesrepublik gehöre. "Sollen wir Kreuze, die zur Erinnerung von Unfallopfern an Straße aufgestellt sind, entfernen?" Auch fand der Rechtsanwalt den Gedanken gut, dass bei Gericht ein Kreuz hängen sollte, es sei gut für den Richter. "Damit der weiß, dass hinter ihm auch ein Richter steht."

Superintendent Bartsch sah keine Privilegierung der Kirche: "Die Dominanz unserer Einrichtungen im Sozialen wird oft und gern angenommen von Menschen die zu keiner Kirche gehören." Rudolf Merkel verwies auf die Pluralität und die Trägervielfalt und warb für seinen Dritten Weg in Chemnitz, bei dem Arbeitgeber und Arbeitnehmer eine Einigungspflicht hätten. "Die Arbeitnehmerrechte, Tarifrecht, das Recht, Betriebsräte zu bilden und das Streikrecht - sind Grundrechte, die nicht ausgehebelt gehören", entgegnete Schwanitz.

Der emotional geführte Schlagabtausch entwickelte sich weiter bei den Stichworten wie Kreuz, Missionierung, andere Religionen. "Das Kreuz verschwinden zu lassen, ist nicht mein Ansinnen", so Schwanitz. Zuvor hatte Denkewitz sich zu Wort gemeldet: "Wir leben in einer abendländischen Kultur, in der man nicht versuchen soll, das Christ sein aus der Gesellschaft herauszubringen. Wir brauchen ein Leitbild, woran sich die Gesellschaft orientieren soll." Guse indes fand die Idee nicht schlecht, auch den Davidstern oder den Halbmond neben einem Kreuz in öffentlichen Einrichtungen zu platzieren. Der Diskussion auf dem Podium folgten engagierte Wortmeldungen aus dem Publikum. fb