Läuft der Kurgast vier Kilometer durch den Wald?

Bad Elster - Derzeit ist die Hauptzufahrt, die Staatsstraße 306, nach Bad Elster wegen Bauarbeiten voll gesperrt. Der Verkehr wird deshalb über Sohl umgeleitet. Nur noch beschränkt erreichbar ist der Kurort jedoch mit dem Öffentlichen Nahverkehr. Nur etwa jeder zweite Bus der Linie T 9 Plauen-Bad Elster fährt derzeit bis in das Ortszentrum des Kurortes, alle anderen enden am Bahnhof Bad Elster im Ortsteil Mühlhausen.

 

Bad Elster - Wer in Mühlhausen auf dem Bahnhof ankommt, muss rund vier Kilometer durch den Wald bis nach Bad Elster laufen, oder sich ein Taxi rufen. Verschärft ist die Situation am Wochenende, da kein einziger Bus der Linie T 9 von Plauen, beziehungsweise der Linie T 30 von Klingenthal, bis in den Kurort fährt. Wegen der Baumaßnahme kann Bad Elster zurzeit auch mit der Freizeitbuslinie nicht bedient werden. Unbestritten stellen aber der Kurbetrieb und der Tourismus die wichtigste wirtschaftliche Grundlage für Bad Elster dar.

 

Die Regelungen auf Grund der Baumaßnahmen sorgen ausgerechnet in der Hauptsaison der Kur- und Urlaubszeit für große Einschränkungen. "Im Rahmen der Baumaßnahmen werden von der Erdgas Südsachsen GmbH eine Hochdruckleitung verlegt und gleichzeitig vom Zweckverband Wasser und Abwasser Vogtland eine Trinkwasserleitung erneuert", erklärt Bürgermeister Christoph Flämig und ergänzt: "Der Zeitpunkt der Maßnahmen hängt ganz gewiss auch mit den kürzlich beendeten Arbeiten an der B 92 zwischen Adorf und Mühlhausen zusammen. Die mussten erst fertiggestellt werden. Wenn dort Ruhe eingezogen ist, kann man über weitere Bauarbeiten nachdenken, haben wir damals gesagt." Fakt sei aber, dass die Baustelle auf der Gemarkung Adorf liege, diese Straße aber die Hauptzufahrt nach Bad Elster ist. "Ob die Maßnahme erfolgen solle oder nicht, dazu sind wir nicht befragt worden, sondern nur über die Art und Weise der Umleitungen und Beschilderungen", meint Flämig weiter.

Verwundert äußerte sich der Bürgermeister darüber, dass am Wochenende kein Bus mehr bis ins Ortszentrum fährt. "Von den Verkehrsbetrieben wurde mir gesagt, das nur einige Fahrten der Linie T 9 am Bahnhof enden würden und die Busse der Linie T 30 bis in den Ort fahren", macht er aufmerksam. "Es ist richtig, dass alle Busse am Wochenende am Bahnhof Bad Elster enden. Das ist sicher für niemanden günstig", räumt Verkehrsleiter Thomas Schwui vom Omnibusbetrieb Plauen auf Anfrage unserer Zeitung ein. "Aber das war ursprünglich auch so nicht geplant", betont er und ergänzt: "Die Baustelle war bereits seit längerer Zeit geplant. Es war von Anfang an vorgesehen, dass die Arbeiten unter halbseitiger Sperrung durchgeführt werden.

 

Das heißt, der Verkehr von und nach Bad Elster wäre zu jeder Zeit möglich gewesen. Letzte Woche haben wir aber einen Anruf vom Verkehrsamt des Landratsamtes in Reichenbach erhalten, dass zur Weiterführung der Arbeiten eine Vollsperrung erfolgen muss. Wir standen dadurch von heute auf morgen im Regen". Auch ein Shuttle-Verkehr vom Bahnhof Bad Elster bis ins Ortszentrum sei nach Aussage des Verkehrsleiters nicht möglich, weil das vom Aufgabenträger, dem Zweckverband des Öffentlichen Personennahverkehrs Vogtland (ÖPNV) abgelehnt wurde. Begründung - dafür gibt es keine finanziellen Mittel. "Es ist schon bedauerlich, dass solche Baumaßnahmen, wie derzeit in Bad Elster, in der Haupturlaubszeit erfolgen. Auf solche Verkehrsplanungen haben wir aber keinen Einfluss. Auch wenn wir schon empfohlen haben, dass es dazu bessere Abstimmungen mit allen Beteiligten geben sollte", äußert sich Bärbel Borchert vom Tourismusverband Vogtland zur Problematik.

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"Mit uns wurde überhaupt nicht gesprochen", berichtet Kurdirektor Dr. Christian Kirchner von der Sächsischen Staatsbäder GmbH. "Die absoluten Amateure waren hier am Werk und ich unterstelle den Verantwortlichen Böswilligkeit, die Erreichbarkeit für Bad Elster zu dieser Zeit derartig einzuschränken", kritisiert der Kurdirektor und fügt an: "Das zeigt eindeutig die Grundeinstellung gegenüber dem Wirtschaftsfaktor Tourismus."

Pressesprecherin Kerstin Büttner vom Landratsamt: "Für die Baumaßnahme war die notwendige Restfahrbreite von drei Metern nicht mehr gewährleistet. Deshalb wurde die halbseitige Verkehrsführung mit Ampel in eine Vollsperrung überführt." Wie Büttner außerdem informierte, habe eine Kontrolle der Berufsgenossenschaft ergeben, dass die Sicherheitsabstände zwischen Verkehrsbereich und Arbeitsbereich nicht eingehalten wurden. Auch dies mache eine Vollsperrung erforderlich, die ab 13. Juli angeordnet wurde. Geplant ist, die Arbeiten bis 9. August in Vollsperrung - und in Abhängigkeit mit dem Schuljahresbeginn und dem Schulbusverkehr, der ab 10. August wieder über die S 306 fahren soll - fortzuführen. Danach erfolge ein weiterer Abschnitt unter halbseitiger Sperrung. Die Baumaßnahmen plane der Auftraggeber, also der ZWAV Plauen und die Erdgas Plauen GmbH. Diese seien auch für die zeitliche Ausführung verantwortlich.

Auf Anfrage dort, warum die Arbeiten zur Saisonzeit ausgeführt werden, gab das Unternehmen Erdgas-Südsachsen GmbH keine konkrete Antwort. "Die Baumaßnahme Bad Elster ist Bestandteil des jährlichen Investitionsplanes der Erdgas Südsachsen", teilt das Unternehmen dazu in einer Pressinformation mit. Steffen Adler