Längst eine überzeugte Plauenerin

Helga Lutz, die seit 25 Jahren die Agentur für Arbeit in Plauen leitet, feiert heute ihren 65. Geburtstag. In Ruhestand geht sie erst am 31. März nächsten Jahres. Sie bekennt sich gerne zu ihrer Wahlheimat und ist längst überzeugte Plauenerin geworden.

Von Wilfried Hub

Plauen - "Ich kann mir gar nicht mehr vorstellen woanders zu leben als hier." An keinem Ort hat die geborene Fränkin so lange gewohnt und gelebt wie in Plauen. "Ich fühle mich sehr wohl und habe gute Freunde und Bekannte hier", freut sich Helga Lutz nach einem turbulenten Berufsleben auf ihren Ruhestand, der ihr vor allem mehr Freizeit und Freiheit bringen wird. Sie will in der zusätzlichen Zeit vor allem Kunst und Kultur genießen. Häufigere Ausflüge nach Dresden, Leipzig und Nürnberg sind geplant, ab und zu auch nach München. Helga Lutz, die in der Innenstadt wohnt, kann sich künftig aber auch ein ehrenamtliches Engagement in dem einen oder anderen Plauener Verein gut vorstellen. Sie ist Gründungsmitglied des Lions-Clubs Plauen-Spitze, der sich für soziale und kulturelle Projekte engagiert. Zwei Mal stand sie dem Serviceclub auch als Präsidentin vor. 
Freunde und Mitarbeiter schätzen die freundliche Art von Helga Lutz. Bei allem was sie tut, stehen immer die Menschen im Vordergrund. Das ist sicherlich einer der Gründe dafür, warum ihre Arbeit im Vogtland so erfolgreich war und ist. Zu allen Institutionen, die sich mit dem Arbeitsmarkt beschäftigen, hat sie guten Kontakt. Bei den Kammern gilt sie ebenso als kompetente Gesprächspartnerin wie bei den Gewerkschaften. Sie sorgt dafür, dass ihre Mitarbeiter mit den Kunden der Agentur stets ordentlich umgehen. In ihrer Behörde soll sich keiner als Bittsteller fühlen, betont die 65-Jährige, die viele Schicksale von Arbeitslosen kennt. Lutz: "Die Agentur will helfen und versuchen, für jeden Einzelnen eine gute Lösung zu finden." 
In Erlangen geboren und in Aschaffenburg aufgewachsen, begann sie nach dem Abitur ein Jurastudium, das sie mit zwei Staatsexamen abschloss. Nach kurzer Zeit in einer Anwaltskanzlei in Erlangen bewarb sie sich beim Landesarbeitsamt Nordbayern und wurde auch prompt genommen. Nach 18-monatiger Einarbeitungszeit war ihre erste Stelle als Abteilungsleiterin beim Arbeitsamt in Schweinfurt. Später wechselte sie nach Nürnberg. Nach der Wende wurde ihr zunächst das Arbeitsamt in Zwickau zur Leitung angeboten. Sie lehnte ab. Dann kam das Angebot Plauen. Sie sagte zu. "So oft darf man eine angebotene Leitungsfunktion nicht ablehnen, sonst wird man irgendwann nicht mehr gefragt", erläuterte sie einen Grund für ihre Entscheidung für Plauen. Sie habe es zu keiner Zeit bereut. In Plauen könne man gut leben, das kulturelle Angebot sei für eine Stadt dieser Größe beachtlich. Besorgt ist sie wegen des Ärztemangels. "Immer mehr Fachärzte geben aus Altersgründen ihre Praxen auf, und junge Ärzte kommen nicht nach", bedauert Lutz. Alle wollten in die Großstädte und keiner in die Provinz. Diese Entwicklung müsste irgendwie gestoppt werden.
Ihren Dienst in Plauen trat die stets gut gelaunte Juristin am 31. Januar 1994 an, also vor über 25 Jahren. Sie erlebte alle Höhen und Tiefen des Arbeitsmarktes im Vogtland hautnah mit. "Die Plamag-Schließung und das Ende der Enka-Werke in Elsterberg und der damit verbundene Verlust von Arbeitsplätzen waren für die Region schwere Rückschläge", erinnert sie sich an düstere Zeiten. Vor allem ihre ersten Jahre seien geprägt gewesen von hoher Arbeitslosigkeit, erinnert sie sich an Arbeitslosenquoten von 15 bis 20 Prozent. "In einem Wintermonat hatte wir mal schreckliche 24 Prozent", sagt sie: "Und dann die Massen von Leuten in Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen (ABM)". Die Pressekonferenzen jeweils zum Monatsende waren bevölkert von Journalisten, die etwas über die aktuellen Entwicklungen erfahren wollten. "Jeden Monat musste ich neue Negativrekorde bekanntgeben. Das war schrecklich", erinnert sie sich. Heute sei das alles viel unaufgeregter. "Wir sind bei unter fünf Prozent und haben damit fast Vollbeschäftigung."
Ihr Amt und ihre Mitarbeiter, mit denen sie teilweise seit Jahrzehnten zusammenarbeitet, hätten gute Arbeit geleistet. Mit sinnvollen ABM und sehr vielen Qualifizierungsmaßnahmen sei man langsam aus dem Keller herausgekommen. Sehr viele arbeitslose Frauen seien in den Handel qualifiziert worden, die neuen Einkaufsmärkte Elster Park, Plauen Park und Globus bekamen so gut ausgebildete Arbeitskräfte, erläutert Lutz. Verkäufer sei übrigens bis heute der Wunschberuf Nummer eins. Ältere Arbeitslose seien früher in Rente geschickt worden. Die Abwanderung aus der Region in den Westen habe auch geholfen. "Was sollen die Leute machen, wenn sie hier keine Chance haben." Das Arbeitsamt hätte diesen Trend sogar unterstützt. Das Amt hätte nach außerhalb vermittelt und sogar die Umzugskosten übernommen. "Wir haben alles erdenkliche getan, um endlich die Arbeitslosigkeit abzubauen", denkt die Chefin an schlimme Zeiten zurück.
Von 2013 bis 2014 war Helga Lutz abgeordnet nach Freiberg (Landkreis Mittelsachsen), um dort eine neue Arbeitsagentur aufzubauen. "Eine interessante Aufgabe, aber ich war froh nach 18 Monaten wieder zurückzudürfen", erzählt die Agenturchefin. Ihren 60. Geburtstag feierte sie vor fünf Jahren daheim in Plauen und beendete damit eine Phase, die nicht so einfach gewesen sei. "Ich stand kurz vorm Kollaps." Denn die eigene Gesundheit spielte verrückt und ihre Mutter war kränklich, was regelmäßige Fahrten nach Aschaffenburg bedeutete. Helga Lutz kann an ihrem 65. Geburtstag entspannt und zufrieden auf ihre Arbeit in Plauen zurückblicken. "Wir haben viel geschafft." Was blieb unerreicht? Ihr Wunsch, ein eigenes Dienstgebäude für alle Mitarbeiter zu haben, blieb unerfüllt. Mehrere Umzüge und die Arbeit an verschiedenen Standorten, das sei nicht so schön. Zum heutigen Geburtstag, den sie im ganz kleinen Kreis ein wenig feiern wird, werden viele Weggefährten Glückwünsche überbringen. Der Vogtland-Anzeiger schließt sich gerne an.