Kurbelstich lockt Schweizerin in Plauener Schaustickerei

"Treten, nach unten ziehen, und wieder treten!" Die Schweizerin Dr. Anne Wanner hat an einer Kurbelstickmaschine in der Plauener Schaustickerei Platz genommen - und erhält von Beate Schad einen Crash-Kurs zur Bedienung der Stickmaschine.

Plauen - "Die Kettenstichstickerei war einst bei uns in der Schweiz auch ein wichtiger Industriezweig. Aber in unserem St. Gallener Textilmuseum ist leider keine solche Maschine mehr vorhanden", bedauert Dr. Anne Wanner - die einstige Kuratorin jenes Museums.

Eine solche kleine Maschine kennenzulernen, war Anlass für eine Fahrt ins Vogtland - genauer in die Plauener Schaustickerei. Dort wurde die Kunsthistorikern von Schaustickerei-Leiterin Beate Schad und Heino Strobel, Mitglied des Vereins Vogtländische Textilgeschichte Plauen, mit Ungeduld und Freude erwartet, ist sie doch längst keine Fremde mehr. Anfang der 90-er Jahre besuchte Beate Schad das St. Gallener Textilmuseum und lernte Dr. Wanner kennen - nach jahrelangem losen Kontakt wurde dieser anlässlich der internationalen Studientage zur Hand- und Maschinenspitze in Plauen im Jahr 2011 aufgefrischt. Schad: "Seitdem treffen wir uns immer mal wieder."

Heute noch finde die Kurbelstickerei - wenngleich auf viel moderneren Stickmaschinen - Anwendung: So zum Beispiel bei der Firma Fassmann in Plauen oder Stickereien im Gebiet um Falkenstein und Eibenstock. Bestickt werden Fahnen, Vereinswimpel, Bekleidung, Präsente. "Wirklich nicht einfach", urteilt die St. Gallenerin, während ihre Füße die Maschine durch stetiges Treten antreiben und ihre Hand die Kurbel dreht. Gemeinsamkeiten zwischen den traditionellen Stickerei- und Spitzen-Stätten St. Gallen und Plauen gibt es einige. So bekam das 1876 errichtete Textilmuseum St. Gallen im Jahr 1901 eine stattliche Sammlung an Spitzen-Mustern von dem jüdischen Textilunternehmer Leopold Ikle geschenkt.

Ikle hatte auf der ganzen Welt Stickereien in Betrieb - unter anderem 1882 auch eine in Plauen, erklärt Heino Strobel. In den 1970er und -80er Jahren machte es sich Dr. Wanner zur Passion, die Iklesche Sammlung museal aufzubereiten. "Das Museum bestand damals nur aus Schachteln". Dr. Anne Wanner dokumentierte und fotografierte den textilen Schatz, der teilweise heute in St. Gallen zu sehen ist, aber auch den Fundus bereichert. Auch in Plauen sei man dabei, textile Stick- und Spitzenmuster zu dokumentieren, so Beate Schad.

Festgehalten hat man in Plauen auch die lokalen Begriffe für bestimmte Stickereien und deren Herstellungstechnik. Denn vieles geht mit den Jahren verloren. So arbeitet Dr. Wanner gegenwärtig an einem Wörterbuch, in dem in vier Sprachen die verschiedenen Begriffe für Sticharten aufgeführt sind. "Die Begriffe sind oft schon im deutschsprachigen Raum unterschiedlich. Das gilt es zu bewahren", so Wanner. Die Kurbelstichmaschine soll 1860 in Paris erfunden worden sein.