Kupfer killt Viren

Kupfer tötet Viren. Auch Corona-Viren. Auf dieser Technologie basiert der Filter eines medizinischen Mund-Nasen-Schutzes, mit dem das Reichenbacher Unternehmen C.H. Müller jetzt auf den Markt geht. Eine Neuheit unter den Maskenprodukten, heißt es vom Hersteller.

Von Cornelia Henze

Reichenbach Der Mund-Nasen-Schutz sei der erste, der nicht nur die Mitmenschen, sondern auch den Träger schützt, sagt Produktentwicklerin Anja Flach. Mit den Atrributen "Mehrweg" also wiederverwendbar und daher umweltfreundlich und bakterien- und virenabweisend will der Mittelständler aus dem Vogtland ganz oben in der Liga der Masken-Hersteller mitspielen.


Schon zu Pandemiebeginn war C.H. Müller zeitig mit dem Nähen von Alltagsmasken am Start. Das war im Frühjahr 2020. Als die Politik der Alltagsmaske das Aus beschied, ebbte auch er Verkauf im neuen Geschäftsfeld ab. Weder in Bus und Bahn, noch in Behörden oder Supermärkten waren Alltagsmasken mehr erlaubt. Schlecht für die Maskenproduzenten, denn auch das Hauptgeschäft als Automobilzulieferer geriet seit Corona generell ins Stocken, sagt Ulrike Porst von der Inhaberfamilie. Schon im vorigen Jahr tüftelten Firmenchef Philipp Porst und Technologin Anja Flach an einem mehrfach wiederverwendbaren Mund-Nasen-Schutz mit Bakterien- und Virenschutz. Allein es fehlte noch an der Zertifizierung.
Ein Weg, der angesichts weniger Zertifizierungssstellen und langer Wartezeiten sowie hohen Kosten zum Marathon wurde. Hinzu kam, dass C.H.Müller die erste Maske mit einem virenabweisenden Kupferpolymer-Filter auf den Markt bringt, für den es bisher keine Zertifizierungsmöglichkeit gab. "Eine klaffende Lücke", sagt Ulrike Porst. Zu Hilfe in Sachen TÜV und Zertifizierungsfragen kam C.H. Müller Bert Schusser, Professor für Energie- und Ressourcenmanagement an der Fachhochschule Mittweida.
Wichtiger Partner bei der Produktentwicklung ist das Unternehmen Intercept Technology GmbH aus Eisenach. C.H. Müller ist der Spezialist für die Konfektion textiler Medizinprodukte, die Thüringer Firma für die Herstellung des Kupferpolymers, mit dem Markennamen Intercept CU 22. Die Entwicklung des patentierten Kupferpolymers begann bereits in der zweiten Hälfte der 1980-iger Jahre.
Die in den Größen S, M und L erhältliche Maske besteht aus Polyester und ist bei 60 Grad mehrfach waschbar. Der etwa handtellergroße Anti-Viren-Filter wird in die eingenähte Innentasche des Mund-Nasen-Schutzes eingeschoben und ist austauschbar. Jeden Monat sollte der Filter, den es im Nachfüll-Fünfer-Pack gibt, ausgetauscht werden. In der Kaschierabteilung von C.H. Müller wird ein mehrlagiges Verbundmaterial aus verschiedenen Polymeren zusammengefügt.
Die Maske namens "Advanced" darf als erste Maske mit aktiver Antiviren-Barriere vermarktet werden, so Anja Flach. Jeder Tropfen, der Bakterien oder Viren enthalten könnte, haftet an der Kupferpolymeroberfläche an und werden durch Zerstörung der Virenhülle vernichtet.


Mittlerweile hat der Reichenbacher Textilbetrieb für seine Neuheit alle Zertifizierungen erlangt, die es als Medizinprodukt Klasse II zertifizieren und damit für den täglichen Gebrauch an öffentlichen Orten legalisiert. Nur, dass das eigene Produkt eben noch mit dem zusätzlichen Virenschutz und der Wiederverwendbarkeit aufwartet. Schon seit Wochen testen Familie Porst und ein Teil der 340 Angestellten die neuartige Maske. Vor einiger Zeit auch der Enkel in der Schule, ein Achtklässler, sagt Ulrike Porst. Noch im Mai soll der Mund-Nasen-Schutz von Jedermann über den Web-Shop erworben werden können. Das Set mit Maske und einem Filter liegt um die zwanzig Euro. Als Käuferzielgruppe haben die Porsts nicht nur die Bevölkerung schlechthin im Sinn. Gut geeignet sei sie für Personengruppen aus Gesundheitsberufen, wie etwa Ergo- oder Physiotherapeuten, Altenpfleger oder Menschen, die beruflich viel in der Öffentlichkeit stehen und einer höheren Infektionsgefahr ausgesetzt sind: Lehrer, Erzieher, Polizisten, Dienstleister in öffentlichen Einrichtungen. Da die Masken individuell bedruck- bzw. bestickbar sind,sei es auch für Firmen interessant ihre Mitarbeiter damit auszustatten, so die Firmenchefs.

Von der Politik, angefangen von der Basis bis hoch in den Bundestag, wünschen sich die Inhaber Beachtung und eine Lobby für das Produkt. Denn die Masken werden unsere Gesellschaft mit Sicherheit noch lange begleiten.
Die Frage dabei ist, ob man weiter auf Wegwerfprodukte oder lieber auf Umweltschutz und den Mehrweg-Gedanken setzt. "Hier muss die Politik umdenken", so Ulrike Porst.