Kunst kennt keine Tabus

Der Bamberger Kunsthistoriker Dr. Matthias Liebel bezeichnete in seiner Laudatio zur Eröffnung der Ausstellung "Grenzen" im Malzhaus die Kunst als grenzenlos.

Von Gabi Kertscher

Plauen Sie kenne weder Einschränkungen noch Tabus. Die zurzeit gezeigten Werke in der Galerie sind die Ergebnisse einer Ausschreibung des Kunstvereins Plauen-Vogtland.
Sie sei das größte und ehrgeizigste Projekt des Vereins im letzten Jahr, so Vereinsvorsitzender Wilfried Hub in seiner Begrüßungsrede. Auf die international erfolgte Ausschreibung waren über 200 Werke eingegangen. Die Jury hatte es nicht leicht, unter diesen die Besten auszuwählen. Die Künstler zeigen die unterschiedlichsten Darstellungen von Grenzen. Es sind geographische, moralische, wie auch ganz private eigene Grenzen zu sehen. Viele beschäftigen sich mit den politischen Grenzen, mit Grenzerlebnissen oder Leistungsgrenzen.
Es reihen sich Aquarelle, Bleistiftzeichnungen, Collagen und Bilder mit Öllfarben gemalt aneinander. Anna Higgs ist über 400 Kilometer für die Ausstellungseröffnung angereist. Die gebürtige Dresdnerin wohnt jetzt in Offenburg und hat 1969 die DDR illegal verlassen. Ihr Bild ist erst entstanden, als sie die Ausschreibung in den Händen hielt. Es zeigt ihre Erinnerungen, an eine Zeit, als sie mit ihren Kindern die Verwandtschaft im "Osten" besuchen kam. Als Untergrund dient ihrem Bild ein 78 Jahre alter Karton aus einer stillgelegten Schraubenfabrik. Zwei Hände versuchen durch einen Spalt nach außen zu gelangen.
"Mich hat die Grenze immer an meine inneren Grenzen gebracht", erzählte sie. Mit ihrem Bild versucht sie, genau dieses Gefühl wiederzugeben. Unter den Gästen weilte auch ein Student aus Bamberg. Ilham Faizal studiert bei Laudator Dr. Matthias Liebel Medienwissenschaften. Seine Heimat Indonesien habe ganz andere Grenzen, so Faizal. Die vielen kleinen Inseln haben verschiedene Kulturen und Sprachen. "Das sind Grenzen, mit denen wir leben müssen."Die Ausstellung zeigt die Vielfalt der Bedeutung des Wortes "Grenzen". "An manche haben wir zunächst nicht gedacht: Wachstumsgrenzen, Leistungsgrenzen, Klimagrenzen, Grenzen der Belastbarkeit und viele andere mehr", gab Liebel zu verstehen.
Die Ausstellung ist in der Galerie des Malzhauses bis zum 12. Januar 2020 täglich, außer montags, von 13 bis 18 Uhr zu sehen.