Kultureller Silberstreif "in Blech"

"Es ist so wunderbar, nach so langer Zeit wieder einmal Kultur erleben zu können", war einer der am häufigsten geäußerten Sätze, am Pfingstsonntagabend in und an der St. Johanniskirche.

Von Ingo Eckardt

Plauen Und diese Worte waren wohl berechtigt, denn nach der doch für viele Musikfreunde viel zu langen Corona-Pause genossen im Schiff und auf den Emporen der Plauener Hauptkirche 200 Menschen ein erstes Konzert der aus Bayern stammenden Blechblasformation "Classic Brass".
Bandleader Jürgen Gröblehner begrüßte die Besucher nach dem Einmarsch der fünf Musiker denn auch mit ein paar Worten rund um das Virus und seine Auswirkungen auf die Musikwelt im Allgemeinen und sein Ensemble im Speziellen. "Ich bin sehr froh, dass wir heute hier endlich wieder ein Konzert spielen können.
Unser bayerischer Landesfürst lässt solche Konzerte noch gar nicht wieder zu. Wir brennen darauf, Ihnen unsere Musik wieder zu präsentieren, nach drei Monaten Konzertpause - so etwas gab es in meinem Leben die letzten 25 Jahre nicht", sagte der gebürtige Dresdner.
Wunderbare Stücke hatte sich Gröblehner ausgesucht. Die Formation spielte im ersten Teil unter anderem Ausschnitte aus Händels "Messias" und Johann Sebastian Bachs "Bist Du bei mir". Bei Joy Webbs "Share my Yoke" lauschten viele der Besucher in gewaltigen Abständen in den Kirchenbänken mit geschlossenen Augen den wunderbaren Harmonien aus zwei Trompeten, einem Horn, einer Tuba und einer virtuos gespielten Posaune. Nach Ernesto der Curtis "Torna a Surriento" und einem beinahe experimentellen Ausschnitt aus Arbans "Karneval in Venedig" ging es in eine Pause, in der die Mitglieder der Band ihre CDs an die Besucher verkauften, was ebenfalls ein Beitrag zur Existenzsicherung der Musiker sei, wie Jürgen Gröblehner betonte.
Der zweite Teil des Konzertes, kam dann noch etwas moderner daher. Mit "O sole mio" stiegen Gröblehner und seine Kollegen Christian Fath, Zoltán Nagy, Szabolcs Horváth und Roland Krem ein, das "Habanero" und das "Finale" aus Bizets "Carmen" folgten auf dem Fuße, bevor ein sehr swingiger Sound durch das Kirchenschiff "flatterte": "Classic Brass" intonierte Marvin Hamlischs "The Way we were", bei dem Posaunist Horváth in Solomanier brillierte. Ein "LiedGUT - wonderful", arrangiert vom Hornisten Fath, aus deutschen Volksliedern, wie "Es klappert die Mühle am rauschenden Bach", "Das Wandern ist des Müllers Lust", "Hänschen Klein" und "Alle Vögel sind schon da" sorgte für gute Stimmung im Kirchenschiff und mit "Ich hol vom Himmel die Sterne" endete das Konzert - doch eine Zugabe durfte natürlich nicht fehlen. Diese war etwas ganz Besonderes. "Gabriellas Song" aus dem Kultfilm "Wie im Himmel" in einzigartigem Blechblasgewand entließ die Besucher, die um eine Spende für das Gratiskonzert gebeten wurden, in einen beschwingten Pfingstsonntagabend - im Bewusstsein, dass bald wieder mehr und regelmäßige Kultur den Geist und die Herzen der Menschen erfüllen werden.