Kulturbahnhof im Entstehen

Aus Alt mach Neu - darin hat Jörg Gemeinhardt vom Vogtländischen Volksmusikverein "De Gockeschen" schon einige Erfahrung. Das kommt ihm derzeit zugute.

Von Gabi Kertscher

Neben Remise und einigen Unterstellmöglichkeiten für alte Maschinen und einem Backhaus entsteht derzeit eine "flexibel nutzbare Bühne", wie es Vereinsvorsitzende Anne Schwegler nannte. Verwendet werden dazu überwiegend die Hölzer der alten Wartehalle das Bahnhofs Rentzschmühle. "Was zu kaputt war, wird durch neue Balken ersetzt." Vereinsmitglied Marco Döbel schleift alle alten Balken ab. Nur so können kleinere Schäden entdeckt werden. Jörg Gemeinhardt führt die Zimmermannsarbeiten aus und so entsteht Stück für Stück ein kleiner Kulturbahnhof.
Los ging es vor einigen Jahren, als es von Seiten der Deutschen Bahn hieß: "Die Wartehalle am Bahnhof Rentzschmühle wird abgerissen." Eine Bürgerinitiative begann sich für den Erhalt des Gebäudes einzusetzen, kam aber nicht ans Ziel. De Gockeschen bewarben sich um die Wartehalle. Von Anfang an stand fest, dass sie abgerissen wird und auf dem Vereinsgelände in Liebau wiederaufgebaut wird. Nach der Zusage der Bahn, musste alles innerhalb einer Woche beräumt sein, dafür bekam der Verein alles geschenkt. Ein Architekt und ein Statiker erarbeiteten ein Projekt und es wurde genehmigt. Die Gesamtbausumme wird mit 30.000 Euro genannt. "Wir bekommen 50 Prozent über "Leader plus" gefördert, so Anne Schwegler. Sie berichtet weiter, dass im April 2019 die Baugenehmigung vorlag und im Dezember des gleichen Jahres die Firma Reichelt Bau aus Ruppertsgrün das Fundament herstellte. "Dank Corona geht es jetzt zügig voran", Jörg Gemeinhardt hat mit anderen Helfern des Vereines das gesamte Holz in der Remise eingelagert. In diesem Jahr finden keine großen Feste statt, auch Familienfeiern auf dem Festplatz gibt es keine, so dass hier Platz für das Material ist. "Die neuen Balken hat die Firma Ingo Rahm - Max macht's" spendiert.
Unter der zweihundert Jahren alten Eiche wächst der Bau. Das Fachwerk steht auf neuem Fundament und neuen Grundbalken. Später werden die Fächer ausgemauert und verputzt. Die Fensterfront soll originalgetreu erhalten werden, darauf legen alle Beteiligten Wert. Innen wird es einen Holzdielenboden geben. Das sei für den Klang der Instrumente besser, so Anne Schwegler. Die Halle kann für Ausstellungen oder bei Veranstaltungen als Ergänzung zur Freiluftbühne genutzt werden. Sie wird nicht verschlossen. Auf alle Fälle sollen Tafeln auf den einstigen Standort und die Nutzung des Gebäudes hinweisen. Jörg Gemeinhardt hat große Pläne mit dem Gelände. De Gockeschen sind Pächter des Areals zwischen Festplatz und einschließlich Ruine Liebau. An der aus dem 14. Jahrhundert stammenden Burg wurde im vergangenen Jahr die Burgmauer für 27.000 Euro, finanziert aus Landesmitteln und der Gemeinde Pöhl, freigelegt und saniert. Das gesamte Areal haben Gemeinde und Gockesche vor einigen Jahren zum Geschichte- und Naturpark Liebau erklärt. Gemeinhardt möchte das leerstehende Wohngebäude neben den Vereinsräumen kaufen. Es soll in eine Stiftung umgewandelt werden. In den Räumen wird Platz für Ausstellungen sein und ein historisches Klassenzimmer könnte sich der engagierte Pöhler Unternehmer ebenfalls vorstellen.
In diesem Jahr werden die Freunde von handgemachter volkstümlicher Musik auf das beliebte Ruinenfest verzichten müssen. Anne Schwegler informierte, dass aufgrund der aktuellen Corona-Regeln keine Veranstaltungen durchgeführt werden. Die Verträge mit den Gruppen werden für das nächste Jahr übernommen. Ende Juni 2021 wird das 29. Ruinenfest in Liebau gefeiert.