"Kultur am Fenster" erlebt Premiere

Theaterherbst schenkt Senioren "Kultur am Fenster" Idee aus Zeiten mit Corona soll sich zu einer regelmäßigen Tradition entwickeln.

Von Karsten Schaarschmidt

Eigentlich hätte die Idee schon früher als schöne Geste geboren werden können. Aber besser spät als nie. Den von den Beschränkungen wegen des Corona-Virus besonders betroffenen älteren Menschen in drei Greizer Seniorenresidenzen schenkte der Greizer Theaterherbst kürzlich die erste Folge von "Kultur am Fenster". "Unter dem Titel präsentieren wir im Freien den Bewohnern unter anderem Lesungen mit Musik", sagte der Künstlerische Leiter des Theaterherbstes, Martin Heesch.
Den Auftakt übernahmen die Vereinsmitglieder Robert Riedel und Hans-Michael Steinberg, der die Gedichte "Der gute Gärtner" und "Rückblick" von Erich Fried rezitierte. Robert Riedel las das Märchen "Hans im Glück" aus der Sammlung der Gebrüder Grimm. Klangvoll begleitet wurden die beiden Akteure von dem Greizer Musik-Studenten Marius Frantz, der auf der Violine musikalisch brillant Antonin Dvoráks "Humoreske" und die "Sarabande" von Georg Friedrich Händel intonierte. Den notwendigen Mindestabstand einhaltend, sprach und musizierte das Trio zunächst vor den Bewohnern des "Haus an der Schlossbrücke Greiz" und im Anschluss vor dem Senioren- und Pflegeheim "Haus Kolin" in Pohlitz sowie der Wohngemeinschaft für Menschen mit Demenz "Villa Ginkgo". Die von der kulturvollen Abwechslung sichtlich berührten und erfreuten Zuschauer verfolgten die Aufführung im Freien oder von ihren Zimmerfenstern aus. "Unsere Überlegung war, wie wir unseren älteren Mitmenschen, die aktuell nicht die Grundstücke ihrer Wohnheime verlassen dürfen, eine kulturelle Freude bereiten können, so entstand die Idee von ,Kultur am Fenster‘", erklärt Heesch. Neben kurzen Lesungen und Musik kann sich der Künstlerische Leiter des Theaterherbstes auch Pantomime, kleine Szenen oder ähnliche Darbietungen vorstellen. Der Auftakt am Freitag sei der Versuchsballon gewesen, ob das Format funktioniere - und das sei absolut der Fall gewesen. "Ich freue mich wirklich sehr über die absolut positive Resonanz - sowohl die der Zuschauer als auch die der Beschäftigten in den Einrichtungen", so Heesch.
Ziel sei nun, "Kultur am Fenster" nicht als Corona-Eintagsfliege zu sehen, sondern daraus eine Tradition über die Pandemiezeiten hinaus zu entwickeln, sagte Heesch. So wolle der Theaterherbst in den kommenden Wochen "Kultur am Fenster" fortsetzen, wenn gewünscht auch vor anderen Greizer Seniorenresidenzen."Toll fände ich es zudem, wenn sich weitere Greizer Kulturvereine und Künstler in die Aktion mit einbringen und wir das Angebot gemeinsam weiterführen würden", so Heesch.
Interessenten könnten sich ab sofort gern im Theaterherbst-Büro melden.