Kultband Renft im Malzhaus zu Gast

Plauen -Renft gilt als eine der angesagtesten Rockbands der DDR. Am Sonntag gastierte das aktuelle Quartett im Malzhauskeller und drehte von Minute zu Minute zur Freude der Freunde alter Rockmusik auf.

 

Es war ihr Weihnachtsgeschenk, ihr Abschlusskonzert 2010 und ihr Neujahrsgruß an die Plauener Fans in einem. Im Malzhaus spielten die Vier, diese alten Legenden (1958 gegründet!) inzwischen zum dritten Mal zu den Feiertagen auf, und der Ausflug hierher soll laut Aussage von Renft-Urgestein und Frontmann Thomas "Monster" Schoppe, zu einer Tradition werden. Monster und seine Kollegen Gisbert "Pitti" Piatkowski, einen begnadeten Rockgitarristen, Marcus "Basskran" Schloussen am Bass und Drummer Delle Kriese hatten die Unannehmlichkeiten des kraftvollen Winters auf sich genommen, um von Berlin ins noch tiefer verschneite Vogtland zu kommen. "Wir ziehen das Ding eben durch", sagte Schoppe trocken. Sie zogen das Ding durch, routiniert, engagiert und von Minute zu Minute druckvoller, der 2006 verstorbene Bandgründer Klaus Renft hätte zufrieden zugehört. Die Besucher im gut besuchten Malzhaus taten es mit Hingabe.

 

Im Alter der Akteure auf der Bühne setzen sich andere zur Ruhe. Anders Schoppe und Kameraden. Frisch und gut gelaunt drehte das Quartett auf. Renft bot Ostrock in aktuellem Sound, erdig, dreckig, genau, alte und uralte Renft-Songs und Adaptionen von Liedern anderer Künstler verpassten sie neue Interpretationen inklusive Soli voller Schwung und überraschender Wendungen.

Der Star des Abends, ganz ohne jede Allüren, war Gisbert "Pitti" Piatkowski. Der Gitarrist fühlt sich wie in einem Mikrokosmos, greift er zu seinem Instrument, lässt er seine Finger auf den Saiten entlang der Bünde über das edle Holz gleiten. Mal spielte er ruhig und diszipliniert die Hintergrund-Harmonie, dann zaubert er zwischen den Takten kleine Soli, um hernach das eigentliche Solo federleicht durch den Verstärker zu senden.

Dazu tapst er mit dem Fuß auf allerlei Pedale vor sich, der Sound ändert sich, mal "clean" mal "verzerrt". Schnell, filigran, schön, fett, innovativ tönten die virtuosen Pitti-Einlagen. Dass ihm seine Kollegen noch den Untergrund, das Fundament für seine Kunst lieferten, mit dichtem Schlagwerklinien, Bassläufen ohne Schnörkel und dem väterlichen Frontmanngesang, das bildete eine verschworene, familiäre Einheit.

Die Renftmusiker sind alte Hasen, die auf ein ordentliches Jahr zurückblicken, meinte der Chef vor dem Gig. 50 Auftritte in zwölf Monaten und das in einem hart umkämpften Geschäft, was sich "Konzert aqvirieren" nennt. "In Wahrheit ist das für viele Musiker eine Katastrophe. Bei uns geht das noch, wir können froh sein über eine gute Popularität. Aber für die jungen Bands sieht es mau aus, die mühen sich und bekommen zu wenig und werden nicht gefördert", analysierte der Musiker kritisch.

 

Na ja, so sei es, man macht eben das Beste draus, murmelte Monster leise. Und 2011? Im neuen Jahr wird sich Renft neuen Songs verstärkt widmen, so der Chef. "Wir wollen uns in neuen Liedern widerspiegeln und ich möchte auch noch mehr Lebenserfahrung bei meinem hohen Alter einfließen lassen in die Texte", erzählte Monster. Renft bleibt weiter auf Tour. Für die Fans als ein Unternehmen der Gegenwart und Zukunft. Und zu Weihnachten sieht man sich wieder in Plauen.