Kritik an Verkehr und Dreck-Ecken

Im Vorfeld der geplanten Einwohnerversammlung am 4. Dezember, 19.30 Uhr in der Kolpingschule, pilgerten gestern knapp zwei Dutzend Menschen durch das Westend - Siedler, Anwohner, Polizei und Vertreter der Stadtverwaltung widmeten sich den Problemstellen des Stadtteils. Ein paar mehr Bewohner wären es sicher gewesen, hätte der Termin nicht mitten in der Woche morgens stattgefunden.

Von Ingo Eckardt

Plauen Baubürgermeister Levente Sárközy hob auf Nachfrage die Hände: "Das ist ein Termin, den der Oberbürgermeister so angesetzt hat. Er ist heute aber kurzfristig zu einem Gespräch im Bundesministerium und deshalb leite ich heute den Rundgang. Sicher wäre es besser, wenn das mal nachmittags gemacht wird - in der dunklen Jahreszeit ist das aber halt auch ein Problem."
Das erste Problem brachte André Harnisch vor. Der pensionierte Lehrer bemängelte die Ampelanlage an der Kreuzung Luxemburg-Platz, Liebknecht- und Neundorfer Straße. "Man kann diese Ampel einfach abschalten. Es ist nicht notwendig, dass diese angeschalten ist. Das verschärft die Gefahr für Fußgänger eher, weil sich beim Abbiegen alle drauf verlassen, dass da schon keiner lang laufen wird", so Harnisch und erntete zustimmendes Nicken der Anwohner seines Stadtteils. Eher skeptisch betrachtet man das in der Verwaltung. Schließlich diene die Ampel ja der Verkehrssicherheit, so Bürgermeister Sárközy, sicherte aber Antworten zur Einwohnerversammlung zu.
Beim gesamten Rundgang - über die Schönherr-Straße und die Kasernenstraße, die Mückenberger Straße, den Heineplatz, die Vetterstraße und den Eichhübel zur Neundorfer Straße - wurde immer wieder der Zustand der Straßen und Wege kritisiert. Dazu musste Fachbereichsleiterin Kerstin Wolf immer wieder erklären, dass man so einfach die Erwartungen der Menschen nicht erfüllen könne. "Wir sind da abhängig von Fördermitteln. Nur aus Eigenmitteln der Stadt kriegen wir das nicht hin", so die Bau-Fachfrau. Gleiches galt auch für die erste große Brache, die der Tross in Augenschein nahm. Für den Standort der einstigen Immobilie der "Plauener Gardine", die heute - finanziell schwer belastet - zur Insolvenzmasse der Firma Pfersee-Kolbermoor gehört, gäbe es nämlich bereits Nachnutzungsideen. Doch zuvor müsse man noch verhandeln - mit dem Insolvenzverwalter und den Banken, die versuchen, ihre Hypotheken noch einzutreiben. "Wenn es gelingt, ins Eigentum zu kommen, dann werden wir versuchen, das Objekt mit Fördermitteln abzureißen und die entsprechende Nachnutzung ebenfalls über das ERFE-Brachenprogramm zu sichern. Wir gehen davon aus, dass dies 1,4 bis 1,5 Millionen Euro kosten wird", sagt Kerstin Wolf.
Ein weiteres Objekt, an dem sich Fragen stellten, war die ehemalige Gaststätte "Goldene Rose" am Heineplatz. Hier wünschen sich die Anwohner eine neue Ansiedlung einer Gastronomieeinrichtung. Bürgermeister Sárközy erklärte, dass es hier einen neuen Besitzer gäbe, dessen Intentionen unbekannt seien. Auch wenn es niemand bestätigen mochte, pfeifen die Spatzen von den Dächern, dass es sich um die Bauträgerfirma Unger handelt, die bereits mehrere Objekte in der Region saniert und vor allem für Seniorenwohnzwecke umgenutzt hat.
Am Eichhübel ereiferten sich Anwohner über den ungepflegten Zustand des kleinen Pöhls. Ulf Merkel, der städtische Bearbeiter für allerlei Grün in der Stadt, betonte, man wolle ganz bewusst diese Fläche ein wenig naturnah belassen. "Das ist jetzt keine Fläche, die für die Bewohner und deren Freizeit gedacht ist. Einen schönen Ausblick findet man in der Gegend auch anderswo, beispielsweise vom Steinpöhl aus. Hier jedenfalls hat die Natur, vor allem eine vielfältige Tierwelt, einen Rückzugsraum", nahm Merkel den Bürgern den Wind aus den Segeln.
Im gleichen Atemzug beklagte Joachim Körner die Situation am Rosenow- und den umgebenden asphaltierten Wegen. Wenn hier ein Fahrzeug parke, hätten Feuerwehr und Rettungsdienst keine Chance mehr durchzukommen. Ein Parkverbotsschild suche man aber dennoch vergebens. Das Thema wolle man unbedingt mitnehmen, sicherte Sárközy zu. Ein letztes "Aufreger-Thema" bildete die nur noch als Skelett stehende ehemalige Dako an der Ricarda-Huch-Straße. Das Gebäude (die einstige Kartuschieranstalt), befindet sich im Besitz einer großen Plauener Baufirma. Dort mache man sich gerade intensiv Gedanken, was man mit dem Objekt anfangen könnte. "Die Firma hat sich da selbst noch etwas Zeit auserbeten. Das Gebäude ist gesichert und stell erst einmal keine Gefahr dar", schätzt Kerstin Wolf ein. Das Schlusswort aber hatte Mario Beuchold, der Vorsitzende des Siedlervereines Plauen-Westend. Sein Verein feiert am 23. November seinen hundertsten Geburtstag - mit einem ganztägigen bunten Programm im "Haus Vogtland". Beuchold nutzte die Chance, alle Plauener herzlich einzuladen.