Kritik an Bürgermeister Friedhard Kaul

Herlasgrün/Möschwitz - Für das Abwasserproblem in Herlasgrün ist keine Lösung in Sicht: Die Einwohner befürchten teure Einzel- oder Gruppenlösungen, da Anschluss an eine zentrale Kläranlage nicht geplant ist. Deshalb gibt es eine Unterschriftensammlung und am Donnerstag schlugen die Wogen hoch in der Ratssitzung am Donnerstag in Möschwitz - dort waren die Einwohner in Kompaniestärke vertreten.

In der Diskussion wurde Bürgermeister Friedhard Kaul angegriffen, die Interessen der Herlasgrüner nicht ausreichend im Abwasserzweckverband "Vogtland" zu vertreten. "Die Aufbereitung des Abwasserproblems durch den ZWAV ist in Arbeit, aber es gibt noch keine Zahlen", entgegnete Kaul.

Die Herlasgrüner gaben sich mit dieser Antwort nicht zufrieden. Man wolle endlich wissen, wie es weitergeht. "Ab 2015 werden Strafgebühren erhoben, wenn kein Anschluss oder eine vollbiologische Einzelkläranlage vorhanden ist", sagte Ratsmitglied Dr. Heiko Lang. Für einen Anschluss kommen auf die Bürger nach seinen Worten Summen zwischen 5000 und 12 000 Euro zu.

Die Emotionen schlugen hoch, als Bürgermeister Kaul sich uneinsichtig zeigte: Ohne konkrete Zahlen gebe es keine Infoveranstaltung in Herlasgrün, sagte er - obwohl die Veranstaltung seit einem Jahr versprochen ist. Aus den Besucherreihen hieß es: "Wir müssen doch mal wissen, was auf uns zukommt. Die Herlasgrüner sind die Letzten ohne Anschluss: Wir wollen aber nicht das ,Letzte? sein."

Frau Singer, eine Herlasgrünerin, sprach von fehlender Bürgernähe des Bürgermeisters und dass ihr Heimatdorf immer hinten angestellt werde. Dass Herlasgrün nicht angeschlossen werde, sei nicht des Bürgermeisters Schuld. "Aber, dass keine Informationen kommen, daran ist er schuld. Herr Kaul, sie können Unterstützung von uns bekommen. Aber wir wollen das Gefühl haben, dass etwas für uns getan wird", sagte die Frau - und bekam kräftigen Beifall.

Die Situation drohte zu kippen, nachdem ein Jocketaer Zuhörer an die Herlasgrüner den Appell richtete, öfter zu den Gemeinderatssitzungen zu kommen und nicht nur, wenn es brennt: Ein aufgebrachter Herlasgrüner sprang in Richtung des Appellierenden und gab lautstark bekannt, sie würden nie eingeladen. "Das stimmt so nicht, Aushänge sind überall in den Schaukästen", war von einem weiteren Pöhler zu hören. In Folge der emotional ansteigenden Wortmeldungen wurde die Diskussion und der öffentliche Teil der Sitzung von den Gemeinderäten beendet.

Die Spannungen im Pöhler Rat sind (auch) Ergebnis einer gepflegten Feindschaft zwischen Bürgermeister Kaul und Ratsmitglied Holger Röhn (Verein zum Erhalt des Naturraumes Talsperre Pöhl). Am Donnerstag hatte es Röhn geschafft, dem Bürgermeister ein Thema aufzuzwingen, das Kaul augenscheinlich über viele, viele Monate von Rat fern gehalten hat: Die Sitzungen des Abwasserzweckverbandes "Vogtland" (ZWAV), an denen Kaul teilnimmt.

Eigenen Angaben zufolge hatte Röhn seit März versucht, das Thema auf die Tagesordnung des Gemeinderates zu heben - jetzt gelang es mit einem speziellen Antrag. Kaul gab also Auskunft über die Sitzungen seit November 2008 und schilderte 45 Minuten auch viele Dinge, die Pöhl nicht berühren. Die Gemeinderäte verpflichteten Kaul, künftig vor Beschlüssen den Rat einzubeziehen - andernfalls dürfe er nicht abstimmen im ZWAV. Und Gemeinderat Johannes Stier (SPD) forderte, dass in Zukunft die Gemeinderäte über wichtige Beschlüsse zu informieren sind.  Gabi Kertscher/ufa