Kreiselternrat Vogtland besorgt wegen kranken Lehrern

Der Kreiselternrat Vogtland (KER) schlägt Alarm: 13 Prozent des Unterrichts ist innerhalb von vier Wochen an Grund- und Oberschulen ausgefallen. An Gymnasien 8 Prozent.

Plauen - Die Zahlen beziehen sich auf eine Erhebung durch den Kreiselternrat im November/Dezember vorigen Jahres. Ein Viertel von 88 Bildungseinrichtungen machten mit, erklärten sich bereit, den Eltern die Ausfallstunden mitzuteilen.

Dabei ist sich KER-Mitglied Thomas Krause bewusst, dass es sich um eine Momentaufnahme handelt. "Klar, im Winter herrscht bei Lehrern immer hoher Krankenstand. Wir bleiben aber dran an der Erhebung und wollen zu Jahresende das gesamte Schuljahr auswerten", so Krause.

Zu einer kürzlichen Zusammenkunft des Kreiselternrates hat man auch Vorschläge unterbreitet, wie dem krassen Lehrermangel, der massig Ausfallstunden nach sich zieht, beizukommen sein könnte. Die Eltern setzen auf den Einsatz von Schulassistenten, die den Lehrern viel organisatorischen Kram abnehmen und Raum schaffen fürs Kerngeschäft:

Das Unterrichten. Lehrer, die außerhalb Sachsens lehren, müssen mehr animiert werden, zurückzukehren. Ein Gesundheitsmanagement sollte an Schulen eingeführt werden, denn Lehrer werden älter, und diejenigen Pädagogen, die oft kranke Lehrer vertreten und von Schule zu Schule springen, seien enorm mehr belastet, sieht Thomas Krause.

Ältere Gymnasiasten schon jetzt für den Lehrerberuf begeistern, und nicht nur für die Laufbahn am Gymnasium: "Wir setzten hier auf Kooperationen zwischen Gymnasien und Förderschulen. Jugendlichen soll die Angst genommen werden, auch an solche Einrichtungen zu gehen."

Zur Unterstützung des Unterrichts sollten Schulen auf Partnerinstitute und Bildungsakademien zurückgreifen. Neue Technologien müssten mehr genutzt werden. Dazu zählt auch der via Internet in eine Schul-Cloud vom Lehrer eingestellte Unterrichtsstoff, der infolge Ausfallstunde zu Hause von Schülern und Eltern nachgeholt werden könnte. Krause: "Nach meiner Erfahrung wird das von Lehrern kaum angeboten."

Mit großer Sorge sehen die Eltern die Schüler-Lehrer-Zahlen bis zum Jahr 2030. Da steigen die Schülerzahlen in Sachsen auf 440 000 - eine Zunahme um elf Prozent. Gleichzeitig gehen viele Lehrer in Ruhestand. "Der Lehrerpool, der bei Ausfallstunden sonst immer einspringen konnte, ist sehr abgeschmolzen. Der Puffer ist kleiner geworden", sagt auch Manja Kelch, Sprecherin im sächsischen Bildungsministerium. Die Not sei an Grund-, Ober-, Berufsund Förderschulen am größten. "Das liegt daran, dass die meisten an Gymnasien unterrichten wollen, und das in der Großstadt", so Kelch.

Das stimme nicht immer, hält Thomas Krause entgegen. Aus Gesprächen mit Eltern und Lehrern ist bekannt, dass frisch gebackene Lehrer oft an Schulen in der Region, auch auf dem Land, haben bleiben wollen, die Bildungsagenturen aber einen anderen Einsatzort favorisierten. Den zu kleinen Puffer bekam zum Beispiel Klaus Batsch, Direktor der Auerbacher Geschwister-Scholl- Oberschule zu spüren.

Mit 7,6 Prozent Ausfallstunden im Schuljahr 2016/17 stand seine Einrichtung an der Spitze aller vogtländischen Oberschulen. "Da hat es uns richtig erwischt mit Langzeitkranken. Ein Kollege hatte Hörsturz, einer sich das Bein gebrochen, eine Kollegin wurde schwanger, dann die jährliche Grippewelle."

Inzwischen liege die Ausfallquote wieder bei 2 Prozent, man könne nahezu alle Engpässe abdecken, so der Direktor froh. Batsch weiß aber, wo der Schuh generell drückt: "Wir haben wieder viele junge Lehrer und ältere. Aber es fehlen die stabilen Jahrgänge zwischen 35 und 45."

Mit 8 Prozent außerplanmäßigen Ausfall hatte die Schüler der Talsperren-Schule Thoßfell unter allen Grundschülern das meiste Schulfrei. Auch hier sei ein hoher Krankenstand Schuld gewesen, sagt die Schulleiterin. Für sie eine Momentaufnahme. Vergleicht man die Ausfallstunden des Vogtlandkreises mit denen von ganz Sachsen, so liegt das Vogtland im Schnitt - zu Weilen sogar darunter.