Kreative weiter ausgebremst

Die Coronapandemie geht auch an Nico Roth nicht spurlos vorbei. Der Tattoo- und Graffitikünstler aus Adorf bangt um seine Existenz. Wie er damit umgeht.

Adorf Schwerer Zeiten auch für Nico Roth aus Adorf. Die Coronapandamie hat den Auftragskünstler derart gebeutelt, dass er sogar mit dem Gedanken spielt, seine Wohnung zu kündigen, um Geld sparen zu können. Denn sein Tattoo-Geschäft Hackstall an der Hohe Straße ist ebenfalls von den coronabedingten Schließungen der Geschäfte betroffen.
Sein Laden führt er seit sieben Jahren, immer in der Wintersaison von November bis April. Als der zweite Lockdown im November ausgerufen wurde, wollte er eigentlich wieder die Tattoonadel auf der Haut seiner Kundschaft ansetzen. Jetzt brechen ihm jedoch sämtliche Einnahmen weg, bei monatlich weiterlaufenden Fixkosten von rund 2800 Euro. Dadurch rücken Existenzsorgen immer näher.
"Ich lebe derzeit von Ersparnissen. Doch auch diese sind irgendwann aufgebraucht. Wenn die Situation nicht besser wird, geb‘ ich lieber meine Wohnung als mein Geschäft auf. Der Laden ist mein Baby. Zur Not schnappe ich mir eine Matratze und schlafe dann in meinem Hackstall", schildert Roth verbittert.
Unmut macht sich auch deshalb bei ihm breit, weil er, seinen Worten nach, keine finanzielle Coronahilfe in Anspruch nehmen kann. Durch die zwei Geschäftsmodelle, als gebuchter Auftragskünstler mit seiner Graffitikunst im Sommer und seiner Tätigkeit im Tattoo-Geschäft, fällt er durch die Raster sämtlicher Hilfsprogramme. "Ich bekomme nichts. Wenn der Lockdown in dieser Form bis Ostern andauert, geht alles den Bach runter, wofür ich jahrelang geschuftet habe", sagt er. Im Frühjahr 2020 hat er das letzten Mal in seinem Hackstall gearbeitet. Sollte er wider Erwarten vor der Sommersaison doch noch öffnen dürfen, werde er noch das ein oder andere Tattoo an seiner Kundschaft stechen können. Denn die Nachfrage ist nach wie vor hoch. "Ich würde jeden Tag ausnutzen, an dem ich arbeiten könnte. Denn die Nadel muss wieder weiterlaufen, sonst geh‘ ich kaputt", sagt er.
Trotz der großen Verärgerung über die aktuelle Lage, hat der Lockdown bei ihm auch noch etwas anderes ausgelöst. Nicht nur das er Zeit gefunden hat, seine Geschäftsräume etwas umzuräumen und liegengebliebene Dinge anzugehen, sieht er die Situation auch gleichzeitig als eine Art Auszeit an, um wieder mehr zu sich selbst zu kommen. "Für mich ist es aktuell eine sehr prägende Zeit. Die schon fast gezwungene Entschleunigung führt bei mir dazu, dass der Kopf wieder frei wird und dadurch wieder mehr Freiraum für kreative Ideen vorhanden ist. Auch viele ausgedehnte Wanderungen in der Region haben in den letzten Wochen dazu beigetragen. Deshalb freue ich mich umso mehr darauf, dass ich hoffentlich bald wieder arbeiten und diese Ideen umsetzen kann", so Roth. Sollte das Geschäft bis zum April geschlossen bleiben, liegen die Hoffnungen auf der kommenden Sommersaison, wenn er wieder als Auftragskünstler gebucht werden kann.
Schon im vergangenem Jahr lief der Sommer, trotz einigen Corona-Einschränkungen, verhältnismäßig gut. Insbesondere durch die Zusammenarbeit mit einem regionalen Stromanbieter konnte er präventive Workshops mit Kindern durchführen. "Die Workshops sind wichtig, um den Kids zu vermitteln, welcher künstlerischer Wert dahinter steckt und das man nicht einfach so irgendwelche Wände beschmieren soll. Es wäre schön, wenn ich solche pädagogisch wertvollen Aufträge auch diesen Sommer wieder umsetzen könnte und Corona mir da keinen Strich durch die Rechnung macht", hofft Nico Roth.