Kostüme und Konzepte

Die Proben laufen für "Nachtigall Tausendtriller" - und alle hoffen, dass im Dezember das musikalische Märchen aus Armenien über die Bühne gehen darf. Die Kinder warten auf die Weihnachtsvorstellungen im Plauener Vogtlandtheater.

Plauen - Die große Frage ist, ob trotz Corona gespielt werden darf. Die Leute vom Theater Plauen-Zwickau bereiten sich darauf vor, auch Tino Helbig, der Chef des riesigen Fundus. "Am Standort Zwickau hängen 100.000 Kostüme, in Plauen 80.000", sagt der 52-Jährige, der im November normalerweise alle Hände voll zu tun hat, und nicht nur, weil man mit anderen Theatern Requisiten austauscht.
In der Faschingszeit kommen laut Helbig viele Karnevalsvereine zwischen Erzgebirge und Hof zum Leihen ins Theater: "Ob Pferd, Kuh oder Hexe mit drei Brüsten: Wir haben, was das Herz begehrt."
Nicht selten stehe das Saisonmotto der Karnevalisten im Zusammenhang mit einem internationalen Kino-Erfolg wie "Fluch der Karibik". Danach würden dann die Kostüme ausgewählt. "Und wir liefern", sagt Helbig: "Alte Rokoko-Westen zum Beispiel, die aussehen, als wären sie 40 Jahre auf dem Schiff getragen und ein verwickeltes Tuch als Schärpe über einem alten Hemd."
Helbig hält sich nach eigenen Worten zugute, dass er Kostüme liefert - und Knowhow. "Viele denken zu statisch: Ich gebe Tipps, etwa wie der Sprung von Baby in ,Dirty Dancing‘ gelingt - auch wenn Männer im Karneval die Frauenrollen spielen und umgekehrt. Und für das ,Kalte Herz‘ einer Amateurgruppe habe ich das Konzept entwickelt."
Überhaupt: Das Theater hilft bei vielen Gelegenheiten: dem Neuberinhaus bei der Weihnachtsaufführung (die 2020 noch nicht klar ist), dem Gymnasium Markneukirchen bei seinen spektakulären Musicals, dem alternativen Kulturzentrum "Nato" in Leipzig, den Stelzen-Feststpielen bei Reuth, dem Amateurtheaterfestival in Reichenbach oder der Kindergartengruppe, die Kalif Storch einstudiert.
Üblicherweise sind viele Einzelpersonen Kunden des Kostümverleihs, aber wegen Corona in diesem Jahr natürlich nicht. Helbig: "Die letzten derartigen Ausleihen sind für Krimi-Dinner gewesen, die privat immer mehr in Mode kommen: Der Mann geht als John Wayne wie in einem Italo-Western, die Frau als Dolly Barton mit künstlichem Hintern, verstärkten Brüsten und schmaler Taille." Kostüme kosten Helbig zufolge zwischen 16 und 32 Euro.
Helbig ist die Freude an seiner Arbeit anzusehen, zuweilen zeigt er sich als Spaßvogel und doch wird er bei manchen Themen ernst. Nach eigenem Bekunden engagiert er sich in seinem Wohnort Zwickau für die demokratische Zivilgesellschaft, um das Gedenken an die Opfer des NSU-Terrors wachzuhalten. Drei Rechtsextremisten aus Zwickau hatten über Jahre neun Kleinunternehmer mit Migrationshintergrund in Deutschland ermordet. Unser Theater bringt am 12. Dezember das NSU-Stück ,Aus dem Nichts‘ auf die Kleine Bühne in Plauen. Ein wichtiges Stück." ufa