Kopfgeld-Höhe für Plauener Ortsteile bleibt

Der Antrag von CDU und FDP, die Ortschaftsratsmittel für die sechs Plauener Ortsteile von derzeit 7,50 Euro auf zehn Euro pro Einwohner und Jahr zu erhöhen, fand im Stadtrat am Dienstag keine Mehrheit. Eine Vogtland-Anzeiger-Umfrage unter den Ortsvorstehern zeigt, dass die dafür wenig Verständnis zeigen.

Plauen - Genau genommen geht es darum, die Gelder für die Ortsteile wieder auf den Stand - also zehn Euro - anzuheben, den die Kommune ihren eingemeindeten Orten zubilligte, bevor es ans eiserne Sparen ging. Stadtkämmerin Ute Goebel rechnete allerdings auch vor, dass sich einige Ortsteile nach einer Erhöhung sogar schlechter stehen könnten, weil sie dann die Förderung ihrer Sportvereine wieder aus dem eigenen Budget zahlen müssten.

Als die Mittel reduziert wurden, übernahm die Kommune diese Zahlung. Unterm Strich wären der Stadt Mehrkosten von 11 500 Euro pro Jahr entstanden, hätte es eine Erhöhung gegeben. Rund 18 000 Euro wären es gewesen, hätte die Kommune die Sportförderkosten trotz Erhöhung weiter aus "ihrem Topf" gezahlt.

Grimm: Bei großen Projekten muss Geld fließen

Als Stadtrat könne er über ein Millionenbudgets mitentscheiden, sagt Helko Grimm, Ortsvorsteher von Kauschwitz. Von daher weiß er auch, dass Geld die "Möglichkeit schafft, kreativ zu sein". Im Falle von Kauschwitz verweist er auf die Gestaltung des Ortskernes. "Wir haben auch schon in der Vergangenheit weniger die Vereine beglückt, als vielmehr 70 bis 80 Prozent unserer Mittel zur Kofinanzierung verwendet." Am Ende, so Grimm pragmatisch, sei es fast egal, über wie viel Mittel der Ortschaftsrat verfüge, wenn wichtige Projekte anstehen, müsse das Geld dann eben aus anderen Bereichen fließen.

Natürlich sei es weniger aufwendig, einen Schaukasten aus Ortschaftsratsmitteln zu installieren, als dafür Anträge und Formulare auszufüllen. Und klar hätte er sich eine Erhöhung gewünscht. Zumal die ihm in diesem Jahr besonders gelegen gekommen wäre. Stichwort 750-Jahr-Feier. "Die verschlingt mehr als ein Jahresbudget, dafür haben wir sogar 3000 Euro Rücklagen gebildet, obwohl auch die bei weitem nicht reichen." Am Ende werde man wohl bei 15 000 Euro rauskommen.

Scheufler: Jeder Euro mehr würde uns helfen

Ulrich Scheufler, Ortsvorsteher von Oberlosa, räumt freimütig ein, dass man sich schon insgeheim ein wenig gefreut habe, als Vertreter der FDP während der Ortschaftsratssitzung im Januar ankündigten, sich für eine Erhöhung stark zu machen. Doch nun bleibt es bei den 4900 Euro für das laufende Jahr. "Jeder Euro mehr hätte uns geholfen", so Scheufler, der aber fair genug ist, auch auf eine Oberlosaer Besonderheit zu verweisen.

Als "Newcomer" unter den Ortsteilen, habe man auch bei der Zehn-Euro-Regelung nicht die Sportvereine von dieser Summe finanzieren müssen. Die Mittel für 2013 seien übrigens schon verplant. Das Schulfest werde wieder unterstützt, ein zweites Ortsschild soll installiert werden, unter anderem mit Überhangmitteln von 2012, und im Zuge des Kanalbaus will sich der Ortsteil an der Finanzierung eines Stück Fußwegs beteiligen.

Bräunel: Andere Ortsteile bekommen gar kein Geld

Ortschaftsratsmittel stehen dafür, dass sich mit relativ wenig Geld viel machen lässt, weiß auch Ralf Bräunel, der im Ortschaftsrat Straßberg aktiv ist. Die mehrheitliche Ablehnung des von seiner Fraktion, der CDU, eingebrachten Antrages auf Mittelerhöhung, resultiere aus dem Argument der Gleichbehandlung, so Bräunel. Ortsteile ohne Ortschaftsrat, die zudem schon wesentlich früher eingemeindet wurden - beispielsweise Meßbach und Thiergarten - bekämen keine Mittel.

Andererseits mache ein Ortschaftsrat ohne Geld auch keinen Sinn. Und: Eine höhere Bezuschussung werte eben auch das Ehrenamt auf, mache manches auch preiswerter. "Wenn man nur die Farbe kauft und sich dann eine Truppe findet, die das bedürftige Objekt streicht, ist das allemal günstiger und auch unbürokratischer."

Ruppin: 7,50 Euro nicht besser und nicht schlechter

Und wie sieht es in Großfriesen aus? Ortsvorsteher Wolf-Rüdiger Ruppin bekommt 5032 Euro von der Stadt jährlich zum wirtschaften. Wer wie Großfriesen kaum Sportvereine bezuschussen müsse, stehe mit den 7,50 Euro nicht besser und nicht schlechter da als zuvor, meint Ruppin. "Ich hätte mich gefreut, wenn wieder zehn Euro rausgekommen wären." Auch der Kompromissvorschlag der FDP, die Gelder zumindest auf 8,50 Euro wieder anzuheben, wäre aus Sicht von Ruppin erfreulich gewesen. "Wir hätten zwar dann mehr zur Verfügung gehabt, aber wir können damit leben."

Im vergangenen Jahr konnten mit den städtischen Geldern die Kleintierzüchter im Ort, der Seniorenclub und das Stadtfest unterstützt werden. Der Ortskern wurde verschönert und auch für neue Ortseingangs-Schilder waren die Mittel da. Sollte bei einer weiteren Verschlechterung der finanziellen Situation die komplette Streichung der Zuschüsse einmal zur Debatte stehen, würde man den Ortschaftsräten die Grundlage entziehen. "Dann brauchen wir sie nicht mehr", so Wolf-Rüdiger Ruppin.

Müller: Mittel fürs Ortsjubiläum gespart

"Wir hätten gerne mehr gehabt, aber wenn es nicht ist, müssen wir uns der Masse beugen", sagt Ute Müller, Ortsvorsteherin in Jößnitz. So richtig traurig ist sie aber über den Stadtratsbeschluss auch nicht. "Dadurch wir einen sehr großen Sportverein mit vielen Mitgliedern haben, ist von den Mitteln auch immer viel zum Sport gegangen." Jößnitz bekommt mit Abstand mit fast 20 000 Euro die größte Summe unter den sechs Ortsteilen, hat dafür aber auch die meisten Einwohner und Ausgaben, so Müller. Oft heiße es, "sie haben doch genug". Im vergangenen Jahr sei ein Teil der städtischen Gelder für das diesjährige Jubiläum zur Seite gelegt worden. Wie auch Kauschwitz feiert Jößnitz sein 750-jähriges Bestehen. "Wir haben schon viele Jahre ans Jubiläum gedacht."

Spranger: Wir haben nichts anderes erwartet

Neundorfs Ortschef Wilfried Spranger habe keine andere Entscheidung im Stadtrat erwartet. "So lange die Stadt uns noch bei einigen Sachen ohne Ortschaftsratsmittel unterstützt, ist das in Ordnung so." 2012 konnten mit den Geldern in Neundorf Unterhaltungsarbeiten am Wasserturm durchgeführt und ein Spielplatz erneuert werden. Plauen gehört in Sachsen zu den wenigen Kommunen, die ihren Ortsteilen überhaupt Gelder zur Verfügung stellen. Die Ortschefs selber haben vor der Entscheidung am Dienstag im Stadtrat sich nicht öffentlich dazu geäußert, ob sie gerne mehr Geld für ihren Ortsteil hätten. Es gab keine Aktionen in diese Richtung. Einwohner der Ortsteile Jößnitz: 2370 Neundorf: 1 565 Straßberg: 844 Kauschwitz: 801 Großfriesen: 671 Oberlosa: 650 Plauen gesamt: 64 586 (Stand 31.12. 2012)