Kontra für Stromtrasse

Für Veronika und Klaus Linnemann, die an der Spitze der Bürgerinitiative (BI) gegen den Ausbau der 30-kv-Hochspannungsleitung auf 110 kV stehen, ist das Dokument eine Enttäuschung: Bis 16. Juli kann es eingesehen werden.

Von Margitta Rosenbaum

ung zum 110-kV-Netzausbau Vogtlandring, 110-kV-Leitung Falkenstein-Markneukirchen liegt vor. Es kann in den beteiligten Kommunen eingesehen werden.
Linnemanns hatten selbst eine Reihe Einwendungen gemacht und mit einem dicken Ordner an Änderungen gerechnet. Doch das Schreiben der Landesdirektion, das ihnen persönlich zuging, war sehr dünn. Jetzt haben sie bei einer Bürgerversammlung darüber informiert, welche Einwände weiterhin geltend gemacht werden können.
Als Kopf der BI haben sie bereits im vergangenen Jahr beim Oberverwaltungsgericht Bautzen Klage erhoben und zunächst einen Baustopp erreicht. Eine zu oberflächliche Umweltverträglichkeitsprüfung war der Grund dafür. Die Landesdirektion hat jetzt nachgelegt, aber die BI ist enttäuscht vom Ergebnis.
Grundsätzlich soll erreicht werden, dass die 110-kV-Leitung als Erdkabel verlegt wird. Bisher gibt es eine 30-kV-Leitung, die vom Betreiber, der Mitteldeutschen Netzgesellschaft (Mitnetz) auf 110 kV aufgestockt werden soll.
Die Freileitungen verlaufen teilweise direkt über bewohntes Gebiet und die Anwohner fürchten gesundheitliche Beeinträchtigungen und die Wertminderung ihrer Grundstücke. Die BI rechnet mit Auswirkungen auf die gesamte Umwelt, denn es geht durch das Flora-Fauna-Habitat-Gebiet Oberes Zwickauer Muldental. Gerade dort hatte man mit Schutzmaßnahmen für Vögel und Fledermäuse gerechnet. Tatsächlich schreibt die Planänderung Vogelschutzarmaturen an den Masten vor. Diese Maßnahme hält Veronika Linnemann für nicht ausreichend. "Das verschandelt die Natur und hilft nicht wirklich", sagt sie und verweist auf geschützte Vogelarten wie den Schwarzstorch und die Bekassine, die gar nicht berücksichtigt werden. Zudem habe man im Gebiet der Freileitung bisher mindestens elf geschützte Fledermausarten entdeckt. 20 gebe es insgesamt in Sachsen.
Manche Anwohner befürchten, dass durch die Bauarbeiten die Wege zu den Masten zerstört werden. Die Sumpfwiesen in diesem Bereich wurden inzwischen zum Biotop erklärt. Doch der Netzbetreiber meint, die könne man leicht umfahren. Dann rechnen die Anwohner jedoch mit noch größeren Schäden. Vor allem haben sie vor Jahren ein Entwässerungssystem in die Wiesen eingebracht, das die Fahrzeuge zerstören würden. Sie befürchten, dass ihre Häuser dann wieder in der Nässe stehen.
Linnemanns sind nicht nur vom Netzbetreiber enttäuscht, der sich auf keinerlei Gespräche einlässt. Sie sind auch enttäuscht von der Politik. Vom Bürgermeister und den Gemeinderäten erhalten sie viel Unterstützung. Aber von der Landesregierung bekämen sie bisher keine Antwort, obwohl ihnen beim "Sachsengespräch" am 29. März in Plauen ein Gespräch angeboten wurde. Die Email an den Staatssekretär Brangs in Dresden blieb bisher unbeantwortet.
Inzwischen hat sich der Landtagsabgeordnete Sören Voigt eingeschaltet und nochmals um ein Gespräch gebeten: "Es sollte das gemeinsame Ziel sein, eine für Anwohner und Unternehmen akzeptable Lösung zu finden, und dem Schutzgut Mensch, den Schutzstatus zu verleihen, der ihm gebührt: den Höchsten." Die Bi hat eine Liste mit Einwänden gegen die 2. Planänderung aufgestellt. Das nächste Ziel ist es, eine Umweltverträglichkeitsprüfung zu erreichen.
www.Erdkabel-Gruenbach.de