Kontoauszug sorgt für Entzücken

Da war Auerbachs Oberbürgermeister Manfred Deckert sprachlos und aus dem Häuschen zugleich: Ein Ex-Auerbacher, der in Hessen lebt, hat 50.000 Euro gespendet, damit der Rathaus-Chef Gutes tun kann.

Von Mario Wild

Der Adler hat die Beute geholt". Das ist kein Geheimcode im Agentenmilieu, sondern die pure Realität. Mit diesen Worten kündigte Raimund Braune, wohnhaft im hessischen Neu-Isenburg, eine Überweisung an. Empfänger: Manfred Deckert, Stadtoberhaupt von Auerbach und ehemaliger Vier-Schanzen-Tourneesieger 1981/82. Für diesen Triumph gibt es traditionell den 5,5 Kilogramm schweren "Goldenen Adler" aus Bronze. Diesen hatte Deckert kürzlich bei Ebay versteigert, um damit Gutes für Betroffene der Corona-Pandemie zu tun. Stattliche 12.750,99 Euro kamen zunächst zusammen. Später wurde die Summe von weiteren Spendern auf 16.000 Euro aufgestockt. Mittlerweile sind es 66.000 Euro. Raimund Braune sei Dank.


Der hörte von Deckerts Aktion in "Presse, Funk und Fernsehen", fand diese klasse und vor allem inspirierend. Kurzerhand setzte er sich mit dem Auerbacher Stadtchef in Verbindung. Braune kündigte an, 12.500 Euro "draufzulegen". "Da war ich das erste Mal sprachlos", so Deckert - ein Zustand, der sich wiederholen sollte, als er einen Blick auf den Kontoauszug wirft: 50.000 Euro hatte der "Vogtländer im Exil" überwiesen. "Ich war total aus dem Häuschen", so Deckert noch immer gerührt. Schnell geklärt war die Tatsache, dass es sich nicht um ein Versehen oder einen Tippfehler handelte.


Laut Deckert verbrachte Raimund Braune seine Kindertage in Auerbach, ging hier zur Schule, bevor er 1960 mit der Familie nach Westdeutschland übersiedelte. "Wir kannten uns vorher nicht", sagt Deckert über den edlen Spender, der in unregelmäßigen Abständen Auerbach besucht. "Er hängt sehr an seiner Heimatstadt. Beim seinem nächsten Besuch müssen wir uns unbedingt treffen", so Deckert.


20.000 Euro sind bisher bereits verteilt - an Auerbacher Einzelhändler, Institutionen, Solo-Selbstständige oder die lokale Tafel. Weitere Namen nennt Deckert nicht - auch deshalb, damit es nicht zu "Neid-Diskussionen" komme. Rund 110 Geldbriefe möchte Deckert verteilen - und das möglichst schnell. "Die Leute benötigen jetzt Hilfe", so der Stadtchef. Übrigens: Für manche wird das Ganze eine Überraschung sein - so ganz ohne "Vorwarnung".


Ein Teil der Summe soll aber noch zurückgelegt werden - für eine Aktion in Nach-Corona-Zeiten. Im Auerbacher Neubaugebiet habe eine Eis-Diele eröffnet. Dort wird es - wenn wieder möglich - dann für 100 Kinder Gratis-Eisbecher geben.
Wohin hat es eigentlich Deckerts Gold-Adler verschlagen? "Er ist bei bestem Flugwetter in Deutschland gelandet" so Deckert - die Landesgrenzen hat er also nicht verlassen. Die gesamte Transaktion verlief reibungslos, innerhalb einer Woche sei alles über die Bühne gegangen. Hand aufs Herz: Wie schwer ist die Trennung gefallen? "Klar war ich zwiegespalten, schließlich hängen an der Trophäe Schweiß und Herzblut. Aber: die Erfolge hat man im Kopf und im Herzen. Und eine andere Möglichkeit, so eine private Hilfsaktion zu initiieren, habe ich schließlich nicht", so der Rathaus-Chef.


Die Versteigerung war übrigens keine Eintagsfliege: Der 59-Jährige verkaufte bereits seine olympische Silbermedaille, die er 1980 in Lake Placid holte, für soziale Zwecke.