Konsumwahn und Weltpolitik

Der bekannte bayrische Kabarettist Helmut Schleich begeisterte die Zuschauer im ausverkauften König Albert Theater mit einem pointenreichen Redeschwall, der mit viel tiefgründigem Witz und schwarzem Humor gewürzt war.

Von Steffen Adler

Bad Elster - In seinem rund zweistündigen Polit-Kabarett "Kauf, du Sau!" führte er das Publikum an die Abgründe von Konsumwahn und Weltpolitik. Was er dabei in seinem politisch inkorrekten Kreuzworträtsel präsentierte, offenbarte unverhohlen, wie Otto Normalbürger für dumm verkauft werden soll. 
Mit scharfzüngiger Zunge tobte er über die Auswüsche der Autoindustrie, die ihre Kunden nach dem Motto "Fahr einen, zahl drei" betrügt, während für ausrangierte Dieselkarossen die Parkplätze knapp werden. "Überhaupt brauchen wir auch keine Straßen ohne Begleitblech", wettert Schleich. Auch wenn sich die Menschen längst von Katapult und Dampfmaschine verabschiedet haben, bleibt das Auto ein Stück Freiheit. "Mit dem kann ich fahren und anhalten wann ich will. Mit dem Zug geht das nicht", resümiert Schleich und macht auch vor den Managern der Autoindustrie nicht halt, wenn sie nach dem Rücktritt 3600 Euro bekommen. "Ich weiß, klingt a bissl wenig, ist aber am Tag!", macht er scharfzüngig aufmerksam. 

Karrenbauer und Autos - 
das passt schon

"Eine Karrenbauer mit Bekenntnis zur Automobilindustrie passt schon" meint Schleich. Kräftige Lachsalven erntet er, als er in Bezug der Initialen AKK der Politikerin ergänzt: "Die kann froh sein, dass sie nicht Franziska heißt, sonst hieße das FKK!" Wenn dann aus Mutti möglicherweise noch die Stiefmutter wird, helfe nur noch Kurzurlaub nach dem Motto: "Heute haben wir eine halben Tag in der Toskana gelebt, morgen fliegen wir den Jakobsweg." Ebenso karikiert der Kabarettist Politiker wie den französischen Präsidenten Macron und den amerikanischen Präsidenten Trump. "Wir sind keine Partei, wir sind eine Bewegung" zitiert Schleich und fügt an: "Das klingt nach Hitler, ist aber Macron." Dessen Idee, eine "echte europäische Armee" zu schaffen lässt Schleich bedenken: "Ja, wir schaffen eine richtig große, vom Ural bis zum Anal - äh Kanal!" Und seiner These, wonach infolge der Globalisierung alle Gewinner seien, entgegnet der Kabarettist: "Mit Ausnahme derer, die Verlierer sind." Nicht genug wenn dann Kanzlerin Merkel noch sagt: "Stirbt der Euro, stirbt Europa!" und Schleich sich dabei spontan an Honecker erinnert und köstlich parodiert: "Den Sozialismus in seinem Lauf, hält weder Ochs noch Esel auf!" 
Nicht minder sarkastisch nimmt er Trump aufs Korn: "Der New Yorker Immobilien-Gecko mit dem Hamsterfell am Kopf will an den Schulen mit Waffen Sicherheit schaffen. Klar, wenn alle bewaffnet sind ist es nicht mehr gefährlich. Wenn auch die Klassensprecher bewaffnet wären, können die mit Lehrern doch ganz anders diskutieren!" 

Kopftuch als Alternative
zur Schönheits-OP

Dann führt Schleich zurück in die Heimat nach Deutschland, wo immer noch diskutiert wird, ob der Islam dazugehört oder nicht. "Da waren wir mal früher froh, als es die alten Weiber mit den Kopftüchern nicht mehr gab. Und jetzt kommen die alle mit Kopftuch und Schleier...", stellt Schleich fest und fügt nach kurzer Pause an: "Also ab einem gewissen Alter ist es schon eine preiswerte Alternative zur Schönheits-OP!" 

Bayrisch mit
vierfacher Verneinung

Aus der großen Politik zurück erweist sich Schleich als echter Feinschmecker und rechnet gnadenlos mit Leuten ab, die sich im Biergarten Sushi liefern lassen oder Rhabarbersaft schlürfen und Filterkaffee zum neue Green Smoothie werden lassen. "Der Spießer stirbt nicht aus, der zieht sich nur ab und zu um", spottet Schleich. Ebenso lässt er den Irrsinn sprachlicher Entgleisungen einer "gendergerechten Sprache" nicht aus, die sich mit Sternchen gekrönt, fremdartig selbst zu einem "Vatsie" und "Muttsie" mutieren lässt. Da lobt er sich doch eher bayrische Wortschöpfungen mit einzigartiger vierfacher Verneinung wie beispielsweise "Na, koane Windpocken hab ie no nia ned ghabt". 
Überhaupt halten die Bayern fest zusammen. "Mia san mia", ganz einfach, so Schleich der aber auch zugibt: "Eigentlich müsst's heißen ‘Mir san mir‘ aber das ‘Mir' klingt russisch." Warum das nicht geht, erklärt Schleich einleuchtend: "Das ‘Mir‘ heißt auf russisch Frieden. 

"Aus einem Söder
wird nie ein Strauß"

Das passt nicht zu den Patronen aus Bavaria und dem Lied vom Napalm-Duo", macht er mit spitzer Zunge auf die bayrische Rüstungsindustrie aufmerksam und sinniert ergebnislos über Markus Söders Hohelied auf Bayern, das ein "Land mit wunderschöner Heimat" sei. "Dabei ist die Religion in Bayern auch nicht mehr das was sie einmal war", zieht Schleich Bilanz. 
"In Wirklichkeit ist das Internet die neue Religion", fügt er an. "Da ist der Suchverlauf jedermanns unlöschbares Sündenregister", mahnt er. "Und wenn das Herz dann doch mal fragt was ist Glück?", brüllt Schleich die Antwort laut ins Publikum: "Kauf, du Sau!" 
Am Schluss spendieren die Zuschauer langen und kräftigen Applaus, nachdem der Münchner Kabarettist in seine Paraderolle als Franz Josef Strauß schlüpft und verkündet "Aus einem Söder wird nie ein Strauß!"