Konfirmation auf Youtube

Nicht jeder junge Mensch kann später einmal sagen, via Youtube-Video den Segen zur Konfirmation erhalten zu haben. Mit einer Konfirmationsandacht sprach der Reichenbacher Pfarrer Andreas Alders elf Mädchen und Jungen Mut und Zuversicht zu.

Von Cornelia Henze

Eigentlich hätte Sina Schubert am Palmsonntag ihr Festtagskleid getragen. Lang ist es, blau-weiß - und dazu einen weißen Blumenstrauß. "Wir sind vier Mädchen und wir haben uns ausgemacht, dass zwei von uns ein blaues und zwei ein rotes Kleid tragen werden. Und jede einen weißen Strauß", sagt die14-jährige aus Schneidenbach. Stattdessen sitzt sie Sonntag, Punkt 9.30 Uhr, mit Mutti, Vati und der Schwester im legeren Look auf der Couch vor dem Fernseher. Sinas älterer Bruder schaut aus Moritzburg zu. Es läuft die Konfi-Andacht. In Anbetracht der Situation, ist sie auf 17 Minuten geschrumpft. Vor unbesetzten Kirchenbänken steht Andreas Alders mutterseelenallein im Altarraum. Er trägt ein festliches Gewand, der kirchlichen Liturgie zu Palmsonntag und dem Akt der Konfirmation angemessen. Seine Worte sind zuversichtlich, vertraut, machen Mut, verbreiten Hoffnung, dass seine elf jungenLeute im Herbst ihre Konfirmation gewohnt feierlich in der Peter-Paul-Kirche nachholen können.
"Freilich wäre es schön gewesen, wenn alle Konfirmanden mit ihren Familien hier säßen. Aber die Situtation ist nun mal so und es nützt nichts, wenn wir jetzt weinerlich und rührselig werden", sagt der Pfarrer pragmatisch. Für die Kontaktsperre hat Alders volles Verständnis, auch wenn er Anfang März noch über eine Konfi "Light" mit ganz wenigen Familienangehörigen der Konfirmanden nachgedacht hatte. Als klar war, dass es an Palmsonntag gar keine Konfirmation geben wird, hat Alders nach digitalen Wegen gesucht.
Fast 30 Jahre ist Alders Pfarrer und als solcher immer ganz nah an seinen Gemeindegliedern dran: Ob zum Gottesdienst, zu Gemeindeabenden oder Kirchenfreizeiten. Erstmals nun wird Andreas Alders zum Internet-Pfarrer, wie in diesen Tagen viele seiner Kollegen. "Ich hätte mir nie träumen lassen, einmal einen eigenen Youtube-Kanal zu haben. Und das technisch hinzukriegen, war gar nicht so schwer", sagt Alders. Anfang voriger Woche hat der Gottesmann seine Predigt also aufgezeichnet. Technik-Hilfe gab es von Kantor Andreas Kamprad. Der war es auch, der das musikalische Programm der Predigt beifügte. Zum Text des balladesken, modernen Kirchenliedes "Keinen Tag soll es gben" hat Kamprad die Melodie auf dem Klavier eingespielt und seinem Jugendchor "Sounds of Joy" gesendet. Danach hat jeder der jungen Sänger das Stück solistisch eingesungen: Im Garten, in der Küche oder dem eigenen Zimmer. Alle Stimmen vereint, haben Kamprad und Alders auf den Youtube-Filmgebannt. Ein flotter Song mit jungen Sängern in leuchtend blauen Shirts ist daraus geworden.
"Wir fanden das Video sehr schön. Meine Mama hat sogar ein bisschen geweint", sagt Konfirmandin Sina. Am Nachmittag trifft sich die engste Familie im Garten zum Kaffeetrinken. Mutter, Vater, Schwester und deren Freund lassen sich Sinas selbstgebackene Waffeln schmecken. Dazu scheint die Sonne, und es werden Pläne geschmiedet, wie alles sein wird, wenn Corona vorbei ist und Sina endlich ihr blaues Kleid anziehen darf.
Pfarrer Andreas Alders rechnet damit, dass die Konfi frühestens im Spätsommer, spätestens am 31. Oktober nachgeholt werden kann. Bis dorthin hat Alders viele Ideen, wie er seinen Gläubigen aus der Ferne nah sein kann: Er schreibt 2000 Briefe und startet eine Telefonaktion.