Koketterie mit dem Faltenwurf

Die beliebte Schauspielerin Carmen-Maja Antoni spricht in der Reihe "Prominente im Gespräch" übers Älterwerden.

Von Karsten Schaarschmidt

Greiz - Die Studiobühne der Greizer Vogtlandhalle war dieser Tage fest in der Hand von zwei attraktiven Frauen. Zur Rechten des Publikums die beliebte und bekannte Fernseh- und Theaterschauspielerin, Carmen-Maja Antoni, zur Linken des Publikums Francesca Fiore, Cellistin der Vogtland Philharmonie Greiz-Reichenbach. Rein äußerlich alt und jung. Das versprach auch der Titel des jüngsten Abends in Harald Seidels Reihe "Prominente im Gespräch": "Alt und Jung - So ist das Leben". Was die gut 70 Gäste erlebten, war allerdings mehr als eine musikalisch begleitete, literarisch-philosophische und humoristische Auseinandersetzung mit dem Thema Alter, hier faszinierten auch zwei grandiose Künstlerinnen mit ihrem Können.
 Drei Jahre sind vergangen, seit Carmen-Maria Antoni ihre Biografie "Im Leben gibt es keine Proben" in Greiz vorstellte. Dass es einen Folgetermin geben soll, stand schon damals fest. Und der sollte eigentlich gemeinsam mit ihrer Tochter Jennipher gestaltet werden - Alt und Jung eben. Dass Jennipher ihrer Mutter nun das Omaglück bescherte, konnte damals keiner ahnen, also musste die langjährige "Mutter Courage des Berliner Ensembles" allein nach Greiz reisen. Mit ihren blonden, immer ein bisschen struppig wirkenden Haaren, dem stets wachen Blick und ihrer komplett von Starallüren freien Art trat sie an, um "von Alten, die jung geblieben sind, und Jungen, die ganz schön alt aussehen", zu berichten. Texte unter anderem von Erwin Strittmatter, Kurt Tucholsky oder Stefan Heym und andere kurze Episoden und Anekdoten hatte sie dafür zusammengestellt. Dort nachdenklich und hier und da ein wenig melancholisch, aber meist herzerfrischend heiter bis ganz schön schwarzhumorig riss sie dem Alter und dem Älterwerden den Schrecken ab.
 Mit großartigem Ausdruck, subtiler Betonung und ihrer farb- und facettenreichen Stimme erzählte sie, wie eine alleinlebende 100-Jährige, die ihre Verwandten vergeblich aufs Erbe warten ließ, meinte, dass "Altersheime doch nur was für Alte sind", von den Erinnerungen eines Enkels an die multifunktionale Schürze seiner Großmutter oder von einem modernen Rotkäppchen, das ihre Oma nie antrifft, weil sie ständig auf Achse ist und der Wolf übrigens keine Chance hätte, weil Oma auch Karate kann. Ein Text aus Stefan Heyms Buch "Altersweisheiten" setzte sich mit den Gebrechen und Zipperlein auseinander, die wohl im Alter nicht ausbleiben, das Fazit aber lautet: "Beißt ins Brötchen, so lange ihr noch könnt" - auch wenn dabei einmal das Gebiss zerbricht.
 Frau Antonis eigene und immer mitreißende Altersweisheit rief zum Neugierigbleiben im Alter ebenso auf wie zur Betriebsamkeit. Und diesbezüglich geht die 1945 geborene, nur 1,50 Meter große, aber umso temperamentvollere Schauspielerin selbst mit gutem Beispiel voran. Nach den Umstrukturierungen am Berliner Ensemble, an dem sie von 1976 bis 2013 festes Ensemblemitglied war, sei es nun vor allem das Fernsehen, bei dem sie aktiv ist. Eine neue Folge mit Dorfpolizisten Horst Krause sei bereits im Kasten, gleichsam eine Serie mit Christoph Maria Herbst. "Ich habe den Eindruck, ich könnte jede Alte spielen, vielleicht weil nur wenige Schauspielerinnen mit dem Faltenwurf kokettieren", sagt sie augenzwinkernd. Im Gespräch mit den Gästen auf eine vor kurzem ausgestrahlte Fernsehdoku über Bertolt Brecht angesprochen, kann auch sie ihren Unmut nicht zurückhalten. Dass unter anderem keiner der noch lebenden Zeitzeugen des BE interviewt wurde und vieles nur einseitig dargestellt werde, sei eine Schande, so Carmen-Maja Antoni, die auch in Greiz wieder ein dunkelblaue Bluse trug, ihr Markenzeichen und ihre Reminiszenz an Brecht und Kurt Weill.
 Mit der Cellistin Francesca Fiore hatte die Schauspielerin eine kongeniale Partnerin zur Seite. Ihr ausdrucksstarkes Spiel am Violoncello, das von samtig bis kraftvoll, von strahlend bis feinfühlig reichte, formte die Töne von Werken Johann Sebastian Bachs. Insofern zauberten die beiden Frauen nicht nur einen Abend der Begegnung von Jung und Alt, sondern auch und vor allem der Begegnung von Wort und Musik