Körperwelten unter Termindruck

Wieder einmal sorgt der Plastinator Gunther von Hagens für Schlagzeilen. Am 27. Mai will Hagens im Eisstadion seiner Heimatstadt Greiz seine "Körperwelten" eröffnen. Greiz‘ Bürgermeister Alexander Schulze (parteilos) hat dem Termin nicht stattgegeben, zeigt sich vom Alleingang des Plastinators irritiert.

Von Cornelia Henze

 Noch am Montag habe er mit dem Plastinator in Greiz zusammen gesessen, sagt der Bürgermeister. Dort sei es auch um den von Anfang an auf den 27. Mai gesetzten Eröffnungstermin gegangen, der nach Ansicht von Alexander Schulze wegen der Corona-Auflagen nicht zu halten sei. Vielleicht im Juli oder am besten gleich nächstes Jahr: So hat es Schulze auch gegenüber Anfragen verschiedener Medien kommuniziert. Die bereits vorigen Freitag von Gunther von Hagens ins Netz gestellte Freudenbotschaft, dass die toten Körper wie versprochen ab 27. Mai - freilich unter coronabedingten Besucherauflagen - zu sehen sein sollen, ärgern den Stadtchef. "Völliger Quatsch. Das wird so nicht stattfinden können", kommentiert Schulze. Als Corona jegliche Veranstaltungen für unbestimmte Zeit in Frage stellte, habe der Plastinator von seiner Seite die Verhandlungen mit der Stadt Greiz abgebrochen. Damals "saß" dessen Wanderausstellung auch coronabedingt in Tallin fest. Nun sitzt man wieder an einem Tisch, doch so schnell sei die Körperwelten-Schau nicht zu stemmen. So müsste beispielsweise für die Sportstätte Eishalle eine Nutzungsänderung her, ebenso ein sicheres Besucherreglement. Natürlich sei die Stadt stark an der Ausstellung interessiert, wisse man doch, dass es der große Wunsch des schwer kranken Plastinators ist, seine Arbeiten in seiner Heimatstadt zu zeigen.
"In Greiz auszustellen ist Herzenssache meines Vaters", sagt von Hagens Sohn Rurik von Hagen. Der Vater sei dort schon kräftig am Werkeln. Gunther von Hagens Worte an die Öffentlichkeit versprühen indes puren Optimismus. "Nur knapp konnte ich einer Absage durch Corona-Pandemie verursachte Einschränkungen entkommen. Deshalb werden zunächst meine Plastinate gezeigt und erst nach und nach Bezüge zu meinem Privatleben als Bürger meiner Heimatstadt ergänzt. Dabei kann ich auf die Unterstützung meiner Jugendfreunde und -freundinnen aus den 18 Jahren der mich prägenden Zeit in Greiz setzen", schreibt er. Es sei ihm ein Herzenswunsch, allen Greizern nach langer Quarantäne kulturelle Zuversicht zu vermitteln. Seine "untoten Plastinate" werden sich noch vor dem 27. Mai versammeln, vorausgesetzt, die Stadtgrenzen werden wegen der hohen Zahl der Neuerkrankungen nicht doch noch verrammelt, so der Plastinator. Er versichert, dass er ganz nach Vorgabe die Einschränkungen der Besucherzahlen einschränken werde. Durch die minimierte Besucherzahl entfiele für seine Exposition die langwierige Genehmigungsprozedur durch Bauordnungsämter, streicht von Hagens als Vorteil heraus.
In den nächsten Wochen werden die Plastinate eintreffen und zunächst neben der Eishalle in Schiffscontainer zwischengelagert. Die "Rangierarbeiten" erfolgten dann vorzugsweise an freier Luft.