Koch ohne Kaffeegäste

Rodewisch Was tun junge Vogtländer Sonntag, morgens halb zehn? Sie liegen noch im "Nest". So kam es, dass die 26-jährige Sozialdemokratin Sophie Koch als Gastgeberin allein vor Kaffee und Kuchen sitzen blieb. Eingeladen hatte Sophie Koch junge Menschen zum politischen Austausch ins Café Ars Vitae nach Rodewisch.
"Ich bin Frühaufsteher. Dass andere länger schlafen, daran habe ich nicht gedacht", sagt die ambitionierte Jungpoltikerin aus Reumtengrün, die als Juso-Spitzenkandidatin von sich reden macht und am 1. September für einen Dresdener Wahlkreis als SPD-Landtagskandidatin antritt. Mitbebracht hat sie die 27-seitige Broschüre "Sophies Kochbuch" mit Rezeptenfür den Gaumen, aber auch welche fürs Hirn: Dort verpackt die junge Frau ihre Ansichten zu Erwerbsarbeit, Verkehrswende, Schule und Umwelt oder zur bezahlbaren Zweiraumwohnung. Schon das meditterrane Cover mit Tomaten und Basiklikum sendet die Botschaft von Sophie Kochs Koalitionswunsch Rot-Rot-Grün aus. Unter dem Rezepttitel "Butter politisch" kann der rot angehauchte Koch Tomatenbutter mischen. Mit "Siamo tutti Antifascisti mit Oliven" zeigt sie deutlich Kante gegen rechts. "An der Talsperre Pöhl habe ich kürzlich einen Mann gesehen, der ein T-Shirt vom III. Weg trug. Die Leute im Vogtland reagieren nicht drauf, finden das vielleicht normal. In der Dresdener Neustadt hätten sich das die Leute nicht bieten lassen", so die Sozialdemokratin. Als Noch-Politikwissenschafts-Studentin in Dresden, die aus dem Vogtland stammt, weiß sie um die Probleme junger Leute in Großstadt und auf dem Dorf. In der Stadt fehle bezahlbarer Wohnraum, auf dem Dorf Bus und Bahn und natürlich schnelles Internet. In Dresden fahre sie nur ÖPNV oder Rad, aber um flexibel ins Vogtland zu kommen, müsse Vaters VW Passat herhalten. Ein Diesel. "Ich würde gern aufs Auto verzichten, brauche es aber ab und zu."
Würde Sophie Koch einen Eintopf kochen, wären als Ingredienzien ganz viel Bus und Bahn drin, ein Schuss Gemeinschaftsschule, preiswerte Wohnungen, Tariflöhnen. Gewürzt mit einem Schuss Zivilcourage und Antifaschismus. Der Topf brodelt übrigens nicht auf dem Kohleherd. Koch bringt ihn mit alternativen Energien zum Kochen. Und wie kocht die Reumtengrünerin privat? "Schnell, studentisch, leicht. Alles in einer Pfanne. Nur die Spitzen-Bambes, die mein Vater macht, gelingen mir noch nicht." Cornelia Henze