Koch aus Plauen zu mager für die Bundeswehr

David Schulze will furchtbar gern zur Bundeswehr. Als Freiwilliger. Aber dort hat man ihn ausgemustert. Grund: Der 20-jährige Plauener ist zu dünn.

Muldenberg/Plauen - Ironie an der Geschichte: David ist von Beruf Koch und ständig von guten Speisen umgeben. Doch für seine 1,65 Meter sind 51 Kilo Lebendgewicht einfach zu wenig - hat ihm der Musterungsarzt im Kreiswehrersatzamt eröffnet. "Ich bin vorübergehend ausgemustert, habe ein Jahr Zeit, um an Gewicht zuzulegen", sagt David traurig. Drei Jahre hat er den Kochberuf an der Berufsschule Falkenstein und in seinem Ausbildungsbetrieb, der "Flößerstube" Muldenberg, gelernt - jetzt hat er seine Prüfung bestanden. David Schulze ist ehrgeizig: "In ein, zwei Monaten will ich zwischen 55 und 60 Kilo drauf haben." Denn schon bald möchte er, dann etwas "beleibter", bei der Bundeswehr erneut vorsprechen.

Das "große Fressen" will sich der junge Mann aber nicht antun, der Rouladen und Sauerbraten mit Klößen ebenso gern kocht wie isst. Muskeln statt Fett - so heißt sein Trainingsprogramm. Nun schwingt David die Hanteln und ernährt sich, ähnlich wie ein Bodybuilder, fettarm - aber eiweißreich. Auf dem Speisezettel stehen Geflügel, Nudeln, Reis und Bananen."Ich war immer so stolz auf meinen Waschbrettbauch. Aber vielleicht muss man bei der Bundeswehr einen Bierbauch haben", sagt David. Jetzt, da die Bundeswehr ihren Pflicht-Charakter verloren hat, habe der Dienst als Soldat wieder seinen Reiz. Gerne würde David zum Heer - und, wenn es ihm dort gefällt, wäre er einer Laufbahn als Berufssoldat nicht abgeneigt. Dass der attraktive Wehrsold den Dienst an der Waffe noch sympathischer macht, verhehlt David Schulze nicht.

Der Wehrsold sei wahrlich ein Grund, weshalb sich seit kurzem junge Männer zum freiwilligen Wehrdienst meldeten, bestätigt auch Birgitt König, Leiterin des Kreiswehrersatzamtes Dresden - und kommissarische Leiterin gleicher Behörde in Leipzig. 282 Euro monatlich bekam ein Soldat zu Zeiten der Wehrpflicht - nun ist der Sold bis dritten Monat auf 777,30 Euro geklettert. Vom vierten bis sechsten Monat gibt es 800,40 und vom siebten bis zwölften 1003,50 Euro. Die maximale Leistung beträgt 1146,30 Euro und wird vom 19. bis 23. Monat gewährt. Hinzu kommen Weihnachtsgeld (19,20 Euro/Monat) und Entlassungsgeld (76,80 Euro/Monat). Manche melden sich auch freiwillig bei der Bundeswehr, um Wartezeiten zwischen Studium oder Beruf zu überbrücken oder einfach, um sich für die Gesellschaft zu engagieren, sagt Birgitt König.

Rund 600 junge Männer hat man allein im Kreiswehrersatzamt Dresden pro Quartal eingezogen, als Wehrpflicht bestand. Seit dem 1. Juli dienen 167 Leute aus Sachsen freiwillig bei der Bundeswehr - 107 kamen aus dem Kreiswehrersatzamt Dresden, 60 aus dem Leipziger Raum. Täglich lassen sich in Sachsen rund 20 junge Menschen mustern. Das ist wenig im Vergleich zum vorigen Jahr, als der Wehrdienst Pflicht war: 120 Kandidaten wurden täglich gemustert. Seit der Freiwilligkeit im März hat die Bundeswehr 18 000 junge Sachsen angeschrieben. 1000 Rückmeldungen gingen in den Kreiswehrersatzämtern ein. Davon traten auf freiwilliger Basis 359 Leute (seit März) den Grundwehrdienst bei der Bundeswehr an. Unter den Freiwilligen, die sich ab 1. Juli haben ziehen lassen, befand sich eine Frau.

David Schulze macht die Amtschefin jedenfalls Mut, sich bald noch einmal zu bewerben - auch in Hinsicht einer Berufslaufbahn beim Bund. "Köche werden immer bei uns gesucht."