Knollensteig schließt sich zum Ring

Unterwürschnitz  - Beim Verein Würschnitzer Knolleneck dreht sich alles um die Kartoffel - die gibt es in vielen Farben und Sorten.

 

Rosa Tannenzapfen wachsen auf dem Feld. Sandro Wilfert zieht eine Vitelotte aus der Erde und bricht sie auseinander. Die Knolle überrascht mit einer durch und durch intensiv violetten Farbe. Auf 1500 Quadratmetern Acker baut der Verein Würschnitzer Knolleneck alte Erdäpfelsorten an. Von Gelb über Blau, Tiefrot bis Burgunder reicht die Farbskala von Sorten wie Reichskanzler, Bamberger Hörnchen, Blauer Schwede, Highland Burgundy . . . "Und erst der Geschmack!", macht Marcel Fröhlich, der Schriftführer des eingetragenen Vereins, Appetit auf die bunte Kollektion, die noch ein bisschen reifen muss.

Der Verein hat sich im Februar 2009 gegründet, um in Unterwürschnitz und den Ortsteilen von Mühlental etwas auf die Beine zu stellen, berichtet Wilfert, der stellvertretende Vorsitzende. 17 Mitglieder zählt das Register plus zwei Ehrenmitgliedern. Beim Tag der Vogtländer in Markneukirchen hat sich der Verein mit einem tollen Umzugswagen vorgestellt, auf dem als Gallionsfigur, der vogtländische Kartoffelpionier Hans Wolf Kummerlöw aus dem Unterwürschnitzer Kartoffelhäusl mitfuhr.

Nicht zu verwechseln ist "Knolleneck e. V." mit dem "Knollenring", einem weiteren Verein, welcher sich Geschichte und Kultur des Kartoffelanbaus in der Region verschrieb. Winfried Taubner, der Ortschronist von Unterwürschnitz, ist Ehrenmitglied in beiden. Die drei Männer sitzen sich im Ferienhof Wilfert gegenüber und erzählen von ihrem neuen Projekt. Die Planung läuft an für die Erweiterung des Knollensteigs - der vergangenen Herbst eingeweiht wurde - zum Ringweg. Damit werde dem Wunsch vieler Wanderer entsprochen, Start und Ziel der Wanderroute in einem Punkt zusammenzuführen, erklärt Taubner, der seit Jahren zur Geschichte des vogtländischen Kartoffelanbaus forscht.

Von Tirschendorf bis Marieney soll die Strecke des Fernwanderwegs Eisenach-Budapest eingebunden werden. Von Marieney bis Hundsgrün wollen die Knolleneck-Leute einen alten Verbindungsweg revitalisieren, der jetzt in der Landschaft verschwunden ist. Er führt im Grund des Würschnitzbaches über die Haart-Mühle zur Hasenmühle und zum Unterwürschnitzer Erdäpfelhaus. An der Umspannstation schließt sich der Ring. Der jetzt acht Kilometer lange Steig dehnt sich auf ansehnliche 20 Kilometer Wandergenuss. Mitbedacht haben die Weg-Architekten auch eine B-Lösung für Eilige.

Als Höhepunkt - im wahrsten Sinne - könnte sich ein Abstecher vom Rundweg zum Birkenpöhl gestalten, der im Volksmund nur der Husarenberg heißt. Die Knollen-Freunde denken an einen Aussichtswarte auf dem Pöhl mit seinem hervorragenden Rundumblick. Die Finanzierung für eine solche Konstruktion wird nicht leicht, wissen sie und suchen nach Möglichkeiten - auch nach Sponsoren.

Für ihr Projekt "Ringweg" haben sie sich die Unterstützung des Mühlentaler Bürgermeister Dieter Weller geholt. Er stehe einem Fördermittelantrag der Gemeinde im Rahmen des Programms für die Integrierte Ländliche Entwicklung (ILEK) positiv gegenüber, berichtet Taubner. "Knolleneck" sucht weitere Verbündete. Der Kontakt ist hergestellt zu Vereinen, die in Marieney aktiv sind - zur Literaturgesellschaft "Julius Mosen" und zur Forschungsgruppe Kursächsische Postmeilensäulen. Vor allem Hilfe bei der Gestaltung der zehn neuen Informationstafeln zu Natur, Feld und Wald erhoffen sich die Unterwürschnitzer.

Zurück zu den alten Erdäpfelsorten. Die soll es zu kosten geben, wenn am Sonntag, 29. August, ab 10 Uhr, das 2. Würschnitzer Knollensteigfest gefeiert wird. Für die Teilnahme an der Vogtländischen Bambesmeisterschaft kann man sich unter der Adresse wuerschnitzerknolleneck@web.de im Internet bewerben.  R. W.