"Knöllchen-Felix" will Bürgerwehr gründen

Aus Angst, im Leben wieder abzurutschen, lenkt sich der Plauener Felix R. mit der Suche nach Falschparkern ab. Seit 2008 betreibt er sein zweifelhaftes Hobby, das inzwischen nicht nur in Plauen zum Stadtgespräch wurde.

Deutschlandweit sorgt der 29-Jährige als "Knöllchen-Felix" für Aufsehen. Gut 1500 Falschparker hat er schon im Ordnungsamt verpetzt. Nun äußert der Hilfspolizist sein nächstes Ziel: Die Gründung einer Bürgerwehr wäre sein Wunsch. Der Vogtland-Anzeiger hat Felix R. in dieser Woche interviewt.

Vogtland-Anzeiger: Herr Felix R. wie kamen Sie auf den Gedanken, Autofahrer beim Ordnungsamt anzuzeigen?

Felix R.: Ich habe an der Nobelstraße gearbeitet und da stand ein BMW mitten auf der Straße. Das war 2008. Da habe ich die Polizei gerufen. Das ist etwa zehn Mal passiert. Die Polizei hat mir gesagt, dass ich das gleich beim Ordnungsamt melden soll. Da war ich recht froh darüber. Das muss ja alles der Steuerzahler zahlen und da entlaste ich ihn.

Vielleicht noch einmal zu Ihrer Vergangenheit. Ihre ehemaligen Klassenkameraden beschuldigten Sie, dass sie in Prüfungen schlecht abschnitten und mehr als nur Alkohol konsumierten. Stimmt das?

Es ist nicht aus der Luft gegriffen. Schlechte Zensuren bringen den Abstieg mit. Ich hatte eine Suchterkrankung, war einmal rückfällig. Aber es ist vorbei und schon Jahre her. Seit 2008 trinke ich nicht einmal mehr Kaffee. Alles was mich abhängig macht, nehme ich nicht mehr. Das tut mir sehr gut. Dass die Klassenkameraden nicht ihren Namen herausgegeben haben, finde ich feige.

In den letzten fünf Jahren haben sie gut 1500 Autofahrer angezeigt. Sind Sie eigentlich selber Autofahrer?

Ich habe derzeit kein Auto, aber einen Führerschein. Die Suche nach einem Parkplatz muss nicht sein. Man sollte vorher sich überlegen, wo man sich hinstellen kann. Die Plauener sollten mehr mit der Bahn fahren, vor allem wenn sie kurze Wege haben.

Haben Sie schon mal im Halteverbot gestanden?

Ja, ich habe auch schon mal falsch gestanden. Ich musste schon zwei Mal Verwarngeld zahlen.

Wie sind die Reaktionen der Autofahrer, die Sie im Ordnungsamt anzeigen?

Natürlich ärgern sich die Leute. Einige sagen, ich sollte mich da raushalten und mir eine Arbeit suchen. Es sind viele kritisch, aber am Ende hält es sich die Waage. Einer will sogar mich vor Gericht sehen, aber da sehe ich mich im Recht. Viele Autofahrer spreche ich an und sage ihnen, dass sie im Halteverbot stehen. Viele freuen sich darüber und fahren weg.

Können Sie noch etwas konkretisieren, warum Sie dies tun?

Es hält mich davon ab, wieder abzustürzen. Ich möchte den Leuten zeigen, dass sie etwas falsch gemacht haben. Gerade Abend kann es zu Bränden kommen. Wenn die Feuerwehr kommt, stehen die Autos vielleicht vor den Häusern. Oder Muttis mit ihrem Kinderwagen wollen auf den Fußweg.

Bis zu 40 Falschparker verpetzen Sie in der Woche. Wollen Sie ihr Hobby in der Form fortführen?

Ich würde gerne eine Bürgerwehr gründen, die für Ordnung sorgt, das wäre mein Wunsch. In ihrer Gegend sollten die Leute aufpassen und nicht wegschauen, wenn etwas passiert. Wer mir helfen möchte, kann sich gerne bei mir melden.

Verfolgen Sie die Kommentare und Berichterstattung zu Ihrer Person?

Ich habe keinen Fernseher und im Internet sehe ich nicht rein - sollen die Leute schreiben.

Was würden Sie machen, wenn Ihnen das Ordnungsamt eine Stelle anbieten würde?

Das wäre ganz schön, aber ich halte den Angestellten-Druck nicht aus.

Wer ist Felix R.?

Felix R. ist der typische Einzelgänger. Freunde zu finden, sei ihm immer schwer gefallen. Meist geriet er an die Falschen. Der 29-Jährige wurde in Weimar geboren und verbrachte einen Großteil seiner Kindheit bei seiner Großmutter in Bad Elster, die seine Mutter adoptierte, die in Plauen wohnt. Gelegentlich ist er auch bei ihr gewesen.

Abitur abgebrochen

In Plauen besuchte Felix R. die frühere Wilhelm-Busch-Grundschule im Chrieschwitzer Hang. Am Albert Einstein Gymnasium legte er seine Realschulreife ab. Anschließend wechselte er in das Berufliche Schulzentrum e.o.plauen. Er beendete die Schule ohne Abschluss und wagte den Schritt in die Selbstständigkeit als Vermögensberater bei der Deutschen Vermögensberatung. Vor fünf Jahren startete der unter dem Namen "Knöllchen-Felix" jetzt bekannt gewordene Plauener den Versuch, am Diesterweg-Gymnasium sein Abitur nachzuholen. Der Plan scheiterte allerdings aufgrund der damaligen Lebenssituation. Die Arbeit sei zu viel gewesen.

Vater nicht gekannt

Felix R. hat keine Geschwister. Er selbst würde sich als sozial benachteiligt einschätzen. Seinen leiblichen Vater lernte er erst vor zwei Jahren zum ersten Mal kennen. Bis dahin kannte er ihn nicht, sagt er. Seit dem vergangenen Jahr sucht der 29-Jährige einen neuen Job als Vermögensberater. Derzeit ist er außer Dienst. Seine Job-Aussichten seien aber gut. Er wünscht sich gerne eine Familie.