"Kluger Witz schlägt Aggression"

Anke, Line, Renate, Anna und Lina - so einprägsam, kurz, weil fast immer zweisilbig, die Vornamen der jungen Frauen, die in Plauen einen Preis erhalten haben. Seit 1997 bis heute: den e.o.plauen-Förderpreis. Vergeben aller drei Jahre von e.o.plauen-Gesellschaft und Stadt Plauen und dotiert mit 2500 Euro.

Von Lutz Behrens

Plauen Ein Förderpreis heißt Förderpreis, weil er zumindest vom Namen her verspricht, den Geehrten zu fördern. In unserem Falle mit schnödem Mammon, was aber, wie jeder aus dem Musical weiß, die Welt am Laufen hält. Aber eben auch, und das ist nicht minder wichtig, mit Reputation, Ehre, Imagegewinn. Das lässt sich für alle Förderpreisträger sagen.

Bei der aktuellen Preisträgerin, Lina Ehrentraut, ist es ebenfalls sehr wahrscheinlich. Das versprachen auch die Gruß-, Lobes- und Würdigungsworte für Lina Ehrentraut. Zu hören am Freitag im neuen Ausstellungsraum des Plauener Vogtlandmuseums. Wobei neu es nicht trifft: nagelneu müsste es heißen, hatten doch die Maler gerade den Pinsel aus der Hand gelegt und den Saal verlassen, als die ersten Gäste zur Preisverleihung eintrafen. Und erneut ist der Chef des Museums zu preisen. Der es seit 2017 zu bemerkenswerten Veränderungen im Haus gebracht hat. Da ist ein nun wieder nutzbarer Saal für Sonderausstellungen nur einer von vielen Pluspunkten für Dr. Martin Salesch.

Dreimal kamen zur Preisverleihung drei Frauen zu Wort; neben dem obligatorischen Dank der Preisträgerin und der Moderation des Plauener Bürgermeisters Steffen Zenner. Zuerst mit Grußwort Eva-Maria Stange, derzeit noch Sächsische Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst. Gefolgt von Laudatorin Anna Haifisch, der Preisträgerin des Jahres 2016. Abgerundet von Dr. Elke Schulze, Vorstand der e.o.plauen-Stiftung, die in die aktuelle Ausstellung (bis 20. Oktober 2019) der Preisträgerin einführte.

Der gemeinsame Nenner aller drei Rednerinnen bei der Beurteilung von Lina Ehrentraut ist: die Hochachtung vor dem selbstbewussten, stilistisch eindeutig zuordbaren zeichnerischen Werk von Lina Ehrentraut.

Frau Stange sieht die Parallelen zu Ohser und erkennt bei beiden: "Kluger Witz schlägt Aggression." Anna Haifisch nimmt eine rhetorische Anleihe bei der Rede Ernst Reuters und hebt ironisch-pathetisch an: "Schaut auf diese Frau!". Bleibt ansonsten erfreulich locker, witzig und kurz. Lina Ehrentraut sei keine Einzelkämpferin, arbeite mit anderen zusammen, nicht zuletzt mit zwei Freunden im SQUASH-Team, an anderer Stelle als Vierer-Kollektiv bezeichnet. Auch hebt die Laudatorin die konsequente Ehrlichkeit der Künstlerin hervor und ihre bewusste Auflehnung gegen einen allgegenwärtigen Perfektionismus. Und Frau Haifisch würdigt Lina als die erste Studentin, die den e.o.plauen-Förderpreis erhalte.

In zehn Minuten schafft es Elke Schulze, prägnant und überzeugend, substantiell Verbindendes zwischen Erich Ohser und der Förderpreisträgerin aufzuzeigen. Da sei die "radikale Zeitgenossenschaft" beider Künstler. Da verbinde beide der Humor mit all seinen Spielarten von abstrus bis absurd. Bei beiden spiele das Zeichnen eine wichtige Rolle, und beider "Neugier auf alles" sei grenzenlos. Zudem diene Lina der Comic als Medium der Emanzipation.

Ein großformatiges Faltblatt erlaubt (kann aber den Besuch der Ausstellung nicht ersetzen) einen Einblick in die Themenwelt und künstlerische Handschrift Lina Ehrentrauts. Unverkennbar stellt sie sich bis zu überwältigender Nacktheit selbst dar, sieht sich als Frida Kahlo oder erzählt makabre Geschichten in Bildern. Wir lesen, dass Frau Ehrentraut auch Zines gestalte. Dabei handelt es sich (laut Wikipedia) um Publikationen in kleiner und sehr kleiner Auflage, die von Amateuren hergestellt werden und der Kommunikation innerhalb bestimmter Gruppen und Subkulturen dienen.

Die große, unverstellte Freude, die Lina Ehrentraut ob ihrer Ehrung ausstrahlt, erhellt die Preisverleihung. Musikalisch trägt zur heiteren Stimmung auch das Duo Stiehler/Lucacio bei. Obwohl sie die Hörgewohnheiten des etwas älteren Teils des Publikums zumindest bei einem Titel wegen dessen brachialer Lautstärke arg strapazieren, begeistern die beiden Musiker das Publikum. Im nun auch erschlossenen, kleinen Museumspark werden anschließend Butterbrezeln (droht das Oktoberfest?) und Getränke gereicht. Wir treffen dort Dr. Karl Gerhard Schmidt, Vorsitzender der e.o.plauen-Gesellschaft, die beiden Plauener Ehrenbürger Professor Dr. Klaus-Dieter Waldmann und Hellfried Unglaub, viele Damen und Herren der Erich-Ohser-Gesellschaft und den frischgebackenen, direkt gewählten Plauener Landtagsabgeordneten der AfD, Frank Schaufel.