Klotz: Plauen hat Angst vor Veränderungen

Vor einem halben Jahr besuchte Deutschlands Städtetester Christian Klotz Plauen. Der Vogtland-Anzeiger informierte ihn nun über die Entwicklung nach seinem Besuch.

Plauen - Städtetester Christian Klotz begrüßt die Auseinandersetzung mit den Kritikpunkten und Vorschlägen nach seiner Stippvisite im Sommer vergangenen Jahres in Plauen. Jedoch hätte er sich auch etwas mehr Tempo bei der Entwicklung gewünscht. Die Stadtverwaltung, die Klotz ein zweites Mal ins Vogtland einlud, dürfe keine Angst vor Veränderungen haben. "Erfolg ist nicht möglich, wenn nichts passiert", sagt der Städtetester. Optisch hat sich in Plauen seitdem Besuch des Bad Reichenhallers nichts verändert.

Auf dem Tisch liegt bisher ein anfänglich kritisierter Masterplan mit den wichtigsten verbesserungswürdigen Punkten, der in den nächsten Wochen und Monaten auf so genannten Innenstadt-Foren weiter konkretisiert werden soll. Die Auftaktveranstaltung dafür war im Januar, die nächste soll Ende Februar sein. Zu wenig, findet Klotz. "Wenn nichts passiert, wird die gesamte Innenstadt weiterhin ein trauriges Dasein führen und es wird wenig Investoren-Anfragen geben." Plauen habe zu viel Verkaufsfläche am Stadtrand. Es müsse in den nächsten Jahren rücksichtslos die Optik und Frequenz im Zentrum erhöht werden.

"Die Stadt muss sich verkaufen und nicht weiter verwalten." Als eine völlig falsche Entscheidung sieht Klotz das Machtwort der Stadt beim Thema Verkehrsfreigabe der Bahnhofstraße in bestimmten Bereichen. "Wenn der obere Teil der Einkaufsmeile leblos und tot ist, braucht kein Mensch Angst haben, das dort plötzlich zu viel los ist." Es müsse auch nicht unbedingt viel Geld dafür in die Hand genommen werden. EineTempo-20-Zone mit einer guten Beschilderung sei der richtige Weg. Ein gutes Beispiel dafür sei die pulsierende Stadt Freiburg, in deren Innenstadt Straßenbahn, Autos und Fußgänger wunderbar zusammen harmonieren würden. "Man darf nicht davor Angst haben, dass das Leben zurückkehrt."

Die Plauener Verwaltung habe Angst vor einer lebendigen und erfolgreichen Stadt. "Ich sage das nicht bösartig, aber die Verwaltung war gewöhnt, dass bisher Ruhe herrschte", sagte Klotz im Vogtland-Anzeiger-Interview. Nach Plauen nahm der Städtetester übrigens in Sachsen auch Chemnitz noch unter die Lupe. Die Stadt habe im Moment durchaus ähnliche Probleme bei der Innenstadtentwicklung wie Plauen. "Hier ist alles etwas größer, aber die Thematik ist die gleiche." Welche der beiden Städte die Hausaufgaben besser abarbeitet werde sich in den nächsten Jahren zeigen.