Klostermarkt - wenn die Nacht zur Qual wird

Plauen - Immer wieder beschwerten sich in den letzten Monaten Anwohner und Gewerbetreibende des Plauener Klostermarktes, sie können nicht schlafen oder finden beschädigtes Eigentum vor. Die Belebung des Plauener Stadtzentrums offenbart durch das Verhalten von Unbelehrbaren ihre Schattenseite. Abgetretene Autospiegel, vollurinierte Hauseingänge, blutverschmierte Wände, kaputte Fensterscheiben, herumliegende Dosen und Flaschen, grölende und pöbelnde Jugendliche prägen immer häufiger das Bild des Marktplatzes. Der Mangel an patroullierenden Ordnungskräften und der Nikotinkonsum, durch das Nichtrauchergesetz vor die Türen von Gaststätten und Diskotheken verlagert, potenzieren die Anzahl der Beschwerden. Die Hinweise aus der Bevölkerung werden zumeist mündlich diskutiert, zu wenige schriftliche Beschwerden erreichen Polizei und Ordnungsamt der Stadt Plauen.

  Kippenhalden vorm Eingang   Der Betreiber der Diskothek Number One, Stev Hemmerling, und natürlich auch andere Gastwirte sind rechtlich gesehen verantwortlich, im Umfeld für Ordnung und Sicherheit zu sorgen. Im Klartext bedeutet dies, sein eigentlicher Handlungsraum endet direkt an der Tür. Bis zur Schwelle kann er sein Hausrecht ausüben. Vor der Tür trägt er ebenso Verantwortung, allerdings muss er dort vom so genannten Jedermann-Recht Gebrauch machen. Durch die kollektive Verlagerung von Aktiv- und Passivrauchern in den Grenzbereich wird es nicht kontrollierbar für Veranstalter. Hemmerling kritisiert die Regelung ebenfalls: "Vor Jahren gab es diese Probleme auch schon, allerdings nicht so massiv". Die Partygänger hielten sich im kontrollierten Innenbereich auf, die Türsteher setzten die Hausordnung durch. Prügeleien wurden unterbunden, daraus resultierende Ruhestörungen waren seltener. Durch die massive Verlagerung des Kundenstromes und dem Enden der Hausordnung an der Türschwelle entsteht ein neues Arbeitsgebiet - der Klostermarkt! Hinzu kommt der Fakt, dass zu den 14-tägig stattfindenden Teeniediscos, kein Alkohol- und Tabak in den Räumlichkeiten der Diskothek konsumiert werden darf. Der Betreiber hält sich strikt an die Vorgaben des Ordnungsamtes, welches diese Veranstaltungen permanent kontrolliert. Die Jugendlichen verlagern also den Konsum von Alkohol und Zigaretten auf den nicht kontrollierten Klostermarkt. Selbst der Missbrauch von Drogen sei laut Anwohneraussage ein miterlebbares Schauspiel. Der "Coolness"-Faktor steigt, die Hemmschwelle sinkt. Sich beschwerende Anwohner und Passanten werden beleidigt, gar unter Androhung von Prügel vertrieben.

  Besserung in Sicht?   Laut Wolfgang Helbig, Ordnungsamtsleiter der Stadt Plauen, wurden bereits verschiedene Maßnahmen ergriffen. "Der Fall ist bekannt und befindet sich in Klärung. Die vorliegenden Beschwerden beziehen sich auf Ruhestörung und Ordnung". So soll der Discothek-Betreiber den Außenlautsprecher am Gebäude ab 22 Uhr abschalten, um so Lärm zu vermeiden. Herumliegender Schmutz, zumeist Zigarettenstummel im Umfeld des Eingangsbereiches, sind bis zum nächsten Morgen zu entfernen. "Das wird immer wieder überprüft und hat sich gebessert" betont der Helbig. Laut Diskobetreiber Stev Hemmerling werden die Überreste der Raucher in mühevoller Kleinarbeit per Hand aus den Pflasterritzen aufgesammelt. Der anfänglich eingesetzte Laubsauger wird zur Lärmvermeidung mittlerweile gemieden. Aktuelle Hinweise, in schriftlicher Form benötigt, liegen derzeit kaum vor. Die Einleitung von weiteren Maßnahmen kann nur auf Anzeigen bei der Polizei oder Beschwerden bei der Stadt Plauen erfolgen. Scheinbar verhindert der Verdruss der Betroffenen letztlich auch die Lösung des Problems. Für Hinweise, die der direkten Klärung vor Ort dienen, bietet der Betreiber der Diskothek den persönlichen Kontakt an. "Im Rahmen unserer Möglichkeiten sind wir selbstverständlich bemüht, sofort alle Maßnahmen zu ergreifen. Die Thematik ist allerdings viel komplizierter."

  Anwohner zum Thema   "Da ich selbst gern weggehe und mit 25 noch zu den Jüngeren gehöre, arrangiere ich mich mit der Situation", sagt eine Anwohnerin, die anonym bleiben möchte. "Die Diskothek trifft zwar nicht meinen Musikgeschmack, aber sie ist einer der wenigen Plauener Anlaufpunkte für Jugendliche und Junggebliebene. Eine dauerhafte Lösung muss dennoch gefunden werden. Aus Angst vor Vandalismus parke ich mein Fahrzeug weit entfernt, die Fenster werden bei Veranstaltungen der Diskothek geschlossen, schließlich will mein Kind auch schlafen." Und ein 28-Jähriger, der ebenfalls unerkannt bleiben möchte, ergänzt: "Seit 2001 wohne ich im direkten Umfeld der Diskothek N-One. Die Zahl der Störungen, insbesondere durch Lärmbelästigungen nimmt zu. Erst am 19. Februar vorigen Jahres wurde in der Nacht der Feueralarm in unserem Haus ausgelöst. Alle Mitbewohner wurden aus dem Schlaf gerissen. Was früher als Klingelrutscher galt, ist heute leider etwas heftiger. Im letzten November leerten Unbelehrbare die Feuerlöscher in unserem Haus, eine riesige Schweinerei. Sollte wirklich mal Gefahr in Verzug sein, kann so etwas lebensgefährlich werden." "Seit Jahren betreiben wir am Klostermarkt unser Geschäft, aber die Situation wird von Jahr zu Jahr unerträglicher. Während wir wöchentlich den Gästen unseres Hauses erklären müssen, warum es so laut war oder der Hauseingang nach Urin stinkt, schaut man von städtischer Seite nur weg. Die Pacht für die genutzten Außenflächen zahlen wir jährlich doppelt und dreifach, zu den städtischen Gebühren addieren sich noch die Kosten für verwüstetes und demoliertes Eigentum.", macht ein Gewerbetreibender seinem Unmut Luft.

  Diskothek-Betreiber   "Seit etwa drei Jahren gibt es uns am Plauener Klostermarkt. Unser vielschichtiges Publikum belebt die Innenstadt, dass es Probleme gibt, bleibt natürlich nicht aus. Seit dem Nichtraucherschutzgesetz haben wir zusätzliche Ordnungskräfte vor Ort, die natürlich auch zusätzliche Kosten verursachen. Ein kostenloser Shuttleservice vom Neustadtplatz zum Klostermarkt sollte den An- und Abfahrtslärm eindämmen, wurde allerdings von den Besuchern nicht angenommen. Unsere Ordnungskräfte sind angewiesen auch vor der Tür für Ruhe zu sorgen. Zur Besserung der Lage ist eine häufigere Präsenz von Ordnungsamt und Polizei unabdingbar.

  Ordnungsamtsleiter   Im letzten Jahr verlagerten wir zwei Monate lang die Arbeitszeiten der Politessen, um so dem wilden Parken im Umfeld der Diskothek Herr zu werden. Die Maßnahme verlief erfolgreich und wird heuer partiell bis 22 Uhr praktiziert. Natürlich können wir nicht die ganze Nacht präsent sein, dass ist personell nicht umsetzbar. Um weitere Maßnahmen einzuleiten, benötigen wir von den betroffenen Bürgern Fakten. Hierfür steht das Bürgerbüro, das Ordnungsamt oder die zuständige Wirtschaftsförderung für Gewerbetreibende zur Verfügung.