Klingenthaler Tierpark mit Patenschaft für Vielfraß

Thomas Zegula und Matthias Gruber von der Linksfraktion im Stadtrat hatten am Dienstagabend zum Stammtisch in die Gaststätte "Sportlerheim" geladen, doch leider hatten sich nur wenige Besucher zur Diskussion des Themas "Tierpark" Klingenthal eingefunden.

 

Von den anderen Stadtratsfraktionen war lediglich Carsten Förster als Vertreter des Vereins Pro Klingenthal anwesend. Matthias Gruber verwies in seiner Begrüßung auf die heutige Bedeutung von Zoos und Tiergärten, die in erster Linie eine Bildungsaufgabe hätten. Dies sei auch der Grund für die Errichtung vor 46 Jahren gewesen. Doch trotz des ehrenamtlichen Engagements vieler Leute sei der gegenwärtige Zustand des Tierparks unbefriedigend, wie Reviertierpfleger Tino Richter erläuterte. Dies sei insbesondere auf die prekäre Personalsituation zurückzuführen. Mindestens zehn qualifizierte Vollbeschäftigte seien notwendig, denen lediglich vier Festangestellte und fünf in Teilzeit arbeitende Mitarbeiter gegenüber ständen, was umgerechnet etwa 5,5 Vollzeitstellen entspricht. Dass diese, trotz großen Einsatzes, die Aufgaben nicht bewältigen könnten, war auch der Landtagsabgeordneten Andrea Roth von der Linkspartei klar. "Bei meinem Besuch im Tierpark vor einigen Wochen hatte ich den Eindruck von Rückbau und Abwicklung", konstatierte sie und meinte Kräfte zu erkennen, die den Tierpark allzu gern schließen würden.

Neben der Reduzierung von 50 auf derzeit etwa 30 Arten spräche dafür auch die rabiate Abholzaktion unterhalb des Tierparks, der sogar seltene Bäume zum Opfer fielen. Aus ihrer Sicht müsse der Tierpark als touristisches Kleinod unbedingt erhalten werden, wobei Roth allerdings schlüssige Konzepte des Tierparkvereins als Betreiber anmahnte. Brigitte Schädlich von der Abteilung Kultur der Stadtverwaltung forderte als erste Maßnahme ein Bekenntnis der Stadt zu allen ihren touristischen Einrichtungen, wobei Matthias Gruber, der neu im Stadtrat ist, zusicherte, zur nächsten Stadtratssitzung einen entsprechenden Antrag zum Tierpark einzubringen.

Carsten Förster kritisierte, dass das Angebot des Gewerbevereins zum Sponsoring des Tierparks auch mit dringend benötigten Sachleistungen bisher nicht angenommen wurde und erneuerte dieses nochmals. Andrea Roth rief die Klingenthaler auf, für die Neuaufforstung des Kahlschlages einen Baum zu spenden, an dem auch der Name des Spenders angebracht wird. Sie würde hierfür den Anfang machen und zugleich eine Tierpatenschaft übernehmen, am liebsten für den Vielfraß.

Für die linke Landtagsabgeordnete ist es darüber hinaus ein Unding, dass die Betreibung des Tierparks zu den freiwilligen Aufgaben der Stadt gehört, die wie andere auch jederzeit eingestellt werden kann. "Das muss über den Kulturraum finanziert werden", so ihr Fazit, wobei sie sich außerdem zu Möglichkeiten der Bereitstellung von Fördermitteln kundig machen will.  Helmut Schlangstedt