Klingende Raritäten erleben

Museen wirken manchmal leblos und verstaubt. Ausgestellte Gegenstände reden schließlich nicht. Und so bemüht man sich vielerorts, Exponaten Leben einzuhauchen und sie für die Besucher erlebbarer zu machen. Das gilt auch für das Instrumentenmuseum in Markneukirchen.

Von Helmut Schlangstedt

Hier im Museum Markneukirchen arbeitet seit gut vier Jahren Rolf Killius aus London. Ursprünglich stammt er aus der Badener Gegend, lebt viele Jahre in England und ist Honorarfachkraft für das Museum. Der Musikethnologe beschäftigt sich mit einem Teilgebiet der historischen Musikwissenschaft. Dabei begann er bei seiner Forschungstätigkeit vor einigen Jahren Video-Interviews mit mehreren Markneukirchner Handwerksmeistern anzufertigen, die Einblick in alte Handwerkstechniken geben. Einige dieser Filme sind seit letztem Jahr im Instrumentenmuseum zu sehen.
Vor wenigen Tagen hielt Rolf Killius im Gerber Hans Haus vor einem interessierten Publikum einen Vortrag mit dem Titel "Die Welt in Markneukirchen - Markneukirchen in der Welt", was sich auf den weltweit einzigartigen Fundus des Museums mit Instrumenten aus aller Welt bezog, wie Museumsleiterin Heidrun Eichler zur Begrüßung der Besucher erläuterte. So waren im ersten Teil des Vortrags von Rolf Killius Ausschnitte der Interviews zu sehen, die er in den letzten Jahren gedreht hatte. So erläuterte Irene Vogt, die bereits seit 1945 in Markneukirchen lebt, wie eine Trompetengravur entsteht. Friederike Preuss zeigte, wie in aufwändiger Arbeit aus Perlmutt ein Inlay, etwa ein Namenszug, für einen Gitarrenkopf angefertigt wird. 
 Geigenbaumeister Stefan Rehms erklärte die Herstellung des Lacks für eine Geige, wie dieser aufgetragen und nachbehandelt wird. Es berichteten auch mehrere Instrumentenbauer als Zeitzeugen über ihren beruflichen Werdegang. So etwa Udo Kretzschmann, der Mathematiker werden wollte aber nicht aufs Gymnasium konnte und auf diese Weise Geigenbauer wurde. Er berechnete übrigens die Riesengeige des Museums. Oder auch Gitarrenbaumeister Joachim Schneider, der 1939 in einer Instrumentenbauerfamilie geboren wurde.
Im zweiten Teil seines Vortrags sprach Rolf Killius über seine Arbeit für das Museum in den vergangenen sechs Wochen, dessen Sammlung von Paul Otto Apian-Bennewitz 1888 begründet wurde. Der Schwerpunkt lag dabei auf außereuropäischen Instrumenten. Es seien Experten gewesen, die die Instrumente zusammengetragen hätten und die zum Teil auch als Diplomatengeschenke nach Markneukirchen kamen. Die Sammlung sei einzigartig mit echten Raritäten. So gäbe es etwa 86 Instrumente aus China, von denen einige der dortigen Kulturrevolution zum Opfer fielen. Aber auch aus Japan und Korea, Afrika, der Türkei oder Birma gäbe es interessante Sammlungen. Dabei zeigte er etwa Geigen aus Syrien aus der Zeit um 1885 von einer damals bedeutenden Instrumentenbauerfamilie, eine Sarangi aus Indien, eine Kanun aus Ägypten sowie weitere Instrumente. Etwa 40 Prozent der Instrumente hätte er bisher abgearbeitet, so Rolf Killius. Es sei wichtig, den Besuchern den Klang und die Musik des Instruments zu vermitteln. Eine Aufgabe für die Zukunft, genau wie die Herstellung eines Zusammenhangs zwischen europäischen und außereuropäischen Instrumenten, so das Fazit des Wissenschaftlers, der im Anschluss noch viele Fragen beantworten musste.